WILL­KOM­MEN IN DER HEI­MAT

Ein Name, der längst zur Mar­ke ge­wor­den ist: El­len von Un­werth. War sie als Mo­del einst sel­ber be­gehr­tes Ob­jekt vor dem Ob­jek­tiv, so geht sie heu­te als „Meis­ter­fo­to­gra­fin“auf fan­tas­ti­sche Bil­der-pirsch

L'Officiel Hommes Germany - - Portfolio - Text NA­DI­NE BARTH fo­tos EL­LEN VON UN­WERTH

Herr­li­cher Berg­wald. Sma­ragd­grü­ne Se­en. Und pracht­vol­le, schnee­wei­ße Gip­fel. Wo auf den Al­men Kuh­glo­cken läu­ten. Wo man mit der Na­tur im Ein­klang lebt. Und wo die Dorf­mäd­chen Hil­da, Trau­del, Hei­di und

ih­re Freun­de dem be­schau­li­chen Land­le­ben frö­nen. Be­glei­ten Sie sie auf idyl­li­sche Aben­teu­er. Ent­de­cken Sie ur­al­tes Hand­werk und Brauchtum. Be­geg­nen Sie stol­zen, auf­rech­ten Mit­glie­dern un­se­rer un­ver­dor­be­nen Berg­ge­mein­de. Wir la­den Sie ein ins Ver­gnü­gen.

Was so be­schau­lich-ly­risch an­fängt, als Zei­len, die aus ei­nem Wer­be­pro­spekt der Tou­ris­mus­zen­tra­le ent­stam­men könn­ten, ent­puppt sich als ein wei­te­rer Streich der gro­ßen, deut­schen Mo­de­fo­to­gra­fin. Nach dem lust­vol­len Ka­bi­nett­stück Ol­ga, das ei­ne an­züg­lich aus­ge­zo­ge­ne Brü­net­te bei ih­ren ero­ti­schen Fan­ta­si­en zeig­te, mag es El­len von Un­werth jetzt zünf­tig. In knal­lig-bun­ten Far­ben und frech-fröh­li­chem Am­bi­en­te be­geg­nen uns al­ler­lei Madln und Bu­ben, die Spaß am Style und Sex ha­ben, an­ge­deu­tet na­tür­lich nur, in der Über­zeich­nung aber groß­ar­tig. Von der pro­kla­mier­ten Zwei­deu­tig­keit lebt die­se schrä­ge Se­rie, und so wer­den selbst harm­lo­se baye­ri­sche Tra­di­ti­ons­sprü­che zu fri­vo­len Ver­spre­chun­gen:

Bei uns ist die Milch noch melk­frisch. Ei­ne hel­fen­de Hand ist im­mer zur Stel­le. Ein Land­mä­del weiß, wie man den Bock am Horn packt.

Hei­mat ist der pracht­vol­le Bild­band be­ti­telt, er spielt mit un­se­ren Vor­stel­lun­gen ei­nes ima­gi­nä­ren Or­tes, der sich als Her­kunfts­idee prä­sen­tiert. Nicht al­le kom­men vom Land, aber das „Land“mit sei­ner Nä­he zu Tra­di­ti­on und Brauchtum ist ein op­tisch ein­deu­ti­ge­res Am­bi­en­te als et­wa ei­ne groß­städ­ti­sche Alt­bau­woh­nung oder ein Vo­r­or­tPlat­ten­bau. Hei­mat mag mit Ver­gan­gen­heit zu tun ha­ben, der Fa­mi­lie, der Grund­schu­le oder mit ei­nem Ge­fühl des Woh­ligseins, des Nach­Hau­se-kom­mens oder der Vor­stel­lung ei­ner saf­tig grü­nen Wie­se und ei­nem Stall mit Heu, re­spek­ti­ve Saat und Ern­te, dem la­ko­nisch ak­zep­tier­ten Jah­res­zy­klus des Im­mer­glei­chen – Hei­mat ist in­di­vi­du­ell: Wir kom­men in se­li­ger Un­schuld zu­sam­men. Oh­ne be­son­ne­ne He­ge wer­den die Füch­se toll. Auf der Alm geht man den Tag ge­las­sen an.

