Pa­pa & an­de­re Su­per­hel­den Über Män­ner zum Auf­bli­cken und Masken zum Auf­tra­gen. Von Andre­as Coe­nen

Mit Haut und Haar set­zen wir auf Wirk­stoff­wun­der. Denn es gibt in­zwi­schen im­mer mehr Schön­heits­pro­duk­te, de­ren Krä e ein­fach su­per sind

L'Officiel Hommes Germany - - Inhalt - Text ANDRE­AS COE­NEN

JJe äl­ter wir wer­den, des­to kom­pli­zier­ter wird un­ser Le­ben und die Welt an sich. Als klei­ner Jun­ge, weit ent­fernt von Me­tro­se­xua­li­tät, Haut­pro­ble­men und Groo­m­in­gWahn, war der ein­zi­ge Su­per­held der ei­ge­ne Pa­pa. Der gro­ße Mann, zu dem wir auf­ge­schaut ha­ben. Der ein­fach al­les ge­schafft und durch­schaut hat. Bei dem wir ge­dacht ha­ben: „So will ich auch mal wer­den.“Dass der ei­ge­ne Va­ter nicht mit wirk­li­chen Su­per­kräf­ten aus­ge­stat­tet war, hat uns nicht in­ter­es­siert und war ja auch ne­ben­säch­lich. Er wuss­te ein­fach al­les – und konn­te uns im­mer be­schüt­zen. Denn er war groß, stark und schlau.

Spä­tes­tens in der Pu­ber­tät be­gan­nen wir mit der el­ter­li­chen Über­macht zu ha­dern, und der kind­li­che Hy­pe um die ei­ge­ne Ver­wandt­schaft be­gann sich all­mäh­lich zu le­gen. Vi­el­leicht wur­de der al­te Herr auch schon vor­her durch Po­li­zis­ten oder Feu­er­wehr­män­ner be­erbt. Aber spä­tes­tens beim ers­ten Hor­monschub und dem sprie­ßen­den Bart­flaum war’s vor­bei mit der vor­he­ri­gen Pa­pa­ma­nie. Plötz­lich woll­ten wir sein wie Pe­ter Par­ker, der vom schmäch­ti­gen, un­be­ach­te­ten Jun­gen nach dem Biss von ei­ner gen­ma­ni­pu­lier­ten Spin­ne zum ath­le­ti­schen und ge­fei­er­ten Idol wur­de und sich durch die Stra­ßen­schluch­ten von New York schwang. Wir konn­ten Hulks Stim­mungs­schwan­kun­gen nach­voll­zie­hen. Und sich bei Wut ein­fach zu ver­wan­deln und dem ner­vi­gen Schul­ka­me­ra­den ei­ne zu ver­pas­sen, war eben­so kein ganz ab­we­gi­ger Ge­dan­ke. Auch dem ein oder an­de­ren Pro­blem, das uns heu­te wahr­schein­lich to­tal kalt­las­sen wür­de, ein­fach da­von­flie­gen zu kön­nen wie Su­per­man, wä­re das Größ­te ge­we­sen – un­er­reicht, denn an­ders als wir war der ja schließ­lich von ei­nem an­de­ren Pla­ne­ten. Al­lein dank Mar­vel riss der Nach­schub an ob­sku­ren Ty­pen in noch bi­zar­re­ren Ko­s­tü­men nicht ab. Aber ne­ben Strumpf­ho­sen hat­ten sie al­le ei­nes ge­mein: Sie wa­ren aus­ge­stat­tet mit Kräf­ten, die sie nicht nur au­ßer­ge­wöhn­lich stark, son­dern schein­bar auch al­ters­los wer­den lie­ßen. Je­mals mit­be­kom­men, dass sich Iron Man um Fal­ten ge­schert, Thor über Au­gen­rin­ge ge­klagt oder Cap­tain Ame­ri­ca das Nach­las­sen der Spann­kraft sei­ner Haut be­ob­ach­tet hät­te? Eben! Vi­el­leicht lag es ein­fach dar­an, dass sie viel zu sehr da­mit be­schäf­tigt wa­ren, die Welt vor ir­gend­wel­chen Bö­se­wich­ten zu be­schüt­zen. Mag ja sein, aber Cre­men stand de­fi­ni­tiv nicht auf ih­rer Ta­ges-agen­da.

Ob es an sich ver­än­dern­den Le­bens­um­stän­den, dem Fort­schrei­ten des ei­ge­nen Al­ters oder dem An­blick des Spie­gel­bil­des am Mor­gen liegt, sei da­hin­ge­stellt. Vi­el­leicht war es auch die Tat­sa­che, dass zwei, drei Tas­sen Kaf­fee und ei­ne St­un­de mehr Schlaf ein­fach nicht aus­reich­ten für den ge­wünsch­ten Fri­sche­kick. Neue Su­per­hel­den muss­ten ran. Und plötz­lich kom­men sie ganz oh­ne Strumpf­ho­sen und auf­wen­di­ge Ver­klei­dung da­her. Statt­des­sen im schi­cken Tie­gel: die neu­en Su­per-wirk­stof­fe. Durch sie kön­nen wir zwar noch im­mer nicht flie­gen, Ge­dan­ken le­sen oder durch Wän­de schau­en. Macht aber auch nix, wir sind ja auch kei­ne 17 mehr. Rei­ne Haut, kei­ne Fal­ten und we­ni­ger Haar­aus­fall sind die Su­per­kräf­te, die wir jetzt ha­ben wol­len. Un­se­re Schur­ken hei­ßen heu­te ja auch nicht mehr Grü­ner Ko­bold, Jo­ker oder Lex Lut­hor, son­dern Stress, Uv-licht und Ozon. Auch brau­chen die neu­en Hel­den kei­nen spek­ta­ku­lä­ren Un­fall, um zu dem zu wer­den, was sie eh schon sind: neue Wirk­stoff e mit ge­nau den Su­per­kräf­ten, die wir jetzt brau­chen!

So sorgt Zau­ber­nuss­de­stil­lat für ei­ne Be­schleu­ni­gung der Hau­t­er­neue­rung, das Gift der Tem­pel­vi­per re­vi­ta­li­siert un­se­ren Teint und lässt ihn strah­len, und das Ex­trakt der wil­den Stief­müt­ter­chen ver­sorgt die Haut op­ti­mal mit Feuch­tig­keit. Al­les Stof­fe, die nicht durch ei­nen Me­teo­ri­ten­auf­schlag ent­stan­den sind, son­dern ein­fach so in der Na­tur vor­kom­men. Sie muss­ten eben nur erst mal von fin­di­gen Wis­sen­schaft­lern ent­deckt und mit den neu­es­ten High­techMe­tho­den auf­be­rei­tet wer­den. Wie die neu­en Stof­fen das ge­nau ma­chen, bleibt uns Lai­en meist ein Rätsel, aber ge­nau da ist es wie­der, die­ses Ge­fühl, dass uns auch schon als klei­ner Jun­ge mit gren­zen­lo­ser Be­wun­de­rung zu Pa­pa hat auf­schau­en las­sen.

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