Schwar­ze Pfings­ten in Leip­zig

Am Pfingst­wo­chen­en­de steigt das Wa­ve-Go­tik-Tref­fen in Leip­zig

Lingener Tagespost - - VORDERSEITE - Von Me­la­nie Hei­ke Schmidt Fo­to: dpa

mhs LEIP­ZIG. Schwarz ist an Pfings­ten die vor­herr­schen­de Far­be in Leip­zig. Zum Wa­ve- Go­tik-Tref­fen ( WGT) be­su­chen rund 20 000 An­hän­ger der Got­hic-Sze­ne die Stadt. Die Gäs­te er­war­tet ein um­fang­rei­ches Pro­gramm.

OS­NA­BRÜCK. Wäh­rend das Kür­zel WGT für die Mit­glie­der der Got­hic-Sze­ne auf der gan­zen Welt ei­nen fast ma­gi­schen Klang hat, kann au­ßer­halb der Schwar­zen Sze­ne wohl kaum je­mand et­was mit den drei Buch­sta­ben an­fan­gen. Leip­zi­ger aus­ge­nom­men, denn in der säch­si­schen Stadt fin­det die­ses omi­nö­se WGT tra­di­tio­nell statt. Seit mitt­ler­wei­le 27 Jah­ren steigt in Leip­zig Jahr für Jahr am Pfingst­wo­chen­en­de das Wa­ve- Go­tik-Tref­fen, kurz WGT.

Weit mehr als 200 Künst­ler wer­den von den Or­ga­ni­sa­to­ren für die vier Ta­ge ge­bucht, die mu­si­ka­li­sche Band­brei­te reicht von Klassik bis Me­tal, von Folk bis Rock, von Elek­tro bis Mit­tel- ge­hört zur Go- al­ter, ge­spielt wird in ver­schie­de­nen Spiel­stät­ten über die gan­ze Stadt ver­teilt.

Leip­zig ist vor­be­rei­tet: Pünkt­lich zum WGT räu­men die Dro­ge­ri­en schwar­zen Ka­jal, Lip­pen­stift, Na­gel­lack und Haar­spray in die vor­de­ren Aus­la­gen, Eis­ca­fés kre­ieren schwar­zes Eis, Piz­ze­ri­en schwar­zen Piz­za­t­eig, die Bä­cker bie­ten „Vam­pir­zäh­ne“an, und Be­klei­dungs­ge­schäf­te hül­len ih­re Schau­fens­ter­pup­pen in Tief­schwarz.

Das WGT ist an­ge­kom­men in Leip­zig, auch mo­ne­tär: Rund zwölf Mil­lio­nen Eu­ro spü­len die WGT-Be­su­cher am Pfingst­wo­chen­en­de in die Kas­sen. Mo­na­te vor­her sind die Un­ter­künf­te aus­ge­bucht, Ho­tel­prei­se ver­wan­deln sich kurz vor Pfings­ten in all­seits ge­fürch­te­te Mes­se­prei­se, und die ört­li­chen Ver­kehrs­be­trie­be po­lie­ren die Gruf­ti-Son­der­li­nie, die auf di­rek­tem Weg zum Agra-Mes­se­ge­län­de im Sü­den der Stadt fährt, wo die größ­ten Kon­zer­te statt­fin­den.

Längst wis­sen auch Nich­tG­ruf­tis, dass es zu Pfings­ten in Leip­zig viel zu stau­nen gibt. Denn Got­hics pfle­gen ei­nen ex­tra­va­gan­ten, meist auf­fäl­li­gen Klei­dungs­stil. Schwarz mag der ge­mein­sa­me Nen­ner sein, doch die Sze­ne ist krea­tiv und nie ho­mo­gen, we­der im Mu­sik­ge­schmack noch in der Mo­de. Die­se Viel­falt lockt. Vor al­lem das frei zu­gäng­li­che vik­to­ria­ni­sche Pick­nick am Frei­tag­nach­mit­tag im Cla­ra-Zet­kin-Park ist ein Ma­gnet für in­ter­es­sier­te Zaun­gäs­te und Hob­by­fo­to­gra­fen.

Na­tür­lich gibt es auch Kri­tik an der vie­len Knip­se­rei. Vie­le vor al­lem äl­te­re Sze­n­e­mit­glie­der emp­fin­den die Zur­schau­stel­lung als kar­ne­val­esk. Tat­säch­lich lie­gen die Wur­zeln der Got­hic-Kul­tur im Punk. Als al­ter­na­ti­ve Ge­gen­be­we­gun­gen ent­stan­den dar­aus ab En­de der Sieb­zi­ger­jah­re Mu­sik­rich­tun­gen wie Post Punk, Wa­ve, New Wa­ve und Got­hic Rock.

Und so ist auch das Wa­veGo­tik-Tref­fen bei al­ler op­ti­scher Ex­tra­va­ganz für die meis­ten Teil­neh­mer im­mer noch ein gro­ßes Mu­sik­fest.

Ex­tra­va­ganz thic-Sze­ne.

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