Nach­fra­ge nach „Ehe für al­le“ver­hal­ten

16 von 19 Stan­des­äm­tern im Ems­land ver­zeich­nen sie­ben An­mel­dun­gen oder kon­kre­te Nach­fra­gen

Lingener Tagespost - - KREIS EMSLAND - Von Da­ni­el Gon­za­lez-Tep­per

Ab dem 1. Ok­to­ber dür­fen in Deutsch­land Le­bens­part­ner­schaf­ten (LP) zwi­schen zwei Män­nern oder zwei Frau­en in ei­ne gleich­ge­schlecht­li­che Ehe um­ge­wan­delt wer­den. Un­se­re Re­dak­ti­on hat al­le 19 Stan­des­äm­ter im Ems­land ge­fragt, wie groß die Nach­fra­ge ist. 16 ha­ben ge­ant­wor­tet.

PAPENBURG. En­de Ju­ni hat­te der Bun­des­tag die „Ehe für al­le“mehr­heit­lich be­schlos­sen. Auf ei­ne An­fra­ge un­se­rer Re­dak­ti­on in den 19 Rat­häu­sern der Städ­te, Ge­mein­den und Samt­ge­mein­den im Ems­land ha­ben 16 ge­ant­wor­tet, kei­ne Rück­mel­dun­gen gab es aus La­then, Dör­pen und Herz­la­ke. Den An­ga­ben der 16 Stan­des­äm­ter zu­fol­ge ha­ben in den ver­gan­ge­nen Jah­ren min­des­tens 103 gleich­ge­schlecht­li­che Paa­re ih­re Be­zie­hun­gen in den Rat­häu­sern ein­tra­gen las­sen. Min­des­tens sie­ben ha­ben er­klärt, in nächs­ter Zeit ei­ne gleich­ge­schlecht­li­che Ehe ein­ge­hen zu wol­len oder ha­ben sich in den Stan­des­äm­tern da­nach er­kun­digt.

Die Stadt Lin­gen, mit rund 56 900 Ein­woh­nern die be­völ­ke­rungs­reichs­te Kom­mu­ne im Land­kreis, liegt mit 63 Per­so­nen, die im Rat­haus mit „in ein­ge­tra­ge­ner LP le­bend“ge­mel­det sind, mit dem Wert im Ems­land vorn. „In un­se­rem Stan­des­amt selbst wur­den seit 2002 ins­ge­samt 33 LP ein­ge­tra­gen“, teil­te Stadt­spre­che­rin Ni­na Klee­ne mit. Der Stadt lie­gen zwei An­mel­dun­gen vor, nach de­nen LP in Ehen um­ge­wan­delt wer­den sol­len.

Mit ins­ge­samt 15 be­ur­kun­de­ten be­zie­hungs­wei­se be­grün­de­ten LP seit 2001 gibt es in Mep­pen, mit rund 36 800 Ein­woh­nern die zweit­größ­te Stadt im Ems­land, die zweit­größ­te Zahl ein­ge­tra­ge­ner LP. „Zwei LP-Paa­re ha­ben sich in den ver­gan­ge­nen Wo­chen ,lo­se‘ nach der Mög­lich­keit ei­ner Um­wand­lung in ei­ne Ehe er­kun­digt. Der­zeit liegt kei­ne An­mel­dung von Ehe für al­le: So stimm­ten die Ab­ge­ord­ne­ten der Ems­län­der ab: noz.de/ar­ti­kel/916139

gleich­ge­schlecht­li­chen Paa­ren vor, je­doch ei­ne Vor­an­fra­ge für Au­gust 2018“, be­rich­tet Spre­cher Florian Jür­gens.

In Papenburg gab es bis­her kei­ne An­mel­dun­gen oder Nach­fra­gen nach gleich­ge­schlecht­li­chen Ehen. „Seit Ein­füh­rung der LP im Jahr 2001 hat das Stan­des­amt der Stadt acht die­ser Part­ner­schaf­ten re­gis­triert“, teil­te Spre­cher Hei­ko Ab­bas mit.

