Weg­wei­sen­des Ur­teil für den Uf­er­weg

Land­ge­richt Neu­rup­pin weist Kla­gen ge­gen Ent­eig­nun­gen in Groß Gli­e­ni­cke zu­rück

Märkische Allgemeine - - ERSTE SEITE -

Neu­rup­pin/Pots­dam. Ei­gen­tü­mer ei­nes Ufer­grund­stücks am Groß Gli­e­ni­cker See in Pots­dam müs­sen dul­den, dass dort ein öf­fent­li­cher Uf­er­weg ge­baut wird. Das ent­schied das Land­ge­richt Neu­rup­pin ges­tern, wie ei­ne Spre­che­rin be­stä­tig­te. Das Ge­richt wies den An­trag der Grund­stücks­ei­gen­tü­mer ge­gen ei­nen Be­schluss des Lan­des Bran­den­burg aus dem Jahr 2017 zu­rück. Die­ser sieht ein We­ge­recht über das Grund­stück für die Stadt Pots­dam vor. Die Stadt will ei­nen Weg am See bau­en, der für Spa­zier­gän­ger ge­dacht ist. Das Ur­teil ist noch nicht rechts­kräf­tig, ei­ne Be­ru­fung hoch wahr­schein­lich. Den­noch dürf­te es im ju­ris­ti­schen Tau­zie­hen ums See­ufer ein wich­ti­ger Schritt sein.

Groß Gli­e­ni­cke. Ei­ne frei­er, durch­gän­gi­ger Uf­er­weg am Groß Gli­e­ni­cker See rückt lang­sam und nach lan­gem Kampf in greif­ba­re Nä­he. Das Land­ge­richt Neu­rup­pin hat ges­tern die Kla­ge von fünf Grund­stücks­ei­gen­tü­mern zu­rück­ge­wie­sen. Sie hat­ten sich ge­gen die Ent­eig­nung ei­nes drei Me­ter brei­ten Strei­fens auf ih­rem Ge­län­de für den Uf­er­weg ge­wehrt.

„Die Ei­gen­tü­mer müs­sen jetzt der Stadt Pots­dam das We­ge­recht für den Uf­er­weg ein­räu­men“, sag­te

Die Ei­gen­tü­mer müs­sen jetzt der Stadt Pots­dam das We­ge­recht für den Uf­er­weg ein­räu­men.

Iris le Clai­re, Land­ge­richts­spre­che­rin

Land­ge­richts­spre­che­rin Iris le Clai­re dem RBB, der zu­erst dar­über be­rich­te­te. Da­mit sei auch die teil­wei­se Ent­eig­nung durch das Land Bran­den­burg als Ent­eig­nungs­be­hör­de und der zu­stän­di­gen Stadt Pots­dam rech­tens. Denn für den Weg ge­be es seit Jah­ren ei­nen rechts­gül­ti­gen Be­bau­ungs­plan, er­klär­ten die Rich­ter.

Auch sah die Kam­mer kei­ne un­ver­hält­nis­mä­ßi­ge Be­las­tung für die Ei­gen­tü­mer, da sich ih­re Grund­stü­cke be­reits jetzt zum Teil in ei­ner öf- fent­li­chen Grün­flä­che be­fin­den. Es han­delt sich auch nicht um ei­ne Ent­zie­hung des Teil­grund­stü­ckes – son­dern nur um ei­ne Ein­schrän­kung der Nut­zung, da die Mit­be­nut­zung durch Drit­te ge­dul­det werden müs­se. Er­laubt sei zu­dem nur ei­ne Nut­zung durch Fuß­gän­ger und Roll­stuhl­fah­rer, in Not­fäl­len auch Kran­ken­fahr­zeu­ge, nicht aber für Rad­fah­rer. Au­ßer­dem kön­ne es als Vor­teil für die Grund­stücks­ei­gen­tü­mer an­ge­se­hen werden, so le Clai­re, dass auch sie da­mit die Mög­lich­keit ha­ben, den über die Grund­stü­cke ih­rer Nach­barn ver­lau­fen­den Uf­er­weg zu nut­zen.

Kei­ne Ent­schei­dung gab es ges­tern zur Hö­he der Ent­schä­di­gung, da es wi­der­sprüch­li­che An­ga­ben zu den Wer­ten der Grund­stü­cke gibt. Das Ur­teil ist zu­dem noch nicht rechts­kräf­tig – ei­ne Be­ru­fung ist mög­lich. Es könn­te je­doch als Mus­ter für 19wei­te­re Grund­stücks­ei­gen­tü­mer die­nen, die mög­li­cher­wei­se eben­falls von ei­ner Ent­eig­nung be­trof­fen sein werden. Rechts­an­walt Chris­toph Partsch, der im Pro­zess die Ei­gen­tü­mer – ei­ne Er­ben­ge­mein­schaft – ver­tre­ten hat, will aber die Be­ru­fung prü­fen. Partsch, der auch vie­le An­rai­ner am Grieb­nitz­see ver­tritt, die dort eben­falls den Uf­er­weg sper­ren, hat­te be­reits mehr­fach ge­gen­über der MAZ be­tont, sich durch al­le mög­li­chen In­stan­zen zu kla­gen – wenn ju­ris­tisch mög­lich.

Seit mehr als neun Jah­ren sper­ren An­woh­ner Tei­le des We­ges am Groß Gli­e­ni­cker See, ob­wohl der Be­bau­ungs­plan ei­nen durch­gän­gi­gen Uf­er­weg vor­sieht. Mit ei­ni­gen Grund­stücks­ei­gen­tü­mern konn­te sich die Stadt ei­ni­gen, 17 wei­te­re woll­ten den Weg da­ge­gen nicht frei­ge­ben. Im Som­mer 2017 hat­te die Stadt Pots­dam dar­auf­hin die Ent­eig­nungs­be­hör­de an­ge­ru­fen.

Der Uf­er­weg am Groß Gli­e­ni­cker See dien­te zu DDR-Zei­ten als Kon­troll­weg der Grenz­trup­pen. Die Gren­ze lief mit­ten durch den See. Nach dem Fall der Mau­er war der Weg zu­nächst frei zu­gäng­lich.

FO­TO: BERND GARTENSCHLÄGER

Mit Zäu­nen, Schil­dern und Be­pflan­zun­gen sper­ren ei­ni­ge An­rai­ner des See­ufers den Uf­er­weg am Groß Gli­e­ni­cker See.

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