Wie Ivan­ka Trump auf den Toch­ter-thron kam. Ein Psy­cho­gramm von An­ja Rüt­zel

Mäch­tigs­te FIRST DAUGH­TER auf Er­den. Mit ei­ge­nem Bü­ro ne­ben Pa­pa Do­nald im West Wing vom Whi­te Hou­se, ent­schei­det Ivan­ka Trump mit über Krieg und Frie­den

L'Officiel Germany - - Inhalt - Von AN­JA RÜT­ZEL

Viel­leicht ist es ein­fach ihr Na­me. Ivan­ka! Wie soll man sich da weh­ren? Man darf ja nicht fälsch­li­cher­wei­se den­ken, es sei der Nach­na­me „Trump“, der dem Mäd­chen, der jun­gen Frau, die mit die­sem Na­men ge­bo­ren wur­de, wie ein Mahl­stein auf den Schul­tern liegt – man denkt ihn sich ja selbst schon im­mer ganz au­to­ma­tisch in di­cken, ei­sen­schwe­ren Groß­buch­sta­ben, so, wie er auch auf dem New Yor­ker Trump To­wer prangt. Aber tat­säch­lich ist es der Vor­na­me, der wie ein schick­sal­be­stim­men­des La­bel seit ih­rer Ge­burt an Ivan­ka Ma­rie Trump, 35 Jah­re alt, Un­ter­neh­me­rin und Prä­si­den­ten­toch­ter, klebt. Ivan­ka, das ist die Ko­se­form des weib­li­chen Vor­na­men Iva­na. Und Iva­na, das ist ih­re Mut­ter, mit der Do­nald Trump bis 1990 ver­hei­ra­tet war.

„Klei­ne Iva­na“al­so. Ein Iva­na-chen. Ei­ne Mi­ni-ver­si­on der Mut­ter, ein klei­nes, nach­wach­sen­des Dou­ble für sie. Und tat­säch­lich füllt Ivan­ka Trump schon seit dem Prä­si­dent­schafts­wahl­kampf ih­res Va­ters die Rol­le ei­ner Er­satz­gat­tin, als ha­be sich ihr Na­me se­mie­so­te­risch als selbst er­fül­len­de Pro­phe­zei­ung er­füllt. Gut, Do­nald Trumps Iva­na heißt in­zwi­schen Me­la­nia, das al­te Mo­del wur­de längst ab­ge­ta­kelt. Doch da die ak­tu­el­le Gat­tin­nenDarstel­le­rin als Po­wer-coup­le-mä­ßi­ge Kom­plet­tie­rung der des Us-prä­si­dent nicht recht taugt, ist nun die First

Daugh­ter als Stell­ver­tre­te­rin auf­ge­rückt, als First La­dy­chen, wie es ihr Na­me schon sagt.

Auch wenn ihr Va­ter ein­mal ei­nen sehr grau­si­gen Satz über sie sag­te – „Wenn Ivan­ka nicht mei­ne Toch­ter wä­re, wür­de ich sie viel­leicht da­ten“–, ist die­se Stell­ver­tre­ter­rol­le nun na­tür­lich nicht ir­gend­wie schmud­de­lig-se­xu­el­lin­zen­stuös ge­meint, ganz im Ge­gen­teil: Die First La­dy ist tra­di­tio­nell ei­ne eher Sa­gro­tan-ar­tig da­her­kom­men­de, prop­pe­re, do­ris­day­haft an­stän­di­ge Mus­ter­frau, kein Sex­bra­ten – Mi­chel­le Oba­ma nahm die Her­zen auch des­halb im Sturm, weil sie als ers­te Prä­si­den­ten­gat­tin tat­säch­lich zu le­ben schien.

