Ge­recht­fer­tig­tes Spiel auf Zeit

Lingener Tagespost - - POLITIK - Von Tho­mas Lud­wig t.lud­wig@noz.de

So rich­tig es ist, den West­bal­kan wirt­schaft­lich und po­li­tisch so eng wie mög­lich an die EU zu bin­den, um nicht Chi­na oder Russ­land das Feld zu über­las­sen, so kon­se­quent ist es, ei­nen mög­li­chen Bei­tritt ein­zel­ner Staa­ten nicht zu über­stür­zen. In der Ver­fas­sung, in der sich die EU prä­sen­tiert, ist ei­ne Pau­se von jeg­li­cher Er­wei­te­rung an­ge­zeigt.

Was die In­ter­es­sen­iden­ti­tät an­geht, so scheint die EU schon heu­te über­dehnt. Was bringt aber ei­ne Ge­mein­schaft, die kaum noch ent­schei­dungs­fä­hig ist? Erst wenn die EU wie­der zu sich selbst ge­fun­den hat, darf sie sich für an­de­re öff­nen. In­so­fern ist ein po­li­ti­sches Spiel auf Zeit ge­recht­fer­tigt – frei­lich oh­ne die po­ten­zi­el­len Part­ner zu ver­prel­len. Das ist ei­ne Grat­wan­de­rung.

Mit Un­garn und Po­len hat sich die EU einst zwei Mit­glie­der in die Rei­hen ge­holt, die den Ge­mein­schafts­ge­dan­ken der­zeit ad ab­sur­dum füh­ren – Pri­vi­le­gi­en ge­nie­ßen, aber Ver­ant­wor- tung nur über­neh­men, wo es passt. Künf­ti­ge Mit­glie­der gilt es al­so auf Herz und Nie­ren zu prü­fen. Das Ri­si­ko, dass ei­ne noch grö­ße­re EU schwer­fäl­li­ger wür­de, als sie es oh­ne­hin ist, liegt auf der Hand.

In­so­fern ist es gut und rich­tig, dass der Gip­fel von kon­kre­ten Bei­tritts­da­ten ab­ge­se­hen hat. 2019 steht die Eu­ro­pa­wahl an. Auf ei­ne EU-Er­wei­te­rung in na­her Zu­kunft hin­zu­wir­ken hie­ße, sich bei den Wäh­lern so rich­tig un­be­liebt zu ma­chen. Wer will das schon?

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