– ÜBER DEN DÄ­CHERN VON MAR­SEIL­LE

Auf dem Flach­dach des von Le Cor­bu­si­er 1947 ge­stal­te­ten Hoch­hau­ses er­öff­ne­te vor fünf Jah­ren das Mar­seil­le Mo­du­lor: kurz MAMO ge­nannt. Ein Mu­se­um für zeit­ge­nös­si­sche Kunst. Was die­sen Ort Ein­zig­ar­tig macht? Ein Ge­spräch mit dem Künst­ler und Ku­ra­tor ORA ÏT

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Künst­ler und Ku­ra­tor Ora Ito im Kul­tur­plausch

Be­schrei­ben bit­te das MAMO aus Ih­rer Sicht!

Ich wür­de sa­gen: ein Mu­se­um mit Per­sön­lich­keit! Wel­ches Mu­se­um hat die­se Um­ge­bung?! Es be­steht aus vie­len un­ter­schied­li­chen Ecken, ei­nem In­nen­und Au­ßen­be­reich, und je­der Künst­ler passt sei­ne Ar­bei­ten am Cha­rak­ter des Ge­bäu­des an. Es ist wie ei­ne Match­box zwi­schen dem Künst­ler und der Ar­chi­tek­tur. Je­de In­stal­la­ti­on ist zeit­lich be­grenzt. In der ak­tu­el­len Aus­stel­lung von Je­an-pier­re Ray­n­aud kann man ge­nau das Zwi­schen­spiel von Kunst und Um­ge­bung be­ob­ach­ten. Ein klei­ner Künst­ler wür­de in dem Um­feld un­ter­ge­hen …

Wenn Sie das MAMO als Far­be über­set­zen müss­ten, in wel­chem Ton se­hen Sie es?

Blau! Schau­en Sie hoch in den Him­mel! Er ist im­mer Teil je­der Aus­stel­lung. Je­den Tag ein an­de­res Blau – im Wech­sel der Jah­res­zei­ten und St­un­den. Ich sa­ge: 21 Fa­cet­ten von Blau!

Sie sind nicht nur Künst­ler und Ku­ra­tor, son­dern auch ein ver­sier­ter Kunst­samm­ler …

Ach, das war ich mal! Als mir vor sechs Jah­ren das Geld bei der Re­stau­ra­ti­on des MAMOS aus­ging, ha­be ich al­les, was ich hat­te, ver­kauft. Das war wirk­lich sehr schwer für mich, aber es war ein Hit! Pier­re Ber­gé hat die Ka­ta­lo­gi­sie­rung über­nom­men, er und sein Team ha­ben mein Apart­ment im Sain­tLau­rent-bü­ro in Pa­ris re­kon­stru­iert und mei­ne Samm­lung dort zum Ver­kauf an­ge­bo­ten. Und, Pier­re sei Dank, bin ich je­des ein­zel­ne Stück los­ge­wor­den. Jetzt ist das hier mei­ne Samm­lung …

Was war Ih­re größ­te Her­aus­for­de­rung als Künst­ler?

Im­mer in die­sel­be Rich­tung zu schau­en. Ich mei­ne da­mit, sich selbst und sei­ne Ar­beit neu zu er­fin­den, aber oh­ne sich in den Gr­und­zü­gen zu ver­än­dern. Sei­ne Ar­beit ra­di­kal zu wan­deln ist ein­fa­cher: Man wirft al­le Alt­las­ten von sich. Aber stän­dig an ei­ner Ver­bes­se­rung zu ar­bei­ten, ob­wohl man nie Per­fek­ti­on er­rei­chen kann, das ist die Her­aus­for­de­rung!

Kunst – was macht ih­re Fas­zi­na­ti­on aus?

Ich wür­de es nicht Fas­zi­na­ti­on nen­nen. Ich ha­be ei­ne Pas­si­on für Kunst. Das Ge­bäu­de hier ist mei­ne Lei­den­schaft. Als ich es ge­kauft ha­be, woll­te ich es gleich mit der Öf­fent­lich­keit tei­len.

Und wie kam es zur Ko­ope­ra­ti­on mit Long­champ?

Zu­fall. Krea­tiv­di­rek­to­rin So­phia Del­a­fon­tai­ne und ich ha­ben uns in Pa­ris beim Fri­seur ken­nen­ge­lernt. Wir lie­ben bei­de Kunst und die Idee der zeit­ge­nös­si­schen Klas­sik. Ei­ne Aus­stel­lung auf Zeit – ei­ne Kol­lek­ti­on für ei­ne Sai­son, ich den­ke, das ist es, was uns ver­bin­det. Mit der ak­tu­el­len Aus­stel­lung »Ici« von Je­an-pier­re Ray­n­aud ( läuft noch bis 1.

Ok­to­ber) sind wir zum zwei­ten Mal Part­ner des MAMOS ge­wor­den. Toll war auch, dass die Ent­schei­dung bei ei­nem Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men wie Long­champ nur kur­ze We­ge hat. Ich wuss­te nach fünf­zehn Mi­nu­ten, dass sie da­bei sind!

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