Drey­er für „mehr kon­struk­ti­ven Streit“

Mi­nis­ter­prä­si­den­tin: SPD muss Pro­fil schär­fen und Pro­ble­me kon­kret be­nen­nen

Lingener Tagespost - - POLITIK - Von Uwe West­dörp

OSNABRÜCK. Wie muss sich die SPD nach der Schlap­pe bei der Bun­des­tags­wahl neu auf­stel­len? Ma­lu Drey­er, SPD-Mi­nis­ter­prä­si­den­tin in Rhein­land-Pfalz, for­dert im In­ter­view mit un­se­rer Re­dak­ti­on ein schär­fe­res so­zi­al­po­li­ti­sches Pro­fil der SPD. Zu­dem ver­langt sie „mehr kon­struk­ti­ven Streit“.

Frau Drey­er, in Nie­der­sach­sen zeich­net sich ein Kopf-an-Kopf-Ren­nen zwi­schen CDU und SPD ab. Wel­ches The­ma wür­den Sie nach vor­ne stel­len, um die ent­schei­den­den Punk­te zu ho­len?

Die SPD steht wie kei­ne an­de­re Par­tei für die so­zia­le Ge­rech­tig­keit. Sie spielt bei uns in al­len Fel­dern ei­ne zen­tra­le Rol­le, in der Bil­dungs­po­li­tik, bei der Gestal­tung der Di­gi­ta­li­sie­rung oder bei der In­te­gra­ti­on von Flücht­lin­gen – stets geht es dar­um, wie wir die Auf­ga­ben so­li­da­risch und zum Woh­le al­ler Bür­ger und Bür­ge­rin­nen lö­sen. Mi­nis­ter­prä­si­dent Stephan Weil und die SPD Nie­der­sach­sen ge­ben über­zeu­gen­de Ant­wor­ten auf die Her­aus­for­de­run­gen un­se­rer Zeit und er­hal­ten da­für zu Recht viel Zu­spruch von den Bür­gern und Bür­ge­rin­nen.

Sie füh­ren in Mainz ei­ne Am­pel­ko­ali­ti­on aus SPD, FDP und Grü­nen – zur Nach­ah­mung emp­foh­len? Die Am­pel­re­gie­rung aus SPD, FDP und Grü­nen ar­bei­tet in Mainz sehr gut zu­sam­men. Das Er­geb­nis der Bun­des­tags­wahl hat lei­der kei­ne Chan­ce auf die Bil­dung ei­ner Am­pel-Ko­ali­ti­on er­öff­net. Des­halb kon­zen­trie­ren wir uns als SPD im Bund jetzt auf die Ar­beit als füh­ren­de Op­po­si­ti­ons­par­tei. Un­ab­hän­gig von Ko­ali­ti­ons­op­tio­nen ist es für uns als SPD wich­tig, in Zu­kunft wie­der deut­lich stär­ker als Al­ter­na­ti­ve zur Uni­on wahr­ge­nom­men zu wer­den. Das kön­nen wir nur, wenn wir in den nächs­ten vier Jah­ren un­ser Pro­fil schär­fen und den Men­schen noch bes­ser ver­mit­teln, was un­se­re Po­li­tik kon­kret mit ih­rem Le­ben zu tun hat. Ge­ra­de in der Fra­ge der so­zia­len Ge­rech­tig­keit müs­sen wir un­se­re Glaub­wür­dig­keit wie­der­ge­win­nen.

Kri­ti­ker wie Klaus von Dohnanyi for­dern den Rück­tritt von Mar­tin Schulz. Kann er nach der SPD-Schlap­pe bei der Bun­des­tags­wahl Par­tei­chef blei­ben, und ist er der rich­ti­ge Mann für den Neu­start der SPD aus der Op­po­si­ti­on her­aus?

Mit den ge­trof­fe­nen Per­so­nal­ent­schei­dun­gen ha­ben wir die rich­ti­gen Leu­te, um den Weg in die Er­neue­rung der SPD zu ge­hen. Mar­tin Schulz ist vor ei­nem hal­ben Jahr mit 100 Pro­zent der Stim­men zum Par­tei­vor­sit­zen­den ge­wählt wor­den. Un­se­re Par­tei ver­traut ihm, und ich bin si­cher, dass er den Er­neue­rungs­pro­zess un­se­rer Par­tei auch aus der Op­po­si­ti­on her­aus gut steu­ern wird.

Was muss ge­sche­hen, da­mit die AfD nicht noch grö­ßer wird?

Die AfD hat kei­ner­lei An­ge­bo­te, das Le­ben der Men­schen zu ver­bes­sern. Es hilft aber nicht, sich bloß zu em­pö­ren. Wir müs­sen wie­der ei­ne po­si­ti­ve Zu­kunfts­vi­si­on von Po­li­tik an­bie­ten, und wir müs­sen wie­der stär­ker ler­nen, die Sor­gen und Wün­sche ge­nau­so wie die Hoff­nun­gen der Men­schen zu hö­ren und zu ver­ste­hen. Denn wir ma­chen Po­li­tik für die Men­schen und nicht für Ideo­lo­gi­en. Wir müs­sen Pro­ble­me recht­zei­tig er­ken­nen, kon­kret be­nen­nen und fair zu­sam­men lö­sen – ganz kon­kret: Wir brau­chen mehr kon­struk­ti­ven Streit. Mit die­ser Hal­tung wird auch das Be­dürf­nis vie­ler Men­schen, die aus Pro­test oder Wut die AfD ge­wählt ha­ben, wie­der ge­rin­ger wer­den. Es ist mein kla­res Ziel, die­se Wäh­ler und Wäh­le­rin­nen für die SPD zu­rück­zu­ge­win­nen.

Fo­to: dpa

Ma­lu Drey­er

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