Editorial

L'Officiel Hommes Germany - - Inhalt -

Ge­nau vor 40 Jah­ren wur­de ich er­wach­sen. Un­frei­wil­lig. Nicht se­xu­ell, son­dern in­tel­lek­tu­ell. Was et­was trü­be for­mu­liert als Deut­scher Herbst in die Welt­ge­schich­te ein­ging, be­traf mich als 13-Jäh­ri­ger Gym­nas­ti­ast in ei­ner süd­deut­schen Uni­ver­si­täts­stadt ganz un­mit­tel­bar. Die Ro­te Ar­mee Frak­ti­on, kurz RAF, sorg­te di­rekt und in­di­rekt für ei­ne täg­lich wech­seln­de Ge­sprächs-agen­da. Baa­der-mein­hoff-ens­s­lin-ras­peStamm­heim-lands­hut-bu­bak-pon­to-schley­er. Ta­ges­zei­tun­gen wa­ren früh­mor­gens aus­ver­kauft, Stern wie Spie­gel sorg­ten noch für Nach­rich­ten. Die Ta­ges­schau wur­de zum Stra­ßem­fe­ger. Man wur­de po­li­tisch. In je­der Po­re. Sieht man heu­te die Bil­der der mit Ni­ko­tinsmog ge­trüb­ten Fern­seh­stu­di­os, ket­ten­rau­chen­de Po­li­ti­ker, die noch Sät­ze spra­chen, die heu­te klin­gen, als wür­de man aus Po­lit­thril­lern zi­tie­ren, kommt kei­ne Nost­al­gie auf, son­dern es ist so weit weg, wie es vier­zig Jah­re nur sein kön­nen. Und mit dem voy­eu­ris­ti­schen Stil-blick fällt auf, Män­ner­mo­de war so sim­pel: Wer dick war, trug Wes­te un­term Ja­ckett und Ho­sen­trä­ger, wer dünn war, ließ es blei­ben. Aber zu­rück zum Er­wach­sen­wer­den ei­nes Ba­by­boo­mers. Er­wach­se­ne – ob El­tern oder Leh­rer –, spra­chen mit Kin­den, als wä­ren sie er­wach­sen. Denn für die Stim­mung in die­sem Deut­schen Herbst gab es kei­ne Ju­gend­spra­che. Al­les war schwer, end­gül­tig, ein­deu­tig. Das prägt. In die ei­ne, wie die an­de­re Rich­tung. Mich da­zu, dass ich spä­ter erst Bil­de­ne Kunst stu­dier­te, dann Zeit­schrif­ten mach­te. Mit dem An­spruch, sie so gut zu ma­chen, dass Un­ter­hal­tung mit Hal­tung das Er­geb­nis ist – aber nicht mehr. Denn im Her­zen bin ich so po­li­tisch und po­li­ti­siert, dass es kei­nen Sinn macht, dies in mei­nen Be­ruf ein­flie­ßen zu las­sen. Zu al­lem ei­ne de­zi­dier­te Mei­nung zu ha­ben, kann auch sehr an­stren­gend sein. Und so ha­be ich mich dem küns­ter­li­schen Hand­werk ver­schrie­ben, Zeit­schrif­ten zu ma­chen, die man auf­he­ben will. Ma­ga­zi­ne, an die man sich er­in­nern soll. Mit Bil­dern, die blei­ben, Wor­ten, die wir­ken.

Das Leit­mo­tiv der Herbst von L’officiel Hom­mes setzt auf Kon­tras­te: Ying und Yang, Schwarz und Weiß, Hoch und Tief, Tag und Nacht, Jung und Alt, Gut und Bö­se, Berg und Tal, Le­ben und Tod, Laut und lei­se, Him­mel und Er­de, Kunst und Ka­pi­tal, Di­gi­tal und Ana­log, Sein und Schein, Schön und … zum Glück noch viel schö­ner. Ge­nie­ßen Sie den Herbst 2017, auch wenn es ein Deut­scher wird!

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