Im licht­durch­flu­te­ten Sa­lon von Mon­sieur Di­or in­sze­nier­te Sa­rah Moon sei­ne Fs-kol­lek­ti­on

Die Fo­to­künst­le­rin SA­RAH MOON in­sze­nier­te die Som­mer­kol­lek­ti­on des fran­zö­si­schen Mo­de­hau­ses in den licht­durch­flu­te­ten Sa­lons von Mon­sieur Di­or

L'Officiel Germany - - Inhalt - Text: ANDRE­AS COENEN

Das Jahr 1908 scheint weit weg zu sein – da­mals de­mons­trier­ten ei­ne hal­be Mil­li­on Frau­en im Lon­do­ner Hy­de Park für Gleich­be­rech­ti­gung. Ih­re Er­ken­nungs­far­ben wa­ren Weiß, Grün und Li­la –Weiß für die Rein­heit, Grün für die Hoff­nung, Li­la für die Wür­de. Die Suf­fra­get­ten­be­we­gung wur­de ver­spot­tet und ih­re An­hän­ge­rin­nen teil­wei­se ins Ge­fäng­nis ge­steckt.

Ja­nu­ar 2017, über hun­dert Jah­re spä­ter: Die­ses Mal ist der Schau­platz Wa­shing­ton, D.C., Do­nald Trump ist ge­ra­de als 45. Prä­si­dent der USA ver­ei­digt wor­den. Wie­der sind Hun­dert­tau­sen­de Frau­en auf der Stra­ße und ste­hen für Gleich­be­rech­ti­gung und ge­gen Chau­vi­nis­mus ein – das The­ma Fe­mi­nis­mus ist plötz­lich wie­der brand­ak­tu­ell. Für ih­re De­büt-kol­lek­ti­on bei Di­or hät­te sich Ma­ria Gra­zia Chi­uri al­so kein pas­sen­de­res The­ma aus­su­chen kön­nen. Nicht nur, weil sie ei­ne Frau ist, son­dern, weil sie auch die al­ler­ers­te weib­li­che Krea­tiv­di­rek­to­rin des alt­ehr­wür­di­gen Mo­de­hau­ses ist. Vor ih­rer ers­ten Kol­lek­ti­on woll­te sie mit dem Pro­jekt #The­wo­men­be­hind­my­dress all die Frau­en zei­gen, die am Ent­ste­hungs­pro­zess be­tei­ligt wa­ren – von der Kal­li­gra­fin Li­li über Mit­ar­bei­te­rin­nen vom Cas­ting und aus dem Bü­ro bis hin zur Pre­miè­re d’ate­lier Aicha Ned­daf. Um die­se Idee nach der Show fort­zu­füh­ren, folg­te das Pro­jekt #The­wo­men­be­hind­t­he­lens. Er­neut liegt der Fo­kus auf Frau­en, al­ler­dings die­ses Mal hin­ter der Ka­me­ra. So wur­den die drei Fo­to­gra­fin­nen Sa­rah Moon, Char­lot­te Wa­les und Bri­git­te Nie­der­mair ein­ge­la­den, ih­re ganz ei­ge­ne Ver­si­on der Ss17-kol­lek­ti­on zu ver­bild­li­chen.

Die fran­zö­si­sche Fo­to­gra­fin und Fil­me­ma­che­rin Sa­rah Moon, Jahr­gang 1941, wuchs in der Schweiz, En­g­land und Frank­reich auf. In den Swin­ging Six­ties leb­te sie in Lon­don und mach­te sich ei­nen Na­men als Mo­del und be­gann aber be­reits En­de der Sech­zi­ger­jah­re, pro­fes­sio­nell zu fo­to­gra­fie­ren. Auf ih­re ers­ten Kam­pa­gnen­bil­der für das Mo­de­la­bel Cacha­rel folg­ten un­zäh­li­ge Wer­be­fo­to­gra­fi­en, un­ter an­de­rem für Cha­nel, Com­me des Gar­çons, Va­len­ti­no – und auch Di­or.

Da­bei hat Sa­rah Moon die Frau im­mer fo­to­gra­fisch in­sze­niert, so wie Ma­ria Gra­zia Chi­uri sie heu­te de­fi­niert, als ein al­le Epo­chen über­grei­fen­des Sym­bol der Pa­ri­ser Ele­ganz, un­ab­hän­gig vom je­wei­li­gen De­si­gner: »Nie ganz die­sel­be und auch nie ei­ne ganz an­de­re.« In­so­fern liegt in Sa­rah Moons Mit­wir­ken an #The­wo­men­be­hind­t­he­lens fast ei­ne schick­sal­haf­te Kon­se­quenz. Das wä­re si­cher auch im Sin­ne von Mon­sieur Di­or ge­we­sen.

Seit sei­ner De­büt-kol­lek­ti­on 1947 hat Chris­ti­an Di­or die Sicht, was Ele­ganz sein kann, ver­än­dert. Bis heu­te wird die­se Vi­si­on fan­ta­sie­voll und mu­tig wei­ter­ent­wi­ckelt. Als gro­ßes Vor­bild gilt sein »New Look«, der durch Leich­tig­keit und fe­mi­ni­ne Gra­zie die Mo­de­welt re­vo­lu­tio­nier­te. Chris­ti­an Di­or selbst be­schrieb ihn da­mals als »Rück­kehr zu ei­nem Ide­al von kul­tu­rel­lem Glück«

La Mai­son Di­or – 30, ave­nue Mon­tai­gne in Pa­ris gilt als ei­ne der le­gen­därs­ten Adressen im Mo­de-uni­ver­sum. Am 16. De­zem­ber 1946 weih­te der Cou­turi­er sein klei­nes Ho­tel ein. Seit Ju­li 2016 be­fin­det sich hier auch die neue Wir­kungs­stät­te von Krea­tiv­di­rek­to­rin Ma­ria Gra­zia Chi­uri

Di­or Crea­ti­ve Di­rec­tor Ma­ria Gra­zia Chi­uri: »Wenn du als Frau Mo­de für Frau­en kre­ierst, geht es nicht nur dar­um, wie man dar­in aus­sieht, son­dern wie man sich da­mit fühlt. Denn ich ha­be kein In­ter­es­se an ver­al­te­ten Ste­reo­ty­pen, wie ei­ne Fe­mi­nis­tin aus­sieht – oder nicht aus­sieht«

Ma­ria Gra­zia Chi­uri: »Di­or ist fe­mi­nin. Das sag­te man mir im­mer wie­der, be­vor ich hier an­fing. Aber als Frau ver­ste­he ich un­ter fe­mi­nin et­was ganz an­de­res als ein Mann. Fe­mi­ni­tät be­deu­tet doch Frau sein, oder? Und zwar nicht wie vor 50 Jah­ren, son­dern als Frau von heu­te«

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