Ab­ge­lenkt durch das Smart­pho­ne: Mehr Un­fäl­le auf Spiel­plät­zen

Spiel­platz-Un­fäl­le seit Be­ginn der Smart­pho­ne-Ära ver­drei­facht – Ge­fahr beim Rut­schen

Lingener Tagespost - - VORDERSEITE - Fo­to: Micha­el Grün­del

Das Tip­pen

auf dem Smart­pho­ne ist ein net­ter Zeit­ver­treib für El­tern, wäh­rend das Kind auf dem Spiel­platz tobt. For­scher er­ken­nen dar­in al­ler­dings ei­nen Ri­si­ko­fak­tor. Denn wenn El­tern mit dem Smart­pho­ne be­schäf­tigt sind, ist der Blick vom Kind ab­ge­lenkt. Die Bun­des­ar­beits­ge­mein­schaft „Mehr Si­cher­heit für Kin­der“sieht ei­nen Zu­sam­men­hang zwi­schen dem Tip­pen auf dem Han­dy und ei­ner er­höh­ten Zahl an Un­fäl­len auf dem Spiel­platz. Die Ex­per­ten ver­wei­sen auf ei­ne Stu­die aus Ös­ter­reich. Dem­nach hat sich seit den An­fän­gen der Smart­pho­ne-Nut­zung im Jahr 2008 bis 2015 die Zahl der Un­fäl­le auf Spiel­plät­zen von Kin­dern un­ter fünf Jah­ren mehr als ver­drei­facht. Be­ob­ach­tun­gen er­ga­ben, dass nur ei­ne von zehn Auf­sichts­per­so­nen auf dem Spiel­platz voll bei der Sa­che ist.

Man­che El­tern wei­chen ih­rem Klein­kind auf dem Spiel­platz kaum von der Sei­te. An­de­re star­ren hin­ge­gen im­mer­zu aufs Han­dy. Ex­per­ten ra­ten von bei­dem ab.

dpa CHI­CA­GO/BER­LIN. Vie­le schwe­re Ver­let­zun­gen auf Spiel­plät­zen könn­ten El­tern nach An­sicht von Ex­per­ten ver­mei­den. So steigt laut ei­ner US-Un­ter­su­chung das Ri­si­ko ei­nes Bein­bruchs, wenn Klein­kin­der auf dem Schoß ei­nes Er­wach­se­nen rut­schen statt al­lei­ne. Zu­dem warnt In­ke Ru­he, Ge­schäfts­füh­re­rin der Bun­des­ar­beits­ge­mein­schaft „Mehr Si­cher­heit für Kin­der“, El­tern da­vor, sich auf dem Spiel­platz vom Smart­pho­ne ab­len­ken zu las­sen.

Sie ver­weist auf ei­ne Un­ter­su­chung aus Ös­ter­reich. Dem­nach hat sich seit den An­fän­gen der Smart­pho­ne-Ära im Jahr 2008 bis zum Jahr 2015 die Zahl der Un­fäl­le auf Spiel­plät­zen von Kin­dern un­ter fünf Jah­ren mehr als ver­drei­facht. „Die­ser An­stieg könn­te auf den Fak­tor ,Ablen­kung‘ durch die zu­neh­men­de Smart­pho­ne-Nut­zung zu­rück­zu­füh­ren sein“, heißt es in der Un­ter­su­chung des Ku­ra­to­ri­ums für Ver­kehrs­si­cher­heit (KFV) aus dem ver­gan­ge­nen Jahr.

Be­ob­ach­tun­gen er­ga­ben dem­nach, dass neun von zehn Auf­sichts­per­so­nen nicht ganz bei der Sa­che sei­en – in knapp der Hälf­te der Fäl­le war das Han­dy der Grund. „Schon we­ni­ge Se­kun­den der Unacht­sam­keit rei­chen aus, um ei­nen dro­hen­den Sturz von der Schau­kel oder das Ein­klem­men von Fin­gern auf der Wip­pe nicht recht­zei­tig er­ken­nen zu kön­nen“, sag­te KFV-Di­rek­tor Oth­mar

Thann da­zu.

Aus US-Da­ten geht her­vor, dass zu­dem Rut­schen auf dem Schoß der El­tern be­son­ders ge­fähr­lich ist. For­scher hat­ten sich knapp 12 700 do­ku­men­tier­te Rutsch-Un­fäl­le in den USA ge­nau­er an­ge­schaut. „Die häu­figs­ten Ver­let­zun­gen durch Rut­sch­un­fäl­le bei Klein­kin­dern sind Brü­che der un­te­ren Ex­tre­mi­tä­ten. Die Haupt­ur­sa­che da­für ist, auf dem Schoß ei­ner an­de­ren Per­son zu rut­schen“, schrei­ben die For­scher um

Charles Jen­nis­sen von der Uni­ver­si­tät von Io­wa.

Die­se Art von Brü­chen – spe­zi­ell des Schien­beins – ent­steht dem­nach, wenn Kin­der mit ih­rem Bein an ei­ner Stel­le der Rut­sche hän­gen blei­ben, der Schwung des Er­wach­se­nen sie aber wei­ter­schiebt. Rutscht ein Kind al­lei­ne, sei­en die auf die Bei­ne wir­ken­den Kräf­te ge­rin­ger. Die US-Me­di­zi­ner war­nen Er­wach­se­ne da­vor, mit Kin­dern auf dem Schoß zu rut­schen. Soll­ten sie es doch tun, sei „ex­tre­me Vor­sicht“nö­tig.

Bar­ba­ra Lud­wi­kow­ski, Chef­ärz­tin der Chir­ur­gie des Kin­der­kran­ken­hau­ses auf der Bult in Han­no­ver, be­ob­ach­tet ähn­li­che Fäl­le wie die ame­ri­ka­ni­schen For­scher: „Bei un­se­ren ei­ge­nen Pa­ti­en­ten se­hen wir zu­neh­mend Un­ter­schen­kel­brü­che von Klein­kin­dern, die mit Be­gleit­per­so­nen rut­schen.“Ei­ne Stu­die zur Zahl sol­cher Un­fäl­le in Deutsch­land ge­be es nicht.

Das Team um Jen­nis­sen stell­te bei der Aus­wer­tung der US-Da­ten fest, dass die häu­figs­te Dia­gno­se bei Rut­sch­un­fäl­len mit 36 Pro­zent Kno­chen­brü­che wa­ren. Bei knapp je­dem fünf­ten Fall han­del­te es sich um Platz­wun­den. Ein- bis Zwei­jäh­ri­ge ver­letz­ten sich dem­nach beim Rut­schen be­son­ders häu­fig. Für Deutsch­land gibt es laut Ru­he kei­ne all­ge­mei­nen Zah­len über Spiel­platz-Un­fäl­le. Auch sie rät aber da­von ab, zu­sam­men mit Kin­dern zu rut­schen. „Die Kin­der sol­len den Spiel­platz frei er­obern kön­nen.“

Mehr Stu­di­en zu den The­men Kin­der und Ge­sund­heit le­sen Sie auf noz.de/gzw

Fo­to: dpa

Sind El­tern auf Spiel­plät­zen nicht mehr auf­merk­sam ge­nug? Seit Be­ginn der Smart­pho­ne-Ära ver­drei­fach­te sich Zahl der die Spiel­platz-Un­fäl­le.

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