Bit­te mehr Zu­ver­sicht

Lingener Tagespost - - VORDERSEITE - Von Bert­hold Ha­mel­mann b.ha­mel­mann@noz.de

Si­cher ist, dass nichts si­cher ist. Selbst das nicht. Die­se Er­kennt­nis des Schrift­stel­lers Joa­chim Rin­gel­natz bringt das Le­bens­ge­fühl vie­ler Deut­scher auf den Punkt. Mit grö­ße­rer Skep­sis als vor zwölf Mo­na­ten se­hen vie­le dem neu­en Jahr ent­ge­gen.

Dies auch jen­seits der ta­ges­ak­tu­el­len Dis­kus­si­on, wie si­cher Sil­ves­ter die­ses Mal ablau­fen wird.

Aber ent­spre­chen vie­le da­mit nicht dem Bild des so oft ka­ri­kier­ten deut­schen Mi­chels, dem die Zip­fel­müt­ze im Ge­sicht hängt – und der des­halb das gro­ße Gan­ze gar nicht se­hen kann? Mit Ge­müt­lich­keit, Bie­der­keit und ei­nem pri­va­ten wie öf­fent­li­chen Ru­he­be­dürf­nis lässt sich heu­te kein Blu­men­topf mehr ge­win­nen.

Es müs­sen ja nicht Eu­pho­rie­stür­me sein, die den Jah­res­aus­klang be­glei­ten. Aber et­was mehr Zu­ver­sicht und Stolz auf das Er­reich­te dürf­ten es schon sein. Trotz ei­nes ge­fühl­ten Wohl­stands auf Re­kord­hoch stei­gen die Sor­gen, so be­schrieb jüngst der Ham­bur­ger Zu­kunfts­for­scher Horst Opa­schow­ski das deut­sche Un­zu­frie­den­heits­pa­ra­dox 2017. Sei­ne Er­kennt­nis: Über­fluss macht am En­de auch nicht glück­li­cher. Das muss nicht je­der so se­hen.

Aber ganz of­fen­sicht­lich ist dank der brum­men­den Wirt­schaft hier­zu­lan­de kurz­fris­tig kei­ne Ab­wärts­spi­ra­le er­kenn­bar. Deutsch­land pro­fi­tiert da­bei auch von der Welt­kon­junk­tur, die 2017 an Fahrt auf­ge­nom­men hat. Dar­an än­dern auch un­ge­lös­te Haus­auf­ga­ben wie die feh­len­de neue Bun­des­re­gie­rung (noch) nichts. Si­cher ist, dass dies kein Zu­stand ist. Aber auch da wird es wei­ter­ge­hen. Neh­men wir das doch ein­fach als et­was Gu­tes mit ins neue Jahr hin­ein . . .

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