Mehr­weg oder Ein­weg? Was ist bes­ser?

Ge­trän­ke­ver­pa­ckun­gen, die mehr­fach ver­wen­det werden kön­nen, sind seit Jah­ren auf dem Rück­zug. Die In­dus­trie schwört auf Re­cy­cling

Märkische Allgemeine - - WIRTSCHAFT - Von Te­resO DOpp

Pots­dam. Ab dem kom­men­den Jahr werden Kun­den im Su­per­markt neue Schil­der an den Re­ga­len fin­den. „Ein­weg“und „Mehr­weg“muss da künf­tig ver­pflich­tend bei den Ge­trän­ken ste­hen. Oft sind die­se Hin­wei­se auch di­rekt auf das Eti­kett der Was­ser-, Bier- oder Li­mof­la­schen ge­druckt, das bleibt aber ei­ne frei­wil­li­ge Ein­kaufs­hil­fe. Wer zu „Mehr­weg“greift und da­mit zu wie­der­be­füll­ba­ren Fla­schen, der tut, was das Um­welt­bun­des­amt und Um­welt­ver­bän­de emp­feh­len. Aber ist das über­haupt noch rich­tig?

Lie­ber öf­ter nut­zen als nur ein­mal?

▶ Zwei­fel mel­det der Bund Ge­trän­ke­ver­pa­ckun­gen der Zu­kunft an, hin­ter dem un­ter an­de­rem die Dis­coun­ter weg­fla­schen – am bes­ten aus der Re­gi­on“, heißt es beim Um­welt­bun­des­amt. Und: „Ver­zich­ten Sie auf Ein­weg­fla­schen und Do­sen.“Bis­her sieht die Ver­pa­ckungs­ver­ord­nung et­wa ei­ne Mehr­weg­quo­te von 80 Pro­zent vor, al­ler­dings oh­ne Sank­tio­nen. 2019 tritt ein neu­es Ver­pa­ckungs­ge­setz in Kraft, das ei­ne Mehr­weg­quo­te von 70 Pro­zent fest­schreibt.

Ein­weg, Mehr­weg - wie sieht es in Deutsch­land aus?

▶ Der Mehr­weg-An­teil sinkt laut Um­welt­bun­des­amt seit Jah­ren und hat 2016 ei­nen neu­en Tief­stand von 42,8 Pro­zent er­reicht. Der An­teil so­ge­nann­ter öko­lo­gisch vor­teil­haf­ter Ein­weg-Ge­trän­ke­ver­pa­ckun­gen – al­so von Kar­tons und be­stimm­ten Beu­teln lag bei 1,4 Pro­zent. Mehr­we­gGlas­fla­schen hat­ten ei­nen Markt­an­teil von 29,2 Pro­zent, wäh­rend Ein­weg-Plas­tik­fla­schen mit 52,2 Pro­zent vorn la­gen. Do­sen hat­ten ei­nen An­teil von 3,2 Pro­zent.

Ver­grö­ßern Ein­weg­fla­schen das Müll­pro­blem?

▶ We­gen der Pfand­pflicht lan­den Fla­schen und Do­sen ver­gleichs­wei­se sel­ten im Ab­fall oder in der Na­tur, son­dern werden meis­tens zum Re­cy­cling zu­rück­ge­bracht. Laut Bund Ge­trän­ke­ver­pa­ckun­gen der Zu­kunft werden 99 Pro­zent der Do­sen und 97,9 Pro­zent der PET-Fla­schen re­cy­celt.

War­um emp­feh­len Um­welt­schüt­zer Mehr­weg?

▶ Das UBA führt die Ab­fall­hier­ar­chie ins Feld, ei­nen Grund­satz für Ge­set­ze. Dem­nach ist es am bes­ten, wenn Ab­fall gar nicht erst an­fällt. Da­hin­ter steht die mehr­fa­che Ver­wen­dung, Re­cy­cling folgt auf Platz drei. Ab­fäl­le zu ver­mei­den, ist obers­te Prio­ri­tät in der deut­schen Ab­fall­ge­setz­ge­bung. Da­für ist Mehr­weg meist die bes­te Op­ti­on.

Was ge­nau wol­len die Ein­weg-Ver­tei­di­ger?

▶ Sie wol­len, dass die Öko­bi­lan­zen der Ge­trän­ke­ver­pa­ckun­gen auf Ba­sis jüngs­ter Da­ten neu ver­gli­chen werden – von ei­ner neu­tra­len Stel­le, am bes­ten im Auf­trag der Po­li­tik.

War­um gibt es so ei­ne neue Stu­die nicht?

▶ „Dass wir uns dem ver­schlie­ßen, ist Quatsch“, sagt To­bi­as Bie­len­stein vom Ar­beits­kreis Mehr­weg. Es ha­be sich wirk­lich et­was ge­tan im Ein­weg­be­reich, aber bei den Mehr­weg­fla­schen auch. Da­her ha­be sich an der Sub­stanz nichts ge­än­dert. Wenn ei­ne neu­tra­le Stel­le ei­ne Bi­lanz er­stel­le, sei man da­für of­fen.

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