Welt­weit füh­ren­des Netz?

Die EU steckt sich für die di­gi­ta­le Zu­kunft ho­he Zie­le – Da­ten­schutz soll hoch blei­ben

Lingener Tagespost - - POLITIK - Von Det­lef Dre­wes

Beim Gip­fel­tref­fen der eu­ro­päi­schen Staats- und Re­gie­rungs­chefs ging es um In­ter­net, Cy­ber­space und die not­wen­di­ge In­fra­struk­tur für mo­der­ne Net­ze.

TAL­LINN/BRÜS­SEL. Die Zie­le sind ehr­gei­zig: Bis 2025 soll in der ge­sam­ten EU das mo­bi­le Hoch­ge­schwin­dig­keits­netz für Smart­pho­nes mit dem 5G-Stan­dard ver­füg­bar sein. Im glei­chen Jahr will die Ge­mein­schaft ein „welt­weit füh­ren­des“Glas­fa­ser-Netz für das In­ter­net schaf­fen, das gro­ße Da­ten­men­gen mit ho­hen Ge­schwin­dig­kei­ten über­tra­gen kann. Die heu­ti­ge Wirk­lich­keit macht es je­doch schwer, dar­an zu glau­ben. Vor al­lem in länd­li­chen Be­rei­chen vie­ler Mit­glied­staa­ten gibt es nach wie vor „Fun­k­lö­cher“.

Da­ten­si­cher­heit: Die wach­sen­de Zahl von Ha­ckerAtta­cken war in Tal­linn ein gro­ßes The­ma. Nun soll un­ter dem Dach der Eu­ro­päi­schen Kom­mis­si­on ei­ne EUA­gen­tur für Cy­ber­si­cher­heit ent­ste­hen. Noch ist aber un­ge­klärt, wel­che kon­kre­ten Auf­ga­ben die­se In­sti­tu­ti­on be­kommt, weil auch die Eu­ro­päi­sche Po­li­zei­be­hör­de Eu­ro­pol in Den Haag so­wie die Si­cher­heits­diens­te der Mit­glied­staa­ten (in Deutsch­land das Bun­des­amt für Si­cher­heit in der In­for­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie) zu­stän­dig sind.

Elek­tro­ni­sche Ver­wal­tung: Gip­fel-Gast­ge­ber Est­land hat na­tür­lich stolz sei­ne Er­run­gen­schaf­ten prä­sen­tiert, und vom Grund­satz her sind die Staats- und Re­gie­rungs­chefs sich auch ei­nig: Kom­pli­zier­te Ver­wal­tungs­ab­läu­fe mit vie­len An­trä­gen und Pa­pier könn­ten di­gi­tal stark ver­ein­facht und be­schleu­nigt wer­den. Aber nicht nur Deutsch­land feh­len da­für die ge­setz­li­chen Grund­la­gen und die not­wen­di­gen Si­cher­hei­ten, da­mit per­sön­li­che Da­ten ge­schützt blei­ben. Das Recht des Bür­gers auf sei­ne Da­ten sol­le ge­stärkt und nicht ge­schwächt wer­den, heißt es im Schluss­do­ku­ment des Spit­zen­tref­fens.

Deutsch­land im Ver­gleich: Deutsch­land hat sich vor­ge­nom­men, bis 2018 übe­r­all Breit­band­lei­tun­gen mit ei­ner Über­tra­gungs­ge­schwin­dig­keit von min­des­tens 50 Mbit pro Se­kun­de zu ga­ran­tie­ren. Das ist vom EU-Ziel weit ent­fernt. Im „In­dex für die di­gi­ta­le Wirt­schaft und Ge­sell­schaft“(De­si), mit dem der Um­stieg auf ei­ne di­gi­ta­le Ver­wal­tung ge­mes­sen wird, liegt die Bun­des­re­pu­blik auf Platz 23.

Kern­pro­ble­me: Da ist zum ei­nen die Be­steue­rung der In­ter­net-Kon­zer­ne. Da die­se ih­ren Haupt­sitz häu­fig in Län­dern in­ner­halb oder au­ßer­halb der EU mit ge­rin­gen Steu­er­sät­zen ha­ben, ih­re Di­ens­te aber welt­weit an­bie­ten kön­nen, feh­len Grund­la­ge zur Er­he­bung staat­li­cher Ab­ga­ben. Die bis­he­ri­gen Vor­schlä­ge, die Ge­win­ne in den ein­zel­nen Län­dern zu er­rech­nen, sind in der Uni­on hef­tig um­strit­ten. Als wei­te­res De­fi­zit wur­de die man­geln­de Un­ter­stüt­zung di­gi­ta­ler Un­ter­neh­men be­nannt. Zwar gibt es Start­hil­fe für Start-ups, aber dann feh­len In­stru­men­te zur wei­te­ren För­de­rung. Das Er­geb­nis: Der Markt wird von US-Kon­zer­nen wie Face­book, Goog­le, App­le oder Twit­ter be­herrscht. Hier soll die Kom­mis­si­on nun kon­kre­te Vor­schlä­ge aus­ar­bei­ten.

Da­ten­schutz: Das bleibt ein zen­tra­les The­ma. Aber die De­bat­te ver­schiebt sich. Die In­ter­net-Un­ter­neh­men for­dern bei­spiels­wei­se ei­ne Klä­rung, wel­che Da­ten per­sön­lich sind und wel­che auch durch­aus öf­fent­lich ge­nutzt wer­den dür­fen. Als Bei­spiel wird im­mer wie­der das selbst­fah­ren­de Au­to ge­nannt, das schnel­le In­for­ma­ti­on zum Bei­spiel für die Na­vi­ga­ti­on braucht, aber auch Da­ten über das Wet­ter oder die Ver­kehrs­si­tua­ti­on lie­fern kann. Da bricht ei­ne span­nen­de Dis­kus­si­on über die Fra­ge auf, wel­che un­se­rer In­for­ma­tio­nen künf­tig of­fen­ge­legt wer­den sol­len, oh­ne ef­fi­zi­en­ten Schutz un­mög­lich zu ma­chen.

Wie steht es mit dem Breit­band-Aus­bau in Deutsch­land? Fra­gen und Ant­wor­ten auf noz.de/di­gi­ta­le-welt

Nach Ma­cron-Re­de: Mer­kel für „er­folg­rei­che­res Eu­ro­pa“– mehr auf noz.de/po­li­tik

Fo­to: AFP

Ei­nen Blu­men­topf ge­winnt Deutsch­land für sei­nen Breit­band-Aus­bau nicht. Ös­ter­reichs Kanz­ler Chris­ti­an Kern über­reicht Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel den­noch ei­nen.

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