Trotz Lam­merts Kri­tik: Ja zu Fi­nanz­re­form

13 Grund­ge­setz­än­de­run­gen nö­tig – Ko­ali­ti­ons­frak­tio­nen ver­tei­di­gen Kom­pro­miss

Lindauer Zeitung - - NACHRICHTEN & HINTERGRUND -

BER­LIN (sal) - Die Frak­tio­nen der Gro­ßen Ko­ali­ti­on ha­ben sich hin­ter den Kom­pro­miss zur Neu­ord­nung der Bund-Län­der-Fi­nanz­be­zie­hun­gen ge­stellt. We­gen der da­für nö­ti­gen 13 Grund­ge­setz­än­de­run­gen hat­te Bun­des­tags­prä­si­dent Nor­bert Lam­mert sein Nein bei der Ab­stim­mung an­ge­kün­digt. Er sprach von ei­nem „mons­trö­sen Ein­griff“ins Grund­ge­setz. Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) rech­net trotz­dem mit der Zu­stim­mung. In Bun­des­tag und Bun­des­rat sind je­weils Zwei-Drit­telMehr­hei­ten nö­tig. Bis zur Som­mer­pau­se soll es ver­ab­schie­det sein.

„Für uns als Uni­on ist klar, dass wir den Kom­pro­miss der Län­der nicht in­fra­ge stel­len“, sagt der Vor­sit­zen­der der Uni­ons-Ar­beits­grup­pe Haus­halt, Eck­hardt Reh­berg. Frak­ti­ons­vi­ze Ralph Brink­haus weist dar­auf hin, dass das Ge­samt­pa­ket ei­ne schwe­re Ge­burt sei, schließ­lich sei es mit 16 Bun­des­län­dern, dem Bun­des­tag und den ver­schie­dens­ten Res­sorts er­ar­bei­tet wor­den.

Der Bund will von 2020 an rund zehn Mil­li­ar­den jähr­lich für die Län­der in ein Aus­gleichs­sys­tem ge­ben. Wei­te­re 3,5 Mil­li­ar­den Eu­ro sol­len für die Bil­dungs­in­fra­struk­tur in fi­nanzsschwa­chen Kom­mu­nen zur Ver­fü­gung ge­stellt wer­den. Da­für er­hält der Bund mehr Steue­rungs- und Kon­troll­rech­te ge­gen­über den Län­dern, zum Bei­spiel in der Steu­er­ver­wal­tung und bei den Bun­des­au­to­bah­nen.

Mit dem Aus­gleich ha­be man es ge­schafft, dass in Zu­kunft ei­ni­ge Län­der (wie Ba­den-Würt­tem­berg und Bay­ern) nicht mehr so stark in der So­li­da­ri­tät sind, aber an­de­re am En­de nicht we­ni­ger ha­ben, meint Ralph Brink­haus. Die Gro­ße Ko­ali­ti­on sei wohl die ein­zi­ge Mög­lich­keit, so et­was hin­zu­be­kom­men.

Auch in der SPD-Frak­ti­on herrscht Zuf­rie­den­heit. Es ste­cke „viel gu­te so­zi­al­de­mo­kra­ti­sche Po­li­tik“in dem Pa­ket, stel­len die Haus­häl­ter Cars­ten Schnei­der und Jo­han­nes Kahrs fest: Das Auf­bre­chen des Ko­ope­ra­ti­ons­ver­bots im Bil­dungs­be­reich, die Un­ter­stüt­zung Al­lein­er­zie­hen­der durch den Un­ter­halts­vor­schuss so­wie ein­deu­ti­ge Schran­ken ge­gen ei­ne Pri­va­ti­sie­rung der Au­to­bah­nen und Bun­des­stra­ßen.

Um die In­fra­struk­tur­ge­sell­schaft des Bun­des war be­son­ders ge­run­gen wor­den. Sie soll nicht teil­pri­va­ti­siert wer­den. Auch öf­fent­lich-pri­va­te Part­ner­schaf­ten sol­len nur für Ein­zel­pro­jek­te mög­lich sein.

FO­TO: DPA

Nor­bert Lam­mert

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