Star­ke Po­li­zei­prä­senz in der Sil­ves­ter­nacht

Wendt kri­ti­siert Si­cher­heits­zo­ne für Frau­en

Lingener Tagespost - - VORDERSEITE -

Mit Blick auf die be­vor­ste­hen­den Sil­ves­ter­fei­ern ver­weist die Deut­sche Po­li­zei­ge­werk­schaft (DPolG) auf ei­ne wei­ter­hin an­ge­spann­te Si­cher­heits­la­ge in Deutsch­land.

bhav/dpa OSNABRÜCK. „Nach der Köl­ner Sil­ves­ter­nacht ha­ben wir Ge­fah­ren ge­se­hen, die wir vor­her nicht ge­se­hen ha­ben“, sag­te DPolGVor­sit­zen­der Rai­ner Wendt in ei­nem Ge­spräch mit un­se­rer Re­dak­ti­on. Da­nach ha­be sich viel ge­än­dert, so Wendt, vor al­lem sei das Per­so­nal stark auf­ge­stockt wor­den. „Kaum je­mand hat noch an Weih­nach­ten oder Sil­ves­ter Ur­laub“, er­klär­te Wendt. „Das gilt auch für das Füh­rungs­per­so­nal – und das ist gut so.“

Kri­tik üb­te der Ge­werk­schafts­chef an der Si­cher­heits­zo­ne für Frau­en auf der Sil­ves­ter­par­ty am Bran­den­bur­ger Tor in Ber­lin, der so­ge­nann­ten „Wo­men’ s Sa­fe­ty Area“: „Wer auf so ei­ne Idee kommt, hat die po­li­ti­sche Di­men­si­on nicht ver­stan­den“, sag­te Wendt. Die Ein­rich­tung ei­ner sol­chen Zo­ne sen­de „ei­ne ver­hee­ren­de Bot­schaft“. „Da­mit sagt man, dass es Zo­nen der Si­cher­heit und Zo­nen der Un­si­cher­heit gibt“, be­ton­te der DPolG-Chef. Das sei „das En­de von Gleich­be­rech­ti­gung, Frei­zü­gig­keit und Selbst­be­stimmt­heit“. Frau­en soll­ten ein An­recht dar­auf ha­ben, über­all si­cher zu sein, be­ton­te Wendt.

Nach den Er­eig­nis­sen in der Köl­ner Sil­ves­ter­nacht vor zwei Jah­ren hat Nord­rheinWest­fa­lens In­nen­mi­nis­ter Her­bert Reul für fei­ern­de Frau­en ei­nen Tipp aus vä­ter­li­cher Sicht pa­rat. „Mei­nen drei Töch­tern wür­de ich sa­gen: Geht nach Mög­lich­keit nicht al­lein, son­dern in Grup­pen“, sag­te der CDU-Po­li­ti­ker. „Wenn es an­fängt, brenz­lig zu wer­den, macht euch laut­stark be­merk­bar, und wenn das al­les nicht hilft, mög­lichst schnell die 110 an­ru­fen – lie­ber ein­mal zu viel als zu we­nig.“Er tue sich je­doch schwer mit „Rund­um-sorg­los-Tipps“, sag­te Reul.

Auf dem Köl­ner Bahn­hofs­vor­platz wa­ren in der Sil­ves­ter­nacht 2015/16 vie­le Frau­en se­xu­ell be­drängt und be­raubt wor­den – weit über­wie­gend von Grup­pen al­ko­ho­li­sier­ter jun­ger Män­ner aus Ma­ghreb­Staa­ten. In der dar­auf­fol­gen­den Sil­ves­ter­nacht 2016/17 konn­te die Köl­ner Po­li­zei nach ei­ge­ner Ein­schät­zung durch kon­se­quen­tes Ein­schrei­ten ähn­li­che Straf­ta­ten ver­hin­dern. Da­für ern­te­te sie Lob, al­ler­dings muss­te sie sich gleich­zei­tig mit Ras­sis­mus­vor­wür­fen aus­ein­an­der­set­zen. Kri­ti­siert wur­de, dass die Po­li­zei am Haupt­bahn­hof Hun­der­te nord­afri­ka­nisch oder ara­bisch aus­se­hen­de Män­ner über­prüft und die­se in ei­nem Tweet als „Na­fris“– Po­li­zei­jar­gon für nord­afri­ka­ni­sche In­ten­siv­tä­ter – be­zeich­net hat­te.

Im An­lauf zur dies­jäh­ri­gen Sil­ves­ter­nacht be­ton­te die Köl­ner Po­li­zei, dass sie nicht nach Aus­se­hen oder Na­tio­na­li­tät kon­trol­lie­re, son­dern nach auf­fäl­li­gem Ver­hal­ten. Gro­ße Per­so­nen­an­samm­lun­gen im Haupt­bahn­hof und auf dem Bahn­hofs­vor­platz sol­len ver­hin­dert wer­den. Reul sag­te, sein Sil­ves­ter-Er­lass an die Kreis­po­li­zei­be­hör­den des Lan­des ent­hal­te kei­nen Pas­sus, Aus­län­der be­son­ders wach­sam zu be­ob­ach­ten. „Aber wenn be­stimm­te Grup­pen aus­län­di­scher Tat­ver­däch­ti­ger auf­fäl­lig wer­den soll­ten, muss das klar be­nannt wer­den.“

