Ale­xej Na­wal­ny, kalt­ge­stell­ter Kon­kur­rent

Leipziger Volkszeitung - - BLICKPUNKT - Bo­ris Reit­schus­ter

Wenn Ale­xej Na­wal­ny wie­der ein­mal mit weit auf­ge­ris­se­nen Au­gen und ge­senk­ter Stirn vor die Ka­me­ra tritt und ein neu­es Vi­deo auf Youtube hoch­lädt, kommt so man­cher Staats­die­ner in Russ­land ins Schwit­zen: Mit sei­nen Ent­hül­lun­gen über Kor­rup­ti­on, Macht­miss­brauch und un­vor­stell­ba­ren Lu­xus der Herr­schen­den sorgt der 41-Jäh­ri­ge welt­weit für Schlag­zei­len.

Der Ju­rist wä­re nach An­sicht von Mei­nungs­for­schern der ein­zi­ge Kan­di­dat, der Prä­si­dent Pu­tin bei den Wah­len Pa­ro­li bie­ten könn­te. Doch der Kreml hat vor­ge­sorgt: In den Weih­nachts­fei­er­ta­gen, als kaum je­mand ge­nau hin­schau­te, schloss die Wahl­kom­mis­si­on den Va­ter zwei­er Kin­der als Kan­di­dat aus. Als An­lass nann­te sie ei­ne Ver­ur­tei­lung we­gen Be­trugs.

Nach An­sicht von Kremlkri­ti­kern war das Ver­fah­ren po­li­tisch mo­ti­viert. Schon zu­vor hat­te der Eu­ro­päi­sche Ge­richts­hof für Men­schen­rech­te ein ähn­li­ches Ur­teil ge­gen den Ju­ris­ten und sei­nen Bru­der als will­kür­lich zu­rück­ge­wie­sen. Im­mer wie­der wur­de Na­wal­ny in der Vor­wahl­zeit ein­ge­sperrt, un­ter teils fa­den­schei­ni­gen Vor­wän­den. Im Mai 2017 über­stand er ei­nen An­schlag mit ei­ner ät­zen­den Farblö­sung. Sein Bru­der ist seit drei Jah­ren in Haft.

All das schreckt den Hü­nen aber nicht. Na­wal­ny ver­steht es wie kein an­de­rer, den Pro­test ge­gen Pu­tin zu ver­ei­nen. Des­halb wur­de er zum Hoff­nungs­trä­ger der chro­nisch zer­strit­te­nen Op­po­si­ti­on. Er war die trei­ben­de Kraft hin­ter den Mas­sen­pro­tes­ten im Ju­ni 2017. Dass die Kreml­par­tei „Ei­ni­ges Russ­land“im Volks­mund den Bei­na­men „Par­tei der Die­be und Gau­ner“hat, ist ihm zu ver­dan­ken.

Sein jüngs­ter Streich: Er film­te mit ei­ner Droh­ne das schloss­ar­ti­ge An­we­sen des Pu­tin-ver­trau­ten und Vi­ze-pre­miers Igor Schu­wa­low – und deck­te da­bei auf, dass in der Nä­he gan­ze Häu­ser­wän­de fens­ter­los blie­ben, da­mit die Be­woh­ner kei­nen Blick auf den Pracht­bau ha­ben.

Na­tio­na­lis­ti­sche Tö­ne wer­fen Kri­ti­ker Na­wal­ny vor. Groß­rus­si­sches Den­ken ist dem Op­po­si­ti­ons­füh­rer tat­säch­lich nicht fremd: Die an­nek­tier­te Krim wür­de auch er nicht an die Ukrai­ne zu­rück­ge­ben.

Fo­to: dpa

Mu­tig und laut: Ale­xej Na­wal­ny.

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