Mei­nungs­viel­falt in Ge­fahr

Lingener Tagespost - - WIRTSCHAFT - Von Micha­el Cla­sen m.cla­sen@noz.de

ARD und ZDF wol­len spa­ren. Das be­haup­ten die Öf­fent­lich-Recht­li­chen seit Jah­ren. Auch dies­mal wer­den Struk­tur­re­for­men und Mil­lio­nen­kür­zun­gen an­ge­kün­digt. Doch in Wirk­lich­keit wer­den ARD und ZDF nicht schlan­ker, sie ex­pan­die­ren. Und wol­len in der di­gi­ta­len Welt wach­sen.

Das ist pro­ble­ma­tisch. Nicht nur für die wach­sen­de Zahl von Bür­gern, die den Zwangs­bei­trag in sei­ner Hö­he kri­ti­sie­ren oder gänz­lich ab­leh­nen, son­dern für die Ge­sell­schaft ins­ge­samt.

Die öf­fent­lich-recht­li­chen Sen­der wer­den durch die Pflicht­ge­büh­ren mit rund acht Mil­li­ar­den Eu­ro im Jahr sub­ven­tio­niert. Dies führt zu mas­si­ven Wett­be­werbs­ver­zer­run­gen zu­las­ten pri­va­ter Me­dien­un­ter­neh­men.

In der al­ten Me­di­en­welt gab es Fern­se­hen, Ra­dio und Zei­tung. Im In­ter­net wer­den die pri­va­ten und öf­fent­lich-recht­li­che Ak­teu­re zu di­rek­ten Kon­kur­ren­ten, ma­xi­mal ei­nen Maus­klick von­ein­an­der ge­trennt. Drän­gen ARD und ZDF mas­siv bei Face­book & Co vor und über­schwem­men den Markt mit ver­meint­lich kos­ten­lo­sen, da ge­büh­ren­fi­nan­zier­ten In­hal­ten, ist ein fai­rer Wett­be­werb un­mög­lich. Am En­de ge­rät die Mei­nungs­viel­falt in Ge­fahr.

Wie wich­tig po­li­tisch un­ab­hän­gi­ge Me­di­en für ei­ne De­mo­kra­tie sind, lässt sich sym­pto­ma­tisch am Bun­des­tags­wahl­kampf er­ken­nen: Wenn das Kanz­ler­amt aus ei­nem TV-Du­ell ein Du­ett ma­chen kann, braucht es mehr Mei­nungs­viel­falt.

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