NOSFERATU

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Der Mann hieß Max Schreck. Ein we­nig be­kann­ter Thea­ter­schau­spie­ler (1879–1936). Bis er sich im Win­ter 1921, auf ei­ner Burg in der Slo­wa­kei, in Graf Or­lok ver­wan­del­te. Spin­nen­ar­ti­ger Kör­per, Fin­ger­nä­gel wie Mons­ter­kral­len und ein Blick aus dunk­len Au­gen­höh­len: Schon am Set des Fil­mes Nosferatu war das so furcht­ein­flö­ßend, dass die Sta­tis­ten aus der Ge­gend den Mann wie den Leib­haf­ti­gen mie­den. Das Ki­no er­fand sich ge­ra­de. Vie­len er­schien es wie He­xen­werk, zu­mal im sla­wi­schen Raum, wo der Volks­my­thos der blut­sau­gen­den Nach­ge­stalt im 18. Jahr­hun­dert mit dem Wort „Vam­pir“(ge­flü­gel­tes We­sen) be­legt wor­den war. Der aus Ber­lin, der Wie­ge des ex­pres­sio­nis­ti­schen Stumm­fil­mes, an­ge- reis­te Re­gis­seur Fried­rich Murnau schuf ei­ne „Symphonie des Grau­ens“. Er nutz­te da­für auch die Le­gen­de von Dra­cu­la, die Murnau im Ro­man des Iren Bram Sto­ker ge­fun­den hat­te: der 1431 ge­bo­re­ne trans­sil­va­ni­sche Herr­scher Vlad III. mit Bei­na­men „Dra­cu­lea“(Dra­chen­sohn), der ger­ne das Blut sei­ner Fein­de trank. Ein Un­to­ter, dem um Mit­ter­nacht Reiß­zäh­ne wach­sen, ein ge­quäl­ter Fürst der Fins­ter­nis: All das bün­delt sich in Nosferatu. Zahl­lo­se Va­ri­an­ten und gran­dio­se Dra­cu­la-darstel­ler wie Chris­to­pher Lee, Klaus Kin­ski oder Ga­ry Old­man folg­ten bis heu­te. Doch der Schreck vor bei­na­he 100 Jah­ren, die­ser Ur­knall des Hor­ror­fil­mes und der Got­hic-kul­tur, ist noch im­mer un­er­reicht.

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