Jah­res­wech­sel: Bei­trä­ge da­zu fin­den Sie im In­ter­net auf noz.de

dpa KÖLN/BER­LIN. Zwei Jah­re nach den Über­grif­fen in der Köl­ner Sil­ves­ter­nacht wol­len Po­li­zei und Ord­nungs­kräf­te in der Nacht zum 1. Ja­nu­ar vie­ler­orts ver­mehrt Prä­senz zei­gen. Wie sich ein­zel­ne Städ­te auf die Neu­jahrs­nacht vor­be­rei­ten:

Köln: Die Si­cher­heits­zo­ne um den Dom wird nach den Vor­fäl­len vor zwei Jah­ren für die Neu­jahrs­fei­ern 2018 er­wei­tert. In dem ab­ge­sperr­ten Be­reich ist Feu­er­werk ver­bo­ten. Vor al­lem auf dem Bahn­hofs­vor­platz will die Po­li­zei au­ßer­dem ver­hin­dern, dass sich grö­ße­re Grup­pen bil­den. Mehr Vi­deo­ka­me­ras und bes­se­re Be­leuch­tung sol­len die Si­cher­heit er­hö­hen.

Ham­burg: Auch in der Han­se­stadt wur­den vor zwei Jah­ren Frau­en in der Sil­ves­ter­nacht be­läs­tigt. Rund ein Jahr nach dem Jah­res­wech­sel hat­te die Staats­an­walt­schaft 245 Er­mitt­lungs­ver­fah­ren ein­ge­lei­tet, 410 Frau­en sol­len ge­schä­digt wor­den sein. Da sich die­ses Sze­na­rio ver­gan­ge­nes Jahr nicht wie­der­holt hat, will sich die Po­li­zei an ih­rem da­ma­li­gen Ein­satz­kon­zept ori­en­tie­ren. Rund 530 Be­am­te wa­ren 2016 laut Po­li­zei an zen­tra­len Punk­ten wie der Ree­per­bahn im Ein­satz. Ne­ben der neu­en Vi­deo­über­wa­chung am Jung­fern­stieg wird es die­ses Jahr zu­sätz­lich ei­ne zwei­te mo­bi­le Wa­che in der Nä­he der Ree­per­bahn ge­ben.

Bie­le­feld: Rund um die Spar­ren­burg in der Ci­ty rich­tet die Po­li­zei ei­ne „böl­ler­freie Zo­ne“ein. Ab et­wa 20 Uhr sol­len Zu­gän­ge kon­trol­liert wer­den. Grund für die Ver­bo­te sei der „teil­wei­se rück­sichts­lo­se Um­gang mit Feu­er­werks­kör­pern“.

Han­no­ver: Die Po­li­zei will eben­falls zur Prä­ven­ti­on Prä­senz zei­gen, vor al­lem in der In­nen­stadt. „Obers­te Prio­ri­tät des Sil­ves­ter­ein­sat­zes hat das Ver­hin­dern von Straf­ta­ten und das kon­se­quen­te Ver­fol­gen von Straf­ta­ten“, sag­te ei­ne Po­li­zei­spre­che­rin.

Ber­lin: In der Haupt­stadt sagt die Po­li­zei üb­li­cher­wei­se vor gro­ßen Ver­an­stal­tun­gen nichts Kon­kre­tes zu den Si­cher­heits­vor­keh­run­gen. Klar ist aber, dass ge­ra­de die gro­ße Sil­ves­ter­fei­er am Bran­den­bur­ger Tor wie in den ver­gan­ge­nen Jah­ren be­son­ders ge­schützt wird. Es gibt laut An­kün­di­gun­gen der Po­li­zei Be­ton­pol­ler, Bar­ri­ka­den oder an­de­re Ab­sper­run­gen. Die Fahr­zeu­ge der Lie­fe­ran­ten wer­den kon­trol­liert, und das Ge­län­de auf der Stra­ße des 17. Ju­ni ist um­zäunt. Die Be­su­cher der Fei­er sol­len eben­falls streng kon­trol­liert wer­den. Vor ei­nem Jahr, di­rekt nach dem is­la­mis­ti­schen An­schlag auf den Weih­nachts­markt, setz­te die Ber­li­ner Po­li­zei ins­ge­samt 1700 Leu­te an ge­fähr­de­ten Or­ten ein.

Mün­chen: In der Sil­ves­ter­nacht 2015/16 gab es in der bay­ri­schen Me­tro­po­le ei­nen Ter­ror­alarm. Die Po­li­zei will auch in die­sem Jahr wie­der stär­ker im Ein­satz sein. Es ge­be zwar kei­ne Er­kennt­nis­se über kon­kre­te Ge­fähr­dun­gen. „Ei­ne er­höh­te abs­trak­te Ge­fähr­dungs­la­ge ist je­doch, wie seit vie­len Jah­ren, wei­ter­hin vor­han­den“, hieß es beim Po­li­zei­prä­si­di­um.

Bre­men: Die Po­li­zei will neur­al­gi­sche Punk­te wie In­nen­stadt und Haupt­bahn­hof im Blick be­hal­ten und ge­fähr­li­che Si­tua­tio­nen durch grö­ße­re Men­schen­an­samm­lun­gen zei­tig er­ken­nen.

Fo­to: dpa

Nicht nur in Köln ver­stärkt die Po­li­zei zum Jah­res­wech­sel die Prä­senz.

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