DOMIAN

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Der Beicht­va­ter der Na­ti­on kennt sie al­le. Je­de Ma­cke, je­den Fe­tisch, je­de Zwangs­stö­rung, je­des Dra­ma, je­den er­denk­li­chen mensch­li­chen Ab­grund. Fast 22 Jah­re lang kommt in der Call-in-sen­dung Domian auf 1 Live und im WDR zwi­schen ein und zwei Uhr das Un­aus­sprech­li­che zur Spra­che. Von Jür­gen Domian, Seel­sor­ger der Nacht, füh­len sie sich ver­stan­den, all die Freaks, die Heim­lich­tu­er, die Ein­sa­men und Ver­zwei­fel­ten, die sich nicht im Dai­ly-talk zur Schau stel­len – son­dern im Schut­ze der Dun­kel­heit ihr Herz aus­schüt­ten. 25 000 Ge­sprä­che. Was hän­gen bleibt? Das Skur­ri­le. Ed­win, der er­zählt, dass er sich ei­ne Sex­part­ne­rin aus 60 Ki­lo Hack­fleisch formt. Und das Tra­gi­sche. Hu­bert, An­fang 30, Leuk­ämie im End­sta­di­um, der vom Ster­be­bett an­ruft. „Ich kann dir nur wün­schen, dass du nicht so viel lei­den musst“, sagt Jür­gen, be­vor er mit den Trä­nen kämpft. Die Nacht­ar­beit geht an die Sub­stanz. Ir­gend­wann will er wie­der Ta­ges­licht se­hen, kei­ne Schlaf­ta­blet­ten mehr neh­men. Des­halb hört Domian im Al­ter von 58 in der Nacht vom 16. auf den 17. De­zem­ber 2016 ein letz­tes Mal zu – und dann auf. Um 1.54 Uhr ver­ab­schie­det sich der Mehr-als-nur-mo­de­ra­tor mit zitt­ri­ger Stim­me: „Dan­ke für eu­re Men­sch­lich­keit.“Er nimmt sei­ne Kopf­hö­rer ab. Schiebt die Ku­lis­se bei­sei­te. Ver­harrt, blickt sich um. Zieht sei­ne Step­p­ja­cke an. Das Licht geht aus. Und Jeff Buck­ley singt: Hal­le­lu­jah.

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