Im An­zug am Ab­zug

Dia­man­ten, De­si­gner und der dre­cki­ge Frei­geist des Blues­rock. Es gibt vie­le Grün­de, Ant­wer­pen zu lie­ben – Trig­ger­fin­ger sind ei­ner da­von

L'Officiel Hommes Germany - - Inhalt - Text THO­MAS CLAU­SEN

Die Blues­ro­cker von Trig­ger­fin­ger aus Ant­wer­pen Von Tho­mas Clau­sen

Ein ka­put­ter Plat­ten­spie­ler und ein paar zer­kratz­te Schei­ben, die sich nicht ab­spie­len lie­ßen: So be­schreibt Ru­ben Block sei­ne ers­ten Er­fah­run­gen mit der Mu­sik. Viel­leicht woll­te der Bel­gi­er mit der mar­kan­ten Ge­sichts­be­haa­rung des­halb als Kind ein­fach Tier­arzt wer­den, zu­min­dest pha­sen­wei­se. Da­nach doch lie­ber Schau­spie­ler. Selbst dann noch, als die el­ter­li­che Hi­fi-an­la­ge ir­gend­wann wie­der funk­tio­nier­te. Die fei­er­li­che Ze­re­mo­nie des Plat­ten­auf­le­gens fas­zi­nier­te ihn da­mals oh­ne­hin viel mehr als das Mu­sik­hö­ren selbst. Sein Fai­b­le für wie auch im­mer ge­ar­te­te Ri­tua­le hat sich der 46-Jäh­ri­ge bis heu­te er­hal­ten; statt frem­de Schei­ben ab­zu­spie­len, nimmt er mit sei­ner Band Trig­ger­fin­ger al­ler­dings ei­ge­ne Al­ben auf. Mit wach­sen­der Po­pu­la­ri­tät.

Das Ant­wer­pe­ner Blues­rock-trio zählt zu den spek­ta­ku­lärs­ten Ex­por­ten Be­ne­lux, na­tür­lich ab­ge­se­hen von fun­keln­den Dia­man­ten und den High-fa­shion-kol­lek­tio­nen ein­schlä­gi­ger De­sign-avant­gar­dis­ten. Ver­gleich­bar ei­gen, ele­gant und fun­kelnd kom­men auch Trig­ger­fin­ger da­her. Für Sän­ger/gi­tar­rist Ru­ben Block, Bas­sist Paul Van Bruy­s­te­gem (der we­gen sei­ner Kör­per­ma­ße meist nur ehr­fürch­tig mit „Mon­sieur Paul“an­ge­spro­chen wird) und Schlag­zeu­ger Ma­rio Goos­sens sind Mu­sik und Mo­de kaum zu tren­nen, wie die drei Dan­dys seit ih­rem im Jahr 2010 er­schie­ne­nen Al­bum „ All This Dan­cin’ Around“de­mons­trie­ren. Äu­ßer­lich ei­ne stil­si­che­re Mi­schung aus „Oce­an’s Ele­ven“, „Twin Peaks“und frü­hen Ta­ran­ti­no-strei­fen. Im Her­zen da­ge­gen dem un­be­re­chen­ba­ren Spi­rit des Rock ’n’ Roll ver­haf­tet, ent­fes­seln Trig­ger­fin­ger mit ih­rem Kopf­ki­no-blues ei­ne akus­ti­sche Ur­ge­walt – auf Plat­ten und Büh­nen­bret­tern. Ein Sound-kon­trast aus Me­lo­die und Ag­gres­si­on, Hard­rock-dreck und Sa­tur­day-night- Glam, zu­cken­dem Pop- Groo­ve und se­xy Funk. Die bel­gi­sche Band-de­fi­ni­ti­on von Cool­ness und Style, die Trig­ger­fin­ger ger­ne mit gol­de­nen An­zü­gen so­wie farb­lich an­ge­pass­ten In­stru­men­ten un­ter­strei­chen. Wie der Fin­ger Got­tes am Ab­zug ei­ner edel­stein­be­setz­ten 45er.

