Ne­ben­buh­ler für den Sekt

Ries­ling-Ge­schmack und Al­ko­hol zum Auf­spru­deln

Lingener Tagespost - - WIRTSCHAFT -

Die Deut­schen sind Welt­meis­ter im Sekt­trin­ken. Da­bei wird die Aus­wahl im­mer grö­ßer, von Hu­go bis zum al­ko­hol­frei­en Man­go-Sec­co. Nun gibt es ei­nen wei­te­ren Play­er im Markt. Doch die Bran­che bleibt ge­las­sen.

dpa WIES­BA­DEN/FREY­BURG. Einst wa­ren Cham­pa­gner und Sekt die Kö­ni­ge un­ter den al­ko­ho­li­schen Ge­trän­ken, heu­te kann je­der in der Kü­chen­ecke sei­nen ei­ge­nen Perl­wein auf­blub­bern. Der Was­ser­spru­del­her­stel­ler So­da­st­ream hat ge­ra­de ein Kon­zen­trat auf den Markt ge­bracht, das Ries­ling-Ge­schmack und Al­ko­hol in die Was­ser­fla­sche bringt. Was für die ei­nen die Ret­tung ei­ner spon­ta­nen Par­ty sein könn­te, stellt an­de­ren die Na­cken­haa­re auf.

„Mit Sekt hat das schon des­we­gen nichts zu tun, weil in Sekt Wein ent­hal­ten sein muss“, sagt Alex­an­der Ta­cer, Ge­schäfts­füh­rer des Ver­ban­des Deut­scher Sekt­kel­le­rei­en und des Bun­des­ver­ban­des Wein und Spi­ri­tuo­sen In­ter­na­tio­nal. Au­ßer­dem kä­men die Per­len im Sekt durch die zwei­te al­ko­ho­li­sche Gä­rung und nicht auf Knopf­druck. „Das lässt sich so nicht ko­pie­ren.“Ein Spre­cher des Deut­schen Wein­in­sti­tuts mit Sitz ein Schluck Sekt zum An­sto­ßen – Prost!

in Bo­den­heim er­klärt, dass al­ler­dings Perl­wein ei­gent­lich nur Wein mit zu­ge­setz­ter Koh­len­säu­re sei. Trotz­dem kön­ne man nun nicht ein­fach je­den be­lie­bi­gen Weiß­wein auf­spru­deln – das schäu­me wie ver­rückt.

Der Do-it-yours­elf-Blub­ber passt al­ler­dings zu ei­nem Trend, den auch die Sekt­her­stel­ler ver­zeich­nen: Schaum­wein wird nicht mehr nur zu wich­ti­gen Fes­ten wie Tau­fen und Hoch­zei­ten ge­öff­net, son­dern auch im­mer wie­der ein­fach so un­ter der Wo­che. „Die Kon­su­men­ten sind viel spon­ta­ner ge­wor­den“, sagt Ta­cer.

Ähn­li­ches hat Chris­tof Qu­eis­ser be­merkt, Vor­sit­zen­der der Ge­schäfts­füh­rung des größ­ten deut­schen Sekt­her­stel­lers Rot­käpp­chen-Mumm mit Sitz in Frey­burg (Bur­gen­land­kreis/Sach­sen-An­halt). „Man gönnt sich was“, be­schreibt er die Ein­stel­lung der Ver­brau­cher.

Da­bei grif­fen die Men­schen bei un­ter­schied­li­chen Ge­le­gen­hei­ten durch­aus zu ver­schie­de­nen koh­len­säu­re­hal­ti­gen al­ko­ho­li­schen Ge­trän­ken, meint Rot­käpp­chen-Mann Qu­eis­ser. Frucht­sec­cos mit Eis wür­den zum Bei­spiel bei ei­ner spon­ta­nen Grill­par­ty ge­trun­ken, wäh­rend ei­ne Fla­sche Sekt eher zu ei­nem run­den Ge­burts­tag ge­öff­net wer­de. „Der Ver­brau­cher ent­schei­det be­wusst, wel­ches Pro­dukt zu wel­chem An­lass ge­reicht wird.“Zur Pro­dukt­pa­let­te ge­hört dem­nach auch im­mer stär­ker der al­ko­hol­freie Sekt und sei­ne Spiel­ar­ten.

So gibt es nun zum Bei­spiel ne­ben Mumm Dry Al­ko­hol­frei als Pre­mi­um­pro­dukt ei­nen al­ko­hol­frei­en Gra­nat­ap­fel und Man­go Frucht­sec­co von Rot­käpp­chen. Ins­ge­samt stellt das Un­ter­neh­men der­zeit mehr als 16 Mil­lio­nen statt der zu­nächst ge­plan­ten 4 Mil­lio­nen Fla­schen Frucht­sec­co her, dar­un­ter Him­bee­re und Bir­ne. Auch die Hen­kel­lG­rup­pe mit Sitz in Wies­ba­den hat vie­le fruch­ti­ge Schaum­wein-Ab­le­ger auf dem Markt, von Söhn­lein Hu­go über Mio­net­to il Spriz bis Fürst von Met­ter­nich Char­don­nay Fro­zen Man­da­rin.

Die Viel­falt der Ge­trän­ke­gat­tung neh­me wei­ter zu, sagt Andre­as Brok­em­per, Spre­cher der Ge­schäfts­füh­rung der Hen­kell & Co.-Grup­pe. Das lie­ge auch dar­an, dass der rie­si­ge hei­mi­sche Markt – die Deut­schen sind Welt­meis­ter im Sekt­trin­ken – vie­le in­ter­na­tio­na­le An­bie­ter an­zie­he.

Das Kon­sum­ver­hal­ten der Deut­schen: mehr auf noz.de/gzw

Fo­to: dpa

Tra­di­ti­on zum Jah­res­wech­sel:

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.