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Show­time im „Ta­schen Sto­re Ber­lin“in der Schlü­ter­stra­ße. Glän­zen­de Bü­cher re­si­die­ren auf schönen Ti­schen und lo­cken zu Re­ga­len, im Ga­le­rie­be­reich hän­gen an­züg­li­che Zeich­nun­gen und Il­lus­tra­tio­nen von Eric Stan­ton und fre­che Schwarz-weiß-fotos mit viel nack

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„Ich war mit ih­nen be­freun­det – bis zu de­ren Tod. Be­ne­dikt und ich ha­ben das zu­sam­men ku­ra­tiert. Es war uns bei­den ein An­lie­gen, die­se Künst­ler ein­mal mit ei­ner Show, mit ei­nem Buch zu eh­ren.“

Wir set­zen uns, trin­ken ei­nen Kaf­fee. „Eric Stan­ton be­gann mit sei­nen Bil­der­ge­schich­ten in den 1950er-jah­ren. Es war ei­ne klei­ne Welt da­mals. El­mar Bat­ters war in Los An­ge­les, Stan­ton in New York. Aber Leu­te, die in dem Be­reich der Fe­tisch­kunst ar­bei­te­ten, kann­ten sich al­le. Sie hat­ten die­sen ge­mein­sam Drang, die Gren­zen der Per­ver­si­on aus­zu­lo­ten. Ih­re Nei­gun­gen in ih­rer Kunst aus­zu­drü­cken. Kei­ner pu­bli­zier­te so et­was, al­so muss­ten sie es selbst ma­chen.“

„Heu­te ha­ben sich die Zei­ten ge­än­dert“, wer­fe ich ein. „Kön­nen Leu­te ih­re ge­hei­men Wün­sche nicht bes­ser aus­le­ben?“„Ver­mut­lich zu sehr!“( sie lacht). „ Im In­ter­net spu­cken die Leu­te es ein­fach raus. An­de­rer­seits be­kom­me ich im­mer wie­der mit, dass Leu­te viel ver­heim­li­chen. Ich ha­be ein Buch mit Ed Fox ge­macht, der un­ge­fähr zu der Zeit an­fing, als El­mar Bat­ters starb, das war wie ei­ne Stab­über­ga­be. Auch er ein Fuß­fe­ti­schist, auch er hat­te nie­man­dem bis­her da­von er­zählt, und auch er konn­te das in Leg Show erst­mals zei­gen.“

„Di­an Han­son, die Kö­ni­gin des Ver­sau­ten“– steht auf der Web­site des Ta­schen Ver­la­ges.

„Kei­ner möch­te ein Per­ver­ser sein“, sagt die Kö­ni­gin jetzt. „Per­ver­se wer­den nicht ge­liebt. Wir ha­ben die Frau­en­be­we­gung, die Bür­ger­rechts­be­we­gung etc., aber nie­mand läuft rum und sagt, ich bin stolz, ein Per­ver­ser zu sein, free our rights. Es gibt die­ses Un­gleich­ge­wicht zwi­schen Frau­en und Män­nern. Kei­ner hat das bis­her wirk­lich un­ter­sucht, aber es sind eben nur Män­ner in der Fe­ti­sch­welt.“

„Und Sie als Frau ge­ben die­sen Män­nern ei­ne Platt­form. Wie kam es denn da­zu?“

„Ich ar­bei­te schon sehr lan­ge in dem Be­reich. 1976 fing ich bei ei­nem Män­ner­ma­ga­zin an. Das war lus­tig und auf­re­gend, ich war ein Hip­pie – Sex und Lo­ve, das kam al­les zu­sam­men. Nach ein paar Jah­ren wur­de es dann lang­wei­lig, man wuss­te, wie sich so ein Heft ver­kauft: gro­ße Brüs­te, blond, weib­lich, das reich­te. Bei dem Fe­tisch­ma­ga­zin fing ich an, die Le­ser­brie­fe durch­zu­schau­en. Vie­le wa­ren rich­tig in­tel­li­gent, auch ver­zwei­felt, sie woll­ten, dass ih­nen je­mand zu­hört. Das hat mich fas­zi­niert. Kei­ner hör­te die­sen Män­nern zu, den Ma­so­chis­ten, Cross Dres­sern, Fuß­fe­ti­schis­ten – ich ha­be ein gro­ßes Herz!“

„Ei­ne Art Kum­mer­t­an­te?“

bleibt ernst. 65-Jäh­ri­gen wis­sen. (ich muss la­chen). Und Di­an Han­son

„Ja, aber ich re­agier­te auch. Ich dach­te mir Ge­schich­ten für sie aus, ich be­auf­trag­te Fo­to­gra­fen und Zeich­ner, die­se Fan­ta­si­en um­zu­set­zen. Über­all gab es Leg Art, aber nicht in der Kon­se­quenz. El­mar Bat­ters hat mir viel ge­hol­fen, die­se Kunst zu ver­ste­hen. So wur­de das Ma­ga­zin das größ­te Fe­tisch­ma­ga­zin der Welt.“

„Was ist der Un­ter­schied zum Bü­cher­ma­chen?“,

„Beim Ma­ga­zin er­fin­det man sich je­den Mo­nat neu. Man­che Aus­ga­ben wa­ren für die Ton­ne, aber das mach­te nichts. Die nächste Chan­ce kam ja. Ich woll­te nie Bü­cher ma­chen. Aber Be­ne­dikt war hart­nä­ckig, schon 1994 woll­te er, dass ich für ihn ar­bei­te. Ich sag­te, nein, auf kei­nen Fall, ich mag die Por­no-welt, ich mag die Of­fen­heit. Ich hat­te Angst, dass ich je­mand an­de­res sein müss­te, um Bü­cher zu ma­chen. Aber dann ver­än­der­te sich mei­ne Si­tua­ti­on, mein Ver­le­ger starb, sein Bru­der über­nahm den La­den, ir­gend­wie be­kam die Ma­fia ei­nen Fuß in die Tür, ich fühl­te mich be­droht, die Zeit war reif zu ge­hen. Das ers­te Jahr war schwer, ich woll­te die gan­ze Zeit hin­schmei­ßen. Aber Be­ne­dikt sag­te, du musst dich nicht än­dern, mach ein­fach, was du liebst. Schreib wie du willst, such die Fotos aus, die du willst. Und er hat­te recht, das klapp­te. Jetzt bin ich ent­spannt.“

„Ha­ben Sie Lieb­lings­bü­cher?“„Ach, das wech­selt. Al­ler­dings: Ich bin ei­ne he­te­ro­se­xu­el­le Frau, ich mag na­tür­lich The Big Pe­nis Book.“

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