„Un­se­re Mu­sik hat un­glaub­lich viel mit den Fil­men von Da­vid Lynch ge­mein­sam“, sagt Ru­ben Block. „Wenn wir uns ge­gen­sei­tig die At­mo­sphä­re ei­nes Songs be­schrei­ben wol­len, zie­hen wir sei­ne Wer­ke oft als Re­ve­renz her­an. Wir lie­ben auch die Sound­tracks al­ter Wes­tern wie ,High Noon‘ oder ,Spiel mir das Lied vom Tod‘. Und dass gu­te Mu­sik schon im­mer ein gu­ter Grund war, ei­nen gu­ten An­zug zu tra­gen, das hat uns schon El­vis ge­lehrt.“So­wie in ge­wis­ser Wei­se auch die schwe­di­sche Pop- und Fa­shion-iko­ne Lykke Li, de­ren Me­ga­hit „I Fol­low Ri­vers“Trig­ger­fin­ger sein­er­zeit in ei­ner hol­län­di­schen Ra­dio­show als Akus­tik­ver­si­on nach­spiel­ten. Bin­nen we­ni­ger als 24 St­un­den war es vor­bei mit dem Ge­heim­tipp-sta­tus. Es folg­ten: aus­ver­kauf­te Tour­ne­en rund um die Welt und Show­down im Lon­do­ner Hy­de Park, wo sich Trig­ger­fin­ger die Büh­ne mit den Rol­ling Sto­nes teil­ten. Al­les im An­zug. Fa­shion als Aus­drucks­art.

„Ei­ne Band wie un­se­re ver­öf­fent­licht viel­leicht al­le zwei Jah­re ein neu­es Al­bum“, so Block wei­ter. „Ein Mo­de­de­si­gner da­ge­gen bringt zwei Kol­lek­tio­nen pro Jahr und oft­mals noch Ne­ben­li­ni­en auf den Markt. Ich ha­be vie­le Cou­turi­ers in mei­nem Be­kann­ten­kreis und fin­de es span­nend, wo­durch sie sich im­mer wie­der in­spi­rie­ren las­sen. Vor ei­ni­ger Zeit war ich bei ei­ner Aus­stel­lung von Dries Van No­ten, in der er uns bei ei­nem Rund­gang tie­fe Ein­bli­cke in die Kol­lek­tio­nen der letz­ten Jah­re gab. Für mich als Mu­si­ker war es wirk­lich fas­zi­nie­rend zu se­hen, dass selbst Ma­ler wie Mark Roth­ko oder Rem­brandt zu sei­nen Ein­flüs­sen zäh­len.“

Ein Frei­geist, der sich auch auf Trig­ger­fin­gers neuem Al­bum mit dem wuch­ti­gen Ti­tel „Co­los­sus“wie­der­fin­det: Fi­li­gra­ne Im­pro­vi­sa­tio­nen wech­seln sich mit rum­pe­li­gen Ele­men­ten ab, die al­le­samt tief von der Son­ne San­ta Mo­ni­cas ge­bräunt wur­den, un­ter der der Blues-mo­no­lith im Som­mer letz­ten Jah­res ent­stand. Mit­ten im Us-wahl­kampf, der Block und Co. schon beim Früh­stücks­fern­se­hen die Lau­ne ver­ha­gel­te. Text­lich sind Trig­ger­fin­ger al­ler­dings un­par­tei­isch ge­blie­ben, sie er­zäh­len in Songs wie „Bring Me Back A Li­ve Wild One“oder „Can­dy Kil­ler“lie­ber von dunk­len Ab­grün­den, ver­häng­nis­vol­len Lei­den­schaf­ten und der Lie­be in all ih­ren nicht-ju­gend­frei­en Er­schei­nungs­for­men.

Rock bleibt Rock, wie das Trio auch im Vi­deo­clip zur ers­ten Sing­le „Fle­sh Tight“zeigt, der in Äs­t­he­tik und Aus­druck an Har­mo­ny Ko­ri­nes Dro­gen­thril­ler „Spring Brea­kers“er­in­nert: groß­ka­li­bri­ge Ka­no­nen in den Hän­den spär­lich be­klei­de­ter Mo­dels. Zwar ist es nicht Blocks al­ler­wil­des­te Fan­ta­sie, durch die Hand ei­ner schö­nen Frau zu ster­ben. Aber zu­min­dest ei­ne von vie­len, wie er be­stä­tigt. Haupt­sa­che, gut an­ge­zo­gen da­bei. Doch wann ist man(n) ad­äquat ge­dresst, Mon­sieur Block? Er lä­chelt: „Man­che Men­schen se­hen in den ab­sur­des­ten Fum­meln groß­ar­tig aus, wäh­rend man sich bei mir im glei­chen Teil wohl fra­gen wür­de, ob ich jetzt kom­plett ver­rückt ge­wor­den bin. Ge­nau wie Mu­sik ist auch Mo­de ein Aben­teu­er, das Spaß ma­chen soll.“

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