Die Ers­te Toch­ter­frau hat ei­nen ech­ten Ti­tel be­kom­men, ist nun prä­si­dia­le Be­ra­te­rin, und man darf jetzt ein­fach mal da­von aus­ge­hen, dass Vat­tern ihr auch Staats­ge­heim­nis­se er­zäh­len wird, die über ih­re of­fi­zi­el­le Ein­ge­weih­ten­stu­fe hin­aus­ge­hen. Auf­ein­an­der ein­spie­len müs­sen die bei­den sich nicht, sie sind längst ein al­tes Ar­beit­s­ehe­paar: Mehr als zehn Jah­re trat Ivan­ka in Trumps son­der­ba­rem Rea­li­ty-for­mat The App­ren­ti­ce als sei­ne Be­ra­te­rin auf: Sie rap­po­rier­te ihm, all­zeit un­ge­rührt wie ein Ivan­ko­mat, wel­che Kan­di­da­ten sich als gu­te An­ge­stell­te fürs Trump-im­pe­ri­um eig­nen wür­den, und wel­che man lie­ber so­fort raus­schmei­ßen soll­te.

Ivan­ka tut, was Me­la­nia lässt: Sie zog mit Ehe­mann Ja­red Kush­ner, vom Schwie­ger­va­ter als Se­ni­or Ad­vi­sor an­ge­heu­ert, und den drei Kin­dern so­fort nach Wa­shing­ton, wäh­rend die ei­gent­li­che First La­dy lie­ber in New York blieb, vor­geb­lich, da­mit Halb­bru­der Bar­ron dort die Schu­le be­en­den könn­te. Und Ivan­ka stützt ih­rem Va­ter am kipp­ligs­ten Punkt sei­nes äu­ßerst wack­li­gen po­li­ti­schen »Jen­ga«-türm­chens: Al­lei­ne schon ih­re sicht­ba­re Exis­tenz, ih­re rein räum­li­che Nä­he wirkt wie ein Mensch ge­wor­de­ner, ab­tö­nen­der Ins­ta­gram-fil­ter für ih­ren grel­len, schril­len Va­ter. Sie ist die stil­vol­le, be­herrsch­te, kul­ti­vier­te In­ter­pre­ta­ti­on des Trump’schen Reich­tums, sie ist so über­deut­lich, was ihr Va­ter nicht ist: clas­sy. Sie ist die Trump, de­ren Li­fe­style man be­wun­dern kann, weil ihr Stil nicht dar­in be­steht, ein­fach al­les mit glööck­ler­haft wir­ken­dem Gelb- und Geld­gold zu über­zie­hen.

Scrollt man durch ihr Ins­ta­gram, wirkt sie auf man­chen Bil­dern fast schon plas­tik­haft ge­lackt und von Büh­nen­bild-de­si­gnern in die rich­ti­ge Po­si­ti­on ge­rückt – kein Ver­gleich zum schwit­zi­gen Un­sty­ling ih­res Va­ters. Sieht er oft aus wie ein gut ge­nähr­ter Gold­fa­san, ist sie ein Pa­ra­de­bei­spiel für ein per­sön­li­ches Sty­ling, das man la­bra­do­ring nennt. Das liegt vor al­lem an der Fri­sur, die­ser sanft ge­strähn­ten Bü­gel­m­äh­ne. La­bra­do­ring, an­ge­lehnt an die freund­lichst und sanft­mü­tigst aus­se­hen­de Hun­de­ras­se über­haupt, ist der Fach­be­griff für die­sen kos­me­ti­schen Vor­gang, bei dem et­was na­tur­be­dingt Wi­der­spens­tig- Strup­pi­ges glatt und freund­lich ge­schmir­gelt wird. Ivan­ka ist kom­plett la­bra­do­ri­siert, Do­nald im­mer noch ein bel­fern­der Mix aus Bull­dog­ge, Rott­wei­ler und ei­nem Schuss Pin­scher. Sie ist ei­ne La­dy, die ihr Le­ben kom­plett im Griff zu ha­ben scheint, un­denk­bar, dass sie sich auch nur zu ei­nem sol­chen Aus­rut­scher wie ei­nem un­be­herrsch­ten Tweet hin­rei­ßen lie­ße.

Man darf sich von ih­rem Äu­ße­ren auf kei­nen Fall täu­schen las­sen: Ivan­ka ist ei­ne küh­le, stra­te­gisch ge­schul­te Ge­schäfts­frau, ei­ne ta­len­tier­te Ver­mark­te­rin, die die Bot­schaft weib­li­chen Em­power­ments in der Ar­beits­welt ge­nau­so über­zeu­gend

ver­kau­fen kann wie die sei­de­nen Schlup­pen­blu­sen ih­rer Klei­dungs­li­nie. Mit 28 Jah­ren schrieb sie ih­re vor­läu­fi­ge Stra­te­gie:

„The Trump Card: Play­ing to Win in Work and Li­fe“.

