„Lands­hut“soll vor der Wahl an­kom­men

Baye­ri­sche Grü­ne ver­ab­schie­den Plan zum The­ma „gift­freie Land­wirt­schaft“

Lindauer Zeitung - - ERSTE SEITE - Von Ralf Müller

FRIED­RICHS­HA­FEN (mh) - Die „Lands­hut“wird vor­aus­sicht­lich noch vor der Bun­des­tags­wahl in Fried­richs­ha­fen am Bo­den­see ein­tref­fen – vor­aus­sicht­lich am 23. Sep­tem­ber. Dies sag­te Da­vid Dor­nier, En­kel des Flug­zeug­bau­ers Clau­de Dor­nier und Lei­ter des Dor­nier-Mu­se­ums, am Frei­tag der „Schwä­bi­schen Zei­tung“. Das Flug­zeug vom Typ Bo­eing 747, be­kannt aus dem Ter­ror­herbst 1977, wird der­zeit im bra­si­lia­ni­schen For­ta­le­za zer­legt.

LANDS­HUT - Als glü­hen­de Eu­ro­pä­er ha­ben sich die Grü­nen im baye­ri­schen Land­tag zum Ab­schluss ih­rer Herbst­klau­sur prä­sen­tiert. „Von we­ni­ger Eu­ro­pa hat kei­ner mehr“, sag­te Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de Kat­ha­ri­na Schu­le am Frei­tag in Lands­hut. Gast am letz­ten Klau­sur­tag war der Vor­sit­zen­de der Grü­nen Eu­ro­pa­par­tei Rein­hard Bü­tik­o­fer. Der lob­te aus­drück­lich den CSU-Eu­ro­pa­ab­ge­ord­ne­ten Manfred We­ber und stell­te sich hin­ter den kon­ser­va­ti­ven EU-Kom­mis­si­ons­prä­si­den­ten Je­an-Clau­de Juncker.

Ei­ni­ge aus der „baye­ri­schen Politik“hät­ten sich um­ge­hend auf Juncker we­gen des­sen For­de­rung auf Aus­wei­tung der Eu­ro­zo­ne und der Rei­se­frei­heit auf al­le EU-Staa­ten ein­ge­schos­sen, sag­te Bü­tik­o­fer. Da­bei ha­be Juncker nur auf die Rechts­la­ge hin­ge­wie­sen, der zu­fol­ge ein ge­mein­sa­mer Eu­ro­raum und Weg­fall der Grenz­kon­trol­len zwi­schen al­len Mit­glieds­län­dern an­ge­strebt wer­de. Die Stra­te­gie, auf ver­schie­de­nen Fel­dern ein „Eu­ro­pa der un­ter­schied­li­chen Ge­schwin­dig­kei­ten“zu pro­pa­gie­ren, wenn man sich nicht ei­ni­gen kön­ne, füh­re auf Dau­er nicht wei­ter.

Bü­tik­o­fer lobt We­ber

Aus­drück­lich lob­te der grü­ne Eu­ro­pa­po­li­ti­ker den Vor­sit­zen­den der EVP-Frak­ti­on im Eu­ro­pa­par­la­ment und CSU-Vi­ze Manfred We­ber, der sich kürz­lich zur Un­ter­see-Gas­lei­tung „Nord Stream 2“von Russ­land nach Stral­sund (Meck­len­burg-Vor­pom­mern) ge­äu­ßert ha­be. Das Pro­jekt wi­der­spre­che den Zie­len gu­ter Be­zie­hun­gen zu den ost­eu­ro­päi­schen Län­dern, sag­te Bü­tik­o­fer.

Nicht so freund­lich ging die Frak­ti­ons­che­fin Schul­ze mit der CSU-Eu­ro­pa­po­li­tik um. Eu­ro­pa­po­li­tisch neh­me man von der CSU nicht viel mehr wahr als ih­ren Kampf zur Auf­recht­er­hal­tung der Bin­nen­grenz­kon­trol­len: „So funk­tio­niert die Zu­sam­men­ar­beit auf eu­ro­päi­scher Ebe­ne nicht.“Ge­gen Ter­ro­ris­mus emp­feh­len die Grü­nen statt­des­sen ei­nen bes­se­ren und schnel­le­ren In­for­ma­ti­ons­aus­tausch der Si­cher­heits­be­hör­den Eu­ro­pas so­wie „grenz­über­schrei­ten­de Er­mitt­lungs­teams“. Bay­erns Mi­nis­ter­prä­si­dent Horst See­ho­fer (CSU), so die An­sicht Schul­zes, sol­le im Üb­ri­gen lie­ber mal den ös­ter­rei­chi­schen Bun­des­prä­si­den­ten Alex­an­der van der Bel­len, ur­sprüng­lich Kan­di­dat der Grü­nen, ein­la­den als den un­ga­ri­schen Au­to­kra­ten Vik­tor Or­ban.

Die 17 baye­ri­schen Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten der Grü­nen be­schäf­tig­ten sich in Lands­hut auch noch ein­mal mit dem Kern­the­ma der Ta­gung, näm­lich „gift­freie Land­wirt­schaft“. Bis zum Jahr 2030 wol­len die Grü­nen den Ein­satz von Pflan­zen­schutz­mit­teln auf Äckern hal­bie­ren, lang­fris­tig sol­len gar kei­ne Pes­ti­zi­de mehr aus­ge­bracht wer­den. Bei ih­rer Klau­sur­ta­gung setz­te die Frak­ti­on hier­für ei­nen Vier-Punk­te-Plan auf. Die­ser be­inhal­tet die Re­du­zie­rung des Ein­sat­zes von che­misch-syn­the­ti­schen Pes­ti­zi­den so­wie die Un­ter­stüt­zung des Öko­land­baus. Land­wirt­schaft müs­se „mit und nicht ge­gen die Na­tur“be­trie­ben wer­den, sag­te der Co-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de Lud­wig Hart­mann.

Ein Lang­zeit­ver­such des In­sti­tuts für Pflan­zen­schutz am Lan­des­amt für Land­wirt­schaft hat nach An­ga­ben Hart­manns ge­zeigt, dass der Ein­satz von In­sek­ten- und Pflan­zen­gif­ten um ein Vier­tel ge­senkt wer­den könn­te, oh­ne dass sich nen­nens­wer­te Er­trags­ein­bu­ßen ein­stell­ten. Die Grü­nen lei­ten dar­aus die For­de­rung ab, dass der Ein­satz die­ser Mit­tel auf den staat­li­chen Lie­gen­schaf­ten „so­fort“um 25 Pro­zent zu re­du­zie­ren sei.

Mehr als die Hälf­te al­ler Tier- und Pflan­zen­ar­ten sei­en vom Auss­ter­ben be­droht, sag­te Hart­mann. Au­ßer­dem ge­be es Un­ter­su­chun­gen, de­nen zu­fol­ge 80 Pro­zent der Nah­rungs­mit­tel der Men­schen di­rekt oder in­di­rekt durch die Be­stäu­bung von Bie­nen ab­hän­ge: „Da läuft doch was falsch.“

FO­TO: DPA

Streit­punkt Pflan­zen­schutz­mit­tel. Die Land­tags­frak­ti­on der Grü­nen in Bay­ern will bis 2030 den Ein­satz von Gift auf Äckern hal­bie­ren.

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