Je­weils ei­ne An­mel­dung oder ei­ne Nach­fra­ge nach der Mög­lich­keit, ei­ne gleich­ge­schlecht­li­che Ehe ein­zu­ge­hen, gab es in den Stan­des­äm­tern in Ha­ren, Sö­gel und Gees­te. In Ha­ren wird die ers­te gleich­ge­schlecht­li­che Ehe Mit­te Ok­to­ber er­war­tet, be­rich­tet Spre­che­rin Michae­la Hoff­mann, die den kon­kre­ten Ter­min aus Da­ten­schutz­grün­den nicht nen­nen woll­te. „Ins­ge­samt war die Nach­fra­ge nach der Ein­ge­hung von Le­bens­part­ner­schaf­ten in Ha­ren bis­her ver­hal­ten. Bis­lang wur­den seit Ein­füh­rung der Le­bens­part­ner­schaft im Jahr 2001 nur drei sol­cher Ver­bin­dun­gen ge­schlos­sen, und zwar in den Jah­ren 2002, 2005 und 2016“, so Hoff­mann. Auch Bir­git Schmidt von der Ge­mein­de Gees­te teil­te aus da­ten­schutz­recht­li­chen Grün­den nicht mit, wann die ei­ne be­reits fest an­ge­mel­de­te Ehe­schlie­ßung ei­nes gleich­ge­schlecht­li­che Paa­res statt­fin­den wird.

Ein be­son­de­res Da­tum hat sich ein Paar in der Samt­ge­mein­de (SG) Sö­gel aus­ge­sucht: Dem Stan­des­amt dort liegt ei­ne An­mel­dung für den 18.8.2018 vor, teil­te Stan­des­amts-Mit­ar­bei­te­rin Jut­ta Rie­ke-Os­ter­brink mit. Die sechs LP, die in der Hümm­ling­ge­mein­de bis­her ein­ge­tra­gen wur­den, ver­tei­len sich ih­ren An­ga­ben zu­fol­ge auf die Jah­re 2004, 2007, 2015, 2016 und zwei­mal 2017.

Der Bür­ger­meis­ter der SG La­then, Karl-Heinz We­ber, teil­te mit, er hal­te es „für un­an­ge­mes­sen, in die­sem Um­fang Re­cher­che­ar­bei­ten für die Pres­se in ei­nem re­la­ti­ven Rand­the­ma zu be­trei­ben“. Von Her­mann Wo­cken, Bür­ger­meis­ter der SG Dör­pen, hieß es: „Ur­laubs­be­dingt be­kom­men wir die Ab­ar­bei­tung die­ses The­mas vor dem 10. Ok­to­ber lei­der nicht hin. Da­für bit­te ich um Ver­ständ­nis.“Ver­sen­det wur­de die An­fra­ge un­se­rer Re­dak­ti­on am 19. Sep­tem­ber, die ers­te Rück­mel­dung ging we­ni­ge St­un­den spä­ter ein. Die Lei­te­rin der Fach­be­rei­che Ord­nung, Ar­beit und So­zia­les der Samt­ge­mein­de Herz­la­ke, Bri­git­te Schrö­der, mach­te Da­ten­schutz­grün­de gel­tend. „Ich kann kei­ne An­ga­ben über das The­ma ,gleich­ge­schlecht­li­che Ehe‘ ma­chen, da die An­zahl de­rer in der Samt­ge­mein­de Herz­la­ke sehr ge­ring ist“, teil­te sie mit.

Pro­ble­me gibt es in den Rat­häu­sern der­weil noch mit der Soft­ware Au­tiS­ta (Au­to­ma­ti­on im Stan­des­amt). „Ein­zi­ger An­bie­ter die­ser Soft­ware in Deutsch­land ist der Ver­lag für Stan­des­amts­we­sen in Frank­furt am Main. Das elek­tro­ni­sche Re­gis­ter kann erst an­ge­passt wer­den, wenn der Ge­setz­ge­ber ent­spre­chen­de Re­ge­lun­gen ge­trof­fen hat und die Stan­dards dar­auf an­ge­passt wur­den. Da­mit kann, so die Aus­kunft des Ver­lags, für 2018 ge­rech­net wer­den“, be­rich­tet Florian Jür­gens, Spre­cher der Stadt Mep­pen. Mo­ni­ka Knob­be, Stan­des­be­am­tin in Fre­ren, rech­net so­gar da­mit, dass ei­ne end­gül­ti­ge Um­set­zung erst zum 1. No­vem­ber 2018 mög­lich sein dürf­te.

Den­noch er­hal­ten al­le Ehe­schlie­ßen­den glei­chen Ge­schlechts nach ei­ner Ehe­schlie­ßung ab dem 1. Ok­to­ber 2017 „Do­ku­men­te in ei­ner dem neu­en Sach­ver­halt an­ge­pass­ten Form, vor al­lem die Eheur­kun­de, die sie als Ehe­gat­ten aus­weist“, so Florian Jür­gens.

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