Zoll deckt or­ga­ni­sier­te Schwarz­ar­beit auf

An Be­trugs­ma­sche sol­len 450 Bau­fir­men be­tei­ligt ge­we­sen sein – Bran­che for­dert mehr Kon­trol­len

Lingener Tagespost - - POLITIK - Be­trü­gern auf der Spur: mehr auf noz.de/politik

Mit dem bis­lang größ­ten Schlag ge­gen or­ga­ni­sier­te Schwarz­ar­beit in Nord­rhein-West­fa­len hat der Zoll ein kri­mi­nel­les Netz­werk aus­ge­ho­ben, das ei­nen Scha­den von rund 48 Mil­lio­nen Eu­ro ver­ur­sacht ha­ben soll. Der Zen­tral­ver­band Deut­sches Bau­ge­wer­be for­dert mehr Per­so­nal und Kon­trol­len.

nika/dpa OSNABRÜCK/ KRE­FELD. An der Be­trugs­ma­sche sol­len 450 Bau­fir­men be­tei­ligt ge­we­sen sein, wie Zoll und Po­li­zei am Di­ens­tag bei ei­ner Pres­se­kon­fe­renz in Kre­feld be­rich­te­ten. Bei ei­ner lan­des­wei­ten Raz­zia wa­ren seit dem frü­hen Di­ens­tag­mor­gen mehr als 1100 Be­am­te von Zoll und Po­li­zei im Ein­satz. Sie durch­such­ten 140 Woh­nun­gen und Ge­schäfts­räu­me, acht Män­ner und Frau­en wur­den mit Haft­be­fehl fest­ge­nom­men. Die Fahn­der be­schlag­nahm­ten Waf­fen, Bar­geld und meh­re­re Fahr­zeu­ge.

Nach An­ga­ben der Er­mitt­ler ha­ben die Be­schul­dig­ten über

ein Fir­men­ge­flecht den Bau­un­ter­neh­men Schein­rech­nun­gen für gar nicht er­brach­te Leis­tun­gen aus­ge­stellt. Die Fir­men hät­ten die Rech­nun­gen be­zahlt und das Geld nach Ab­zug ei­ner Pro­vi­si­on von bis zu zehn Pro­zent in bar zu­rück­er­hal­ten, sag­te der Spre­cher der Er­mitt­lungs­kom­mis­si­on, Heinz Micha­el Horst. Mit dem von den Schein­fir­men zu­rück­ge­zahl­ten Geld hät­ten die Bau­un­ter­neh­men

dann tat­säch­li­che Schwarz­ar­beit be­zahlt. Auf die­se Wei­se hät­ten die Fir­men Steu­ern und So­zi­al­ab­ga­ben hin­ter­zo­gen.

Der Zen­tral­ver­band Deut­sches Bau­ge­wer­be (ZDB) for­dert mehr Per­so­nal und ver­stärk­te Kon­trol­len zur Be­kämp­fung von Schwarz­ar­beit. „Wir be­grü­ßen die Ar­beit der Fi­nanz­kon­trol­le Schwarz­ar­beit FKS. Aber es ist nö­tig, sie

mit mehr Per­so­nal aus­zu­stat­ten, da­mit noch strin­gen­te­re Kon­trol­len mög­lich sind“, sag­te He­ri­bert Jö­ris, Ge­schäfts­füh­rer für So­zi­al- und Ta­rif­po­li­tik beim ZDB, ge­gen­über un­se­rer Re­dak­ti­on. Die Kon­trol­le ei­ner Groß­bau­stel­le sei schwie­rig und per­so­nal­in­ten­siv. „Das führt da­zu, dass der­zeit nicht in dem Ma­ße kon­trol­liert wird, wie wir es uns wün­schen wür­den“, so Jö­ris wei­ter. Die von der Bun­des­re­gie­rung be­schlos­se­ne Auf­sto­ckung der Stel­len sei noch zu we­nig. Zu­dem brau­che der Per­so­nal­auf­bau Zeit. Das hat jüngst auch die Ant­wort des Fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums auf ei­ne An­fra­ge der Grü­nen ge­zeigt. Dem­nach wa­ren zum 31. De­zem­ber 2017 al­lein 782 Plan­stel­len nicht be­setzt. Zur Ver­fü­gung ste­hen der Fi­nanz­kon­trol­le Schwarz­ar­beit ak­tu­ell dem­nach 7211 Plan­stel­len.

Auch bei klei­ne­ren Bau­stel­len müss­ten laut ZDB Kon­trol­len in­ten­si­viert wer­den. „Sonst wird der Ein­druck ver­mit­telt, dass die Ge­fahr, dort er­wischt zu wer­den, ge­rin­ger ist.“Au­ßer­dem for­dert Jö­ris die De­cke­lung der So­zi­al­ab­ga­ben: „An­dern­falls wird der An­reiz für Schwarz­ar­beit noch grö­ßer.“

Ins­ge­samt ist laut Zoll die Zahl der Ar­beit­ge­ber­prü­fun­gen 2016 leicht auf 40374 zu­rück­ge­gan­gen. Neu ein­ge­lei­tet wur­den bun­des­weit 104 494 Straf­ver­fah­ren. Die Zahl der ab­ge­schlos­se­nen Ver­fah­ren hat sich mit 107 080 ge­gen­über dem Vor­jahr deut­lich er­höht. Die Ge­s­amt-Scha­dens­sum­me be­zif­fert der Zoll mit 876 Mil­lio­nen Eu­ro. Die Sum­me der Steu­er­schä­den, die auf­grund von Prü­fungs- und Er­mitt­lungs­er­kennt­nis­sen des Zolls ver­an­lasst wur­den, sei um 70 Pro­zent von 36,8 Mil­lio­nen in 2015 auf 62,9 Mil­lio­nen Eu­ro in 2016 ge­stie­gen.

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