Sie ver­fügt über deut­lich fei­ne­res stra­te­gi­sches Be­steck als ihr Va­ter, und so er­läu­tert und re­la­ti­viert sie sei­ne oft plum­pen, der­ben State­ments ge­le­gent­lich wie ein wan­deln­der Fuß­no­ten­ap­pa­rat: Nein, so ha­be er das na­tür­lich in Wahr­heit nicht ge­meint! Wie bei ih­rem Mer­kel-be­such nach dem Wir­bel um Trumps ver­wei­ger­tem Hand­schlag, als Ivan­ka die di­plo­ma­ti­schen Bles­su­ren mit ih­rem Lä­chel-con­cea­ler über­tünch­te. In den tra­gi­sche­ren Mo­men­ten er­in­nert sie da­bei an ei­ne Ehe­frau, die nach ei­nem aus dem Ru­der ge­lau­fe­nen Po­ker­a­bend ih­res Man­nes den ver­schüt­te­ten Schnaps auf­wischt und die Brand­fle­cken im Tep­pich zu ka­schie­ren ver­sucht. Und sich bei den Nach­barn ent­schul­digt, wenn Män­ne und sei­ne Proll-kum­pel mal wie­der zu laut her­um­ge­grölt ha­ben.

Als Ju­gend­li­che, schreibt Ivan­ka in ih­rem Buch, woll­te sie sich un­be­dingt ein Bauch­na­bel-pier­cing ste­chen las­sen und saß schon auf dem Stu­dio­stuhl – als ihr ein­fiel, dass ein solch ver­we­ge­nes Ac­ces­soire den strah­len­den Fa­mi­li­en­na­men in ei­nem leicht schlam­pin­chen­mä­ßi­gen Licht er­schei­nen las­sen könn­te. Al­so ließ sie es blei­ben und ging un­ge­pier­ced nach Haus. Sie scheint schon als Te­enager selbst­dis­zi­pli­nier­ter ge­we­sen zu sein als ihr Va­ter.

Ihr Ver­hält­nis ist ein son­der­ba­rer, von au­ßen kaum durch­schau­ba­rer Rol­len­tausch: der pu­ber­tär agie­ren­de Va­ter, der sei­ne Gren­zen tes­tet, die ge­dul­di­ge, ver­stän­di­ge Toch­ter, die loy­al an sei­ner Sei­te steht. Psy­cho­lo­gen sind über­zeugt, dass ein Kind für sein Le­ben ge­prägt wird, wenn es mit ei­nem ego­zen­tri­schen, nar­ziss­ti­schen El­tern­teil auf­wächst. Weil es so schwer scheint, ih­re Lie­be zu ge­win­nen, be­gin­nen man­che von ih­nen, die Be­dürf­nis­se und Wün­sche des El­tern­teils über ih­re ei­ge­nen zu stel­len – und blei­ben auch bei die­sem Ver­hal­ten, wenn sie selbst längst er­wach­sen sind. „Pa­tho­lo­gi­sche Ge­fäl­lig­keit“nann­te das der Psych­ia­ter Ber­nard Brandchaft. Bei al­len ih­ren selbst­lo­sen Be- mü­hun­gen und ih­rem po­si­ti­ven, zum Teil auch auf ihn ab­strah­len­den Glatt-image kann die Toch­ter ih­ren Va­ter nicht zu ei­nem smar­ten, smoo­then An­füh­rer ma­chen, wie Ba­rack Oba­ma es war. Aber sie kann in gu­ten Mo­men­ten sein Knall­or­an­ge zu ei­nem Apri­cot mil­dern.

Fa­mi­lie 1992: Als Zehn­jäh­ri­ge mit Va­ter und Bru­der Eric, 7, im New Yor­ker Yan­kees-sta­di­on Mo­del 1997: Back­s­tage mit 15 Jah­ren vor der Marc-bou­wer-show in New York

Prä­si­den­ten-paar 2017: „First Daugh­ter“und Dad­dy Do­nald im Gar­ten des Wei­ßen Hau­ses

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