AK­TI­ONS­TA­GE

L'Officiel Hommes Germany - - Gesellschaft -

Der Tag müss­te mehr als 24 St­un­den ha­ben. Das Jahr, im­mer­hin, hat schon längst ex­pan­diert. 365 ist nicht ge­nug. Al­lein am 21. Ju­ni gilt es, zeit­gleich den Wel­t­hu­ma­nis­ten­tag, den Tag des Schla­fes und den Tag des Son­nen­schut­zes mit Ak­tio­nen zu wür­di­gen. Al­so: Pa­cken wir’s an! Wer macht mit? Vi­el­leicht trä­fe es Ak­tio­nis­mus eher. Un­tä­tig­keit lässt sich an solch be­son­de­ren Ta­gen an­ge­nehm ver­tu­schen, zum Bei­spiel mit Un­wich­tig­kei­ten, de­ren Kon­sum an­ge­kur­belt wer­den soll – wann war noch gleich der Tag des deut­schen Bie­res? Als Kind trug man En­de Ok­to­ber, mit nach Kup­fer stin­ken­den Fin­gern, noch freu­dig die in Pa­pier ge­roll­ten Pfen­ni­ge zur Bank. War ja Welt­spar­tag. Doch selbst die- ser 1924 ins Le­ben ge­ru­fe­ne Ak­ti­ons­tag hat sei­nen Glanz längst ver­lo­ren. Spa­ren? Null Zins, null Bock. Dann doch lie­ber mit Attac am letz­ten Sams­tag im No­vem­ber den Kauf-nix-tag fei­ern, der nach dem Prin­zip von Ac­tio und Re­ac­tio un­ver­meid­lich war. Der To­wel Day am 25. Mai hin­ge­gen möch­te nicht als Auf­ruf miss­ver­stan­den wer­den, Frot­tee statt Fer­re­ro zu ver­schen­ken. Er ist viel­mehr ei­ne Re­mi­nis­zenz an Dou­glas Adams’ Per An­hal­ter durch die Ga­la­xis, in dem ein Hand­tuch als „so ziem­lich das Nütz­lichs­te“be­zeich­net wird, was man als Pla­ne­tenTra­vel­ler ein­pa­cken kann – und so­mit auch kein Ak­ti­ons­tag, son­dern ein Ge­denk­tag. Aber wer möch­te schon den­ken, wenn er han­deln kann.

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