Be­reit, vom So­ckel zu stei­gen

Lingener Tagespost - - DIALOG -

Zum In­ter­view mit Bi­schof Bo­de „Man kann über ei­ne Seg­nung nach­den­ken“(Aus­ga­be vom 10. Ja­nu­ar).

„In der ka­tho­li­schen Kir­che sind Geist­li­che (Papst bis Dia­kon) ge­wohnt, Braut­paa­re zu seg­nen und ih­nen ein glück­li­ches Le­ben bis zum En­de zu zweit zu wün­schen. Das gilt für Men­schen, die im Sin­ne der ka­tho­li­schen Kir­che auch Ju­bi­lä­en fei­ern: Sil­ber­paa­re, Gold­paa­re etc. Dass sol­chen, die Pries­ter wer­den wol­len, die Hand auf­ge­legt wird (ur­sprüng­li­che Seg­nung seit der An­ti­ke), gilt als selbst­ver­ständ­lich. Ähn­li­ches be­trifft auch Frau­en, die Or­dens­leu­te wer­den wol­len, die man dann ,Braut Chris­ti‘ nennt. Auch Tie­re wer­den ge­seg­net, sol­che, die als Haus­tie­re Freund des Men­schen wer­den kön­nen, und Nutz­tie­re, de­ren Fleisch auf Tel­lern lan­det. Nicht zu­letzt wer­den Häu­ser, Nutz­fahr­zeu­ge je­der Art (vor al­lem Lösch­fahr­zeu­ge der Feu­er­wehr und Käh­ne zur Ret­tung von Men­schen) ge­seg­net.

Aber ei­nes will man ver­wei­gern: die Seg­nung von ho­mo­se­xu­el­len Paa­ren. Sind das kei­ne Ge­schöp­fe? Oder sind das Ali­ens? Ich ha­be nicht die ge­rings­te in­ne­re Ab­wehr da­ge­gen, die­se Men­schen zu seg­nen. In den vier Ge­mein­den an der Mo­sel, in de­nen ich als Pas­tor ge­wirkt ha­be, wa­ren im­mer auch Ho­mo­se­xu­el­le be­reit, ei­nen lit­ur­gi­schen, pas­to­ra­len oder auf­op­fern­den so­zia­len Di­enst (sie­he Pfle­ge!) zu er­fül­len. Sie ta­ten es so gut wie je­der an­de­re. Und die sol­len nicht ge­seg­net wer­den? Wohl aber Roll­stüh­le und Waf­fe­lei­sen? Der Papst und ich sind si­cher be­reit, in je­dem Au­gen­blick vom nicht vor­han­de­nen So­ckel her­un­ter­zu­stei­gen, je­den Men­schen, wer es auch sein mag, zu seg­nen, wenn er es wünscht. Die Kir­che ist nicht gleich Je­sus.“Pa­ter Fre­de­gand Köh­ling Thui­ne

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