Grün­rö­cke oh­ne Nach­wuchs­sor­gen

Mes­se Jagd & Hund in Dortmund er­öff­net – 800 Aus­stel­ler bie­ten al­les fürs Waid­werk

Lingener Tagespost - - WIRTSCHAFT - Von Ma­nu­el Glas­fort Mes­se­ge­sche­hen im Blick: mehr auf noz.de/wirtschaft

Ja­gen liegt im Trend. Das wird auch auf der Mes­se Jagd & Hund deut­lich, die ges­tern in Dortmund er­öff­net wur­de. Nach­wuchs­sor­gen ha­ben die Grün­rö­cke nicht.

DORTMUND. Über man­geln­des In­ter­es­se kann sich Heinz De­ckers nicht be­kla­gen. Neu­gie­ri­ge be­la­gern sei­nen Mes­se­stand auf der Jagd & Hund in Dortmund und lö­chern den 80-Jäh­ri­gen un­ent­wegt mit Fra­gen. Das hat mit sei­nem ge­fie­der­ten Be­glei­ter zu tun: Ares, ein männ­li­cher St­ein­ad­ler, der ne­ben De­ckers auf ei­nem Pflock sitzt und sich von dem Tru­bel nicht aus der Ru­he brin­gen lässt. Franz De­ckers und sei­ne Frau Mat­hil­de sind Falk­ner und mit ih­rem Ver­band, dem Or­den Deut­scher Fal­ko­nie­re, seit in­zwi­schen 25 Jah­ren auf der Jagd & Hund. „Es hat viel­leicht auch et­was Mys­ti­sches an sich, mit die­sen Tie­ren zu ja­gen“, er­klärt De­ckers die Fas­zi­na­ti­on sei­nes Hob­bys.

Falk­ner­shows mit Flug­vor­füh­run­gen ge­hö­ren zum Rah­men­pro­gramm der Mes­se, eben­so wie Jagd­mo­den­schau­en und die Deut­sche Meis­ter­schaft der Hir­sch­ru­fer. Seit ih­rer Pre­mie­re im Jahr 1982 hat sich die Jagd & Hund nach Ver­an­stal­ter­an­ga­ben zu Eu­ro­pas größ­ter Jagd­mes­se ent­wi­ckelt. Auch in die­sem Jahr er­war­ten die Ver­ant­wort­li­chen wie­der 80000 Be­su­cher. Schon beim gest­ri­gen Auf­takt herrscht zwi­schen den Stän­den der rund 800 Aus­stel­ler re­ges Trei­ben, man­che Be­su­cher ha­ben ih­re Hun­de da­bei. Ent­ge­gen dem Kli­schee sind es längst nicht nur Män­ner mitt­le­ren und fort­ge­schrit­te­nen Al­ters, die sich ih­ren Weg durch die West­fa­len­hal­len bah­nen. Auch jün­ge­re Jä­ger und vie­le Frau­en ha­ben den Weg nach Dortmund auf sich ge­nom­men. Schließ­lich bie­ten die Händ­ler so ziem­lich al­les, was das Waid­manns­herz be­gehrt: von Lo­den­män­teln über Fern­glä­ser, Hoch­sit­ze und Mes­ser bis hin zu Ge­weih­leuch­ten und – na­tür­lich – Jagd­waf­fen.

Dank der An­ge­bots­viel­falt ist der Ein­zugs­ra­di­us der Mes­se be­trächt­lich. Et­wa je­der fünf­te Mes­s­e­gast legt nach Ver­an­stal­ter­an­ga­ben mehr als 300 Ki­lo­me­ter zu­rück. Auch Ul­ri­ke Koch und Ti­no Pier­del ha­ben ei­ne wei­te An­rei­se hin­ter sich. Das Paar ist aus Süd­thü­rin­gen für ei­nen Mes­se­tag nach Dortmund ge­kom­men. „Es wird viel ge­bo­ten“, fin­det Koch. Die bei­den be­gut­ach­ten am Stand der Fir­ma Sau­er Re­pe­tier­ge­weh­re. Die 36-Jäh­ri­ge hat erst seit ei­nem hal­ben Jahr ih­ren Jagd­schein. Was sie an dem Hob­by fas­zi­niert? „Das Wild be­ob­ach­ten zu kön­nen. Se­hen zu kön­nen, wie sich das Tier ver­hält, wenn ir­gend­et­was pas­siert. Das fin­de ich sehr in­ter­es­sant“, er­zählt Koch. Die Jung­jä­ge­rin weiß, dass man­che Bür­ger der Jagd kri­tisch oder ab­leh­nend ge­gen­über­ste­hen. „Vie­le wis­sen nicht, dass Jagd mit He­ge und Pfle­ge zu tun hat. Statt­des­sen glau­ben sie, dass es nur um das Ab­schie­ßen geht.“Wenn Koch auf Vor­be­hal­te trifft, ver­sucht sie, ihr Ge­gen­über auf­zu­klä­ren.

So wie Koch ent­de­cken im­mer mehr Frau­en das män­ner­do­mi­nier­te Waid­werk für sich, wie Hartwig Fi­scher, Prä­si­dent des Deut­schen Jagd­ver­bands (DJV), be­rich­tet. „Wir stel­len fest, dass die Zahl der Jä­ge­rin­nen deut­lich steigt.“Un­ter den Teil­neh­mern der Jä­ger­prü­fung sei­en in­zwi­schen mehr als 20 Pro­zent Frau­en.

Über­haupt ha­ben die deut­schen Jä­ger kei­ne Nach­wuchs­sor­gen. „Die Jä­ger­prü­fungs­lehr­gän­ge sind her­vor­ra­gend be­sucht“, sagt der DJV-Prä­si­dent. Die Zahl der Jagd­schein­in­ha­ber lag nach An­ga­ben des Ver­bands zu­letzt auf ei­nem All­zeit­hoch von 384 000.

„Das grund­sätz­li­che Pro­blem ist, dass durch die Ur­ba­ni­sie­rung das Ver­ständ­nis für die Na­tur durch das di­rek­te Er­le­ben im­mer ge­rin­ger wird“, hält Fi­scher fest. Aber ein an­de­rer Trend gibt ihm Hoff­nung: „Es zeigt sich eben auch, dass ge­ra­de aus den städ­ti­schen Räu­men vie­le, um wie­der Na­tur zu er­le­ben, Jä­ger­prü­fungs­lehr­gän­ge mitmachen.“

Die Jagd & Hund läuft noch bis ein­schließ­lich Sonn­tag, 4. Fe­bru­ar, in den West­fa­len­hal­len Dortmund.

Fo­to: Ma­nu­el Glas­fort

„Schau mir in die Au­gen“– Heinz De­ckers ist mit sei­nem St­ein­ad­ler Ares auf der Mes­se. Der Falk­ner re­prä­sen­tiert den Or­den Deut­scher Fal­ko­nie­re.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.