Ber­li­ner Mau­ern

Lingener Tagespost - - POLITIK - s.wit­te@noz.de

Wä­re die Ver­hand­lung über ei­ne Gro­ße Ko­ali­ti­on ein Tisch­tuch, es wür­de nicht mehr all­zu lan­ge dau­ern, bis der ge­spann­te Stoff deut­li­che Ris­se be­kä­me. Trotz al­ler gu­ten Vor­sät­ze, es dies­mal be­son­nen an­zu­ge­hen, zir­ku­liert je­de Wo­che ei­ne neue ro­te Li­nie, prescht je­den Tag ein an­de­rer Ver­tre­ter aus der zwei­ten Rei­he vor. Nach­dem es für man­che schon gro­tesk an­mu­te­te, nach ei­ner Wahl im Sep­tem­ber kei­ne Re­gie­rung bis Weih­nach­ten zu ha­ben, glaubt die Mehr­heit der Bür­ger nicht ein­mal mehr an ei­ne Ko­ali­ti­on vor Os­tern.

Gro­ße Auf­ga­ben ste­hen be­vor. Doch da ist die CSU, die mehr Geld fürs Mi­li­tär for­dert. Da ist die SPD, die ei­ne Bür­ger­ver­si­che­rung durch­prü­geln will. Und da ist der Streit beim Fa­mi­li­en­nach­zug für Flücht­lin­ge. Ro­te Li­ni­en wer­den schon vor der ers­ten Son­die­rung si­cher­heits­hal­ber zu Ber­li­ner Mau­ern auf­ge­rüs­tet – nicht dass hin­ter­her je­mand be­haup­tet, ei­ne der Par­tei­en ha­be es sich leicht ge­macht. Schwie­rig wird es, wenn die Mau­er am En­de so hoch ist, dass kei­ne Ge­sprä­che und kei­ne Kom­pro­mis­se mehr mög­lich sind.

Im­mer­hin: Es gibt auch Ge­gen­bei­spie­le. Bay­erns In­nen­mi­nis­ter et­wa zeigt sich mitt­ler­wei­le bei Här­te­fäl­len of­fen für den Fa­mi­li­en­nach­zug. Und in Nie­der­sach­sen ha­ben die Streit­häh­ne nach der Wahl in­ner­halb kür­zes­ter Zeit zur ko­ali­tio­nä­ren Har­mo­nie ge­fun­den. Das müss­te im Bund doch auch funk­tio­nie­ren.

Von Ste­fa­nie Wit­te

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