Er­fun­de­ne Hun­de­at­ta­cke: Va­ter soll Ba­by in Os­na­brück fast ge­tö­tet ha­ben

Va­ter soll Ba­by in Os­na­brück bei­na­he ge­tö­tet ha­ben

Lingener Tagespost - - VORDERSEITE - Von Jörg San­ders

Über­ra­schen­de Wen­de im Fall des in Os­na­brück le­bens­ge­fähr­lich ver­letz­ten Ba­bys: Der 24-jäh­ri­ge Va­ter des we­ni­ge Ta­ge al­ten Säug­lings sitzt we­gen des Ver­dachts der ver­such­ten Tö­tung in Un­ter­su­chungs- haft. Er wur­de am Don­ners­tag ver­haf­tet. Am Di­ens­tag­abend war der Jun­ge mit le­bens­ge­fähr­li­chen Ver­let­zun­gen ins Christ­li­che Kin­der­hos­pi­tal Os­na­brück (Bild) ein­ge­lie­fert wor­den. Die El­tern hat­ten zu- nächst an­ge­ge­ben, ein frem­der Hund ha­be ihr Ba­by auf ei­ner Grün­flä­che at­ta­ckiert. Das sei ei­ne Schutz­be­haup­tung ge­we­sen, sag­te ei­ne Po­li­zei­spre­che­rin. Den Er­mitt­lun­gen zu­fol­ge hat­te das Ba­by ge- schrien, der Va­ter ha­be es „ru­hig­stel­len“wol­len und da­bei schwer miss­han­delt, sag­te Ober­staats­an­walt Alex­an­der Re­te­mey­er. Der Zu­stand des Ba­bys ist in­zwi­schen sta­bil.

Der Säug­ling hat le­bens­ge­fähr­li­che Ver­let­zun­gen. Ein frem­der Hund soll das erst we­ni­ge Ta­ge al­te Ba­by at­ta­ckiert ha­ben, so schil­dern es die El­tern. Ers­te Er­mitt­lun­gen füh­ren je­doch zu ei­nem ganz an­de­ren Er­geb­nis.

OS­NA­BRÜCK. Die le­bens­ge­fähr­li­chen Ver­let­zun­gen, die ein Ba­by in Os­na­brück er­lit­ten hat, ge­hen nicht auf Hun­de­bis­se zu­rück. Der Va­ter steht im Ver­dacht, den Säug­ling fast ge­tö­tet zu ha­ben. Die Un­ter­su­chung ei­nes Rechts­me­di­zi­ners so­wie die Er­mitt­lun­gen der Po­li­zei hät­ten er­ge­ben, dass der Jun­ge nicht durch Hun­de­bis­se le­bens­ge­fähr­lich ver­letzt wur­de, sag­te ges­tern ei­ne Po­li­zei­spre­che­rin. Die Po­li­zei er­mit­telt ge­gen den 24-jäh­ri­gen Va­ter we­gen des Ver­dachts der ver­such­ten Tö­tung. Er wur­de ges­tern fest­ge­nom­men und sitzt in Un­ter­su­chungs­haft.

Die El­tern hat­ten an­ge­ge­ben, am Di­ens­tag­abend mit dem Säug­ling und ih­ren zwei Hun­den auf ei­ner Grün­flä­che im Stadt­teil Hel­lern ge­we­sen zu sein, als ein frem­der Hund da­zu­ge­kom­men sei. Nach ei­nem kur­zen Spiel mit den Hun­den der Fa­mi­lie ha­be der frem­de Hund das Kind at­ta­ckiert und sei dann da­von­ge­lau­fen, hat­ten die El­tern der Po­li­zei be­rich­tet. Nun deu­tet al­les dar­auf hin, dass die Hun­de­at­ta­cke ei­ne rei­ne Schutz­be­haup­tung ge­we­sen ist.

Schwer am Kopf ver­letzt

Ober­staats­an­walt Alex­an­der Re­te­mey­er zu­fol­ge hat­ten die El­tern am sel­ben Tag die Neu­ge­bo­re­nen­sta­ti­on des Kin­der­hos­pi­tals ver­las­sen und ihr Ba­by mit nach Hau­se ge­nom­men. Als das Kind spä­ter schrie, ha­be der Va­ter es „ru­hig­stel­len“wol­len. Da­bei er­litt das Kind un­ter an­de­rem schwe­re Kopf­ver­let­zun­gen, sag­te Re­te­mey­er un­se­rer Re­dak­ti­on. Dar­auf­hin alar­mier­ten die El­tern ei­nen Not­arzt.

Die Po­li­zei ha­be auf­grund der äu­ße­ren Ver­let­zun­gen des Ba­bys Zwei­fel an der Darstel­lung mit der Hun­de­at­ta­cke ge­habt, so Re­te­mey­er. Ärz­te hät­ten aber ge­sagt, dass die­se Mög­lich­keit zu­min­dest nicht ganz aus­zu­schlie­ßen sei, so Re­te­mey­er wei­ter. Da­her hät­ten die Er­mitt­ler die vom Va­ter an­ge­ge­be­ne Hun­de­at­ta­cke „erst ein­mal so hin­neh­men müs­sen“. Da aber Zwei­fel be­stan­den, sei ein Rechts­me­di- zi­ner hin­zu­ge­zo­gen wor­den. Der ha­be ei­ne Hun­de­at­ta­cke aus­ge­schlos­sen.

Der we­ni­ge Ta­ge al­te Säug­ling war mit le­bens­ge­fähr­li­chen Ver­let­zun­gen ins Kran­ken­haus ge­bracht wor­den. In­zwi­schen ist der Zu­stand des Kin­des sta­bil, sag­te Re­te­mey­er. So­fern es über­le­ben soll­te, „sind blei­ben­de Schä­den nicht aus­zu­schlie­ßen“.

Zur Rol­le der Mut­ter äu­ßert sich die Po­li­zei bis­lang nicht. „Der Tat­ver­dacht rich­tet sich nur ge­gen den Part­ner der Frau“, sag­te der Po­li­zei­spre­cher. Nach Aus­sa­ge des Kinds­va­ters ha­be sie nichts mit dem Vor­fall zu tun. Es ist das ers­te Kind des nicht ver­hei­ra­te­ten Paa­res.

Ein Spre­cher der Stadt Os­na­brück be­stä­tig­te auf Nach­fra­ge un­se­rer Re­dak­ti­on, dass das Ju­gend­amt schon vor der Ge­burt des Kin­des ei­nen Hin­weis aus der Fa­mi­lie der El­tern er­hal­ten hat­te. „Die Qua­li­tät des Hin­wei­ses ken­nen wir nicht“, sag­te er. Das Ju­gend­amt ha­be schon vor der Ge­burt Kon­takt zu den El­tern auf­ge­nom­men. Die­se hät­ten sich „sehr ko­ope­ra­ti­ons­wil­lig“ge­zeigt, sag­te der Spre­cher.

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Fo­to: Gert West­dörp

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