Na­tür­lich kann El­len von Un­werth auch auf per­sön­li­che Re­fe­ren­zen zum The­ma ver­wei­sen: Sie leb­te im All­gäu in ei­ner Art Hip­pie­kom­mu­ne und mach­te ihr Abitur in Oberst­dorf. Bei ih­rer Tour ver­zich­te­te sie al­ler­dings dar­auf, dort zu fo­to­gra­fie­ren. Vie­le Auf­nah­men ent­stan­den in ei­nem Mu­se­ums­dorf. Hei­mat ist übe­r­all, wich­ti­ger ist der spie­le­ri­sche Um­gang. Die Ko­mik, der Zau­ber. Mit 16 war El­len Num­mern­girl bei Cir­cus Ron­cal­li, ver­teil­te Lol­lis und Pat­schu­li-par­füm. Ih­re dar­stel­le­ri­schen Fä­hig­kei­ten be­wies sie auch in ih­rer Kar­rie­re als Mo­del – bis sie sich bei ei­nem Shoo­ting in Afri­ka einst ei­ne Ka­me­ra aus­lieh, um Kin­der ab­zu­lich­ten. Und dann die be­rühm­te Fo­to­gra­fin wur­de, die sie ist, mit Hun­der­ten Edi­to­ri­als und Dut­zen­den Bü­chern, die Fo­to­gra­fin, die Clau­dia Schif­fer ent­deck­te, und heu­te für ei­ne Äs­t­he­tik der Freu­de, der Weib­lich­keit und Schön­heit steht:

Wir wis­sen die Ga­ben der Na­tur wohl zu nut­zen.

Ach­ten Sie auf die pas­sen­de Tracht.

Be­han­deln sie kost­ba­re Kü­gel­chen zart.

Ur­sprüng­lich soll­te Hei­mat noch stär­ker die Jah­res­zei­ten zei­gen, doch das Wet­ter spiel­te nicht mit. Da­für wa­ren die Prot­ago­nis­ten um­so ein­falls­rei­cher. El­len cas­te­te Mo­dels, die ei­nen ge­wis­sen schau­spie­le­ri­schen Hin­ter­grund mit­brach­ten – und ge­wis­se Run­dun­gen, da­mit die Dirndl auch schön sit­zen. Aus Deutsch­land sind sie al­le nicht. Da­für wur­de bei der Mo­de auf ein­hei­mi­sches Trach­ten­de­sign zu­rück­ge­grif­fen, ent­we­der wa­ren es Vin­ta­ge-mo­del­le oder mo­der­ne baye­ri­sche La­bels wie Lo­la Pal­tin­ger. Die Ge­samt­op­tik je­den­falls ist aus ei­nem „Guss“– der Blick auf Deutsch­land nun um ei­ne Fa­cet­te rei­cher, man könn­te sa­gen: Die Hei­mat der Le­der­ho­se blüht. Beim „book launch“in L. A. schau­te denn auch Äkt­schn-ar­nie Schwar­ze­negger vor­bei.

In den Ber­gen fühlt man sich frei.

Bum­py Sli­de, 2015 © El­len von Un­werth

The­se Boots are Ma­de for Fis­hing, 2015 © El­len von Un­werth

Lin­ke Sei­te: Sun­day Skip, 2015 © El­len von Un­werth Auf der nächs­ten Dop­pel­sei­te: We can do it!, 2015 © El­len von Un­werth De­light from the Sour­ce, 2015 © El­len von Un­werth

The Big Catch, 2015 © El­len von Un­werth

El­len von Un­werth

El­len von Un­werth: „Hei­mat“. Ta­schen Ver­lag. Li­mi­tier­te Auf­la­ge. Hard­co­ver in ei­ner Schlag­kas­set­te. 454 Sei­ten, 750 Eu­ro. ta­schen.com

Hun­ting Sea­son, 2015 © El­len von Un­werth

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