„An der Luft wird es nichts än­dern“

MAZ-Le­ser kri­ti­sie­ren das Die­sel-Fahr­ver­bot ab Som­mer 2019 auf elf Stra­ßen­ab­schnit­ten in Ber­lin

Märkische Allgemeine - - LESERFORUM - Si­mo­ne Götsch, MAZ-Face­book Lu­kas Kai­ser, MAZ-Face­book Ron von Hier, MAZ-Face­book Bo­do Witt­ner, Klein­mach­now Jens-Uwe Da­nies, MAZ-Face­book Hen­ryk Goetz, MAZ-Face­book Pe­ter Zies­ecke, Ky­ritz Kat­ja Sü­ßen­bach, MAZ-Face­book Ste­ven Strahl, MAZ-Face­book Ni­co Dan

Nach Ham­burg und Frank­furt am Main nun auch in Ber­lin: Dort wird es in der In­nen­stadt auf elf stark be­las­te­ten Stra­ßen­ab­schnit­ten ab Som­mer 2019 Fahr­ver­bo­te für äl­te­re Die­sel­au­tos bis zur Ab­gas­norm Eu­ro 5 so­wie Last­wa­gen ge­ben. Dies hat das Ber­li­ner Ver­wal­tungs­ge­richt am ver­gan­ge­nen Di­ens­tag ent­schie­den. Ge­klagt hat­te die Deut­sche Um­welt­hil­fe. Be­trof­fen sind die Fried­rich­stra­ße, Leip­zi­ger Stra­ße, Alt-Moabit, Rein­hardt­stra­ße, Strom­stra­ße, Leo­no­ren­stra­ße, Brü­cken­stra­ße so­wie der Kap­weg. Bran­den­burgs Mi­nis­ter­prä­si­dent Diet­mar Wo­id­ke for­dert Aus­nah­men für Fir­men. Wir be­rich­te­ten über die­ses The­ma am 10. Ok­to­ber auf Sei­te 1 und Blick­punkt. Es be­schäf­tigt auch un­se­re Le­ser, in Mails so­wie auf der MAZFace­book­sei­te. Hier ei­ne Aus­wahl der Mei­nun­gen:

Kras­se Ent­schei­dung. Man kann sich nur an den Kopf fas­sen. Wem soll das hel­fen? Hilft der so­wie­so im Dreck ver­sin­ken­den Stadt auch nicht! Michae­la Rausch, MAZ-Face­book

Auf be­stimm­ten Stre­cken – yay. Dann fährt man sie­ben Ki­lo­me­ter Um­weg, um drei Ki­lo­me­ter Die­sel­ver­bot zu um­ge­hen. Blei­ben die bö­sen Ab­ga­se dann auf den Um­fah­rungs­stra­ßen oder dür­fen die dann mit dem Wind auch wo­an­ders hin? Bei der Lek­tü­re der Die­sel­ver­bots­zo­nen in Ber­lin ha­be ich mich ver­wun­dert an den Kopf ge­fasst. Die meis­ten die­ser teils nur ein paar hun­dert Me­ter lan­gen Stra­ßen­Stück­chen bin ich schon oft ge­fah­ren. Wenn man nun be­denkt, dass vie­le die­ser Stra­ßen in der Haupt­wind­rich­tung lie­gen, wird es merk­wür­dig. Da­mit ich nicht miss­ver­stan­den wer­de: Im Be­rufs­ver­kehr in Ber­lin wünscht man sich auch in vie­len an­de­ren Stra­ßen ein Sau­er­stoff­ge­rät. Wo­bei Ber­lin den Vor­teil hat, vie­le Parks und Stadt­wäl­der zu ha­ben, die ei­ne Be­lüf­tung der Stadt er­mög­li­chen. Stutt­gart hin­ge­gen – hier wur­de auch ein Die­sel­fahr­ver­bot aus­ge­spro­chen – liegt in ei­nem Tal­kes­sel. Die Aus­wahl der Stra­ßen­ab­schnit­te für das Ver­bot in Ber­lin er­in­nert mich an Pots­dam. Dort wird mit Trick­se­rei­en wie Pfört­ner­am­peln, Spur­re­du­zie­run­gen und Ver­kehrs­ver­la­ge­run­gen al­les so hin­ge­schum­melt, dass man Fahr­ver­bo­te ver­mei­den kann. An die Men­schen, die den Dreck ein­at­men, denkt kei­ner.

Mit­glie­der in ei­nem Ver­ein, mit­fi­nan­ziert vom Staat, sor­gen da­für, dass Hun­dert­tau­sen­de ein Pro­blem ha­ben. Das nächs­te sind die Ben­zi­ner. Die­se Möch­te­gern­weltret­ter wie die selbst er­nann­te Um­welt­hil­fe ge­ben si­cher erst dann Ru­he, wenn die­ses Land kom­plett den Bach run­ter ist. Mit ei­ner ge­hö­ri­gen Wut im Bauch las ich den Ar­ti­kel „Di­cke Luft in Ber­lin“. Jür­gen Resch, Chef der Deut­schen Um­welt­hil­fe, und die Mit­ar­bei­ter in die­sem Ver­ein sind zur­zeit auf dem bes­ten We­ge, die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land in Gei­sel­haft zu neh­men. Da lässt sich doch wirk­lich ei­ne Re­gie­rung, die vie­le Mög­lich­kei­ten hät­te, die­sem macht­be­ses­se­nen grü­nen Ak­ti­vis­ten das Hand­werk zu le­gen, auf der Na­se her­um­tan­zen. Da wird die Au­to­in­dus­trie an­ge­grif­fen, werden Städ­te mit Kla­gen über­häuft. Es scheint so, dass die Ge­rich­te be­trof­fe­ner Städ­te nur dar­auf ge­war­tet ha­ben, ih­ren Bür­gern das Au­to­fah­ren zu ver­bie­ten. Wenn nicht bald mit al­ler Här­te ge­gen die­se Ver­bän­de vor­ge­gan­gen wird, ist die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land in we­ni­gen Jah­ren ei­ne In­dus­trie­bra­che. Das Ar­gu­ment, dass die Au­to­in­dus­trie nach­rüs­ten müs­se, ist nur die hal­be Wahr­heit. Bei Mil­lio­nen von Fahr­zeu­gen ist das nicht mehr mög­lich, sie blei­ben aber für den Ar­bei­ter und An­ge­stell­ten, Pend­ler und Hand­wer­ker un­ver­zicht­bar. Die Po­li­tik ist hier ge­for­dert, die Gei­sel­nah­me durch ein klei­nes Häuf­lein von so­ge­nann­ten Um­welt­schüt­zern zu ver­hin­dern, oh­ne in das Steu­er­sä­ckel grei­fen zu müs­sen. Viel­leicht fah­ren die Ber­li­ner Au­to­fah­rer jetzt nicht mehr je­den Me­ter mit dem Au­to oder 500 Me­ter zum Bä­cker. Wä­ren die Leu­te heut­zu­ta­ge nicht so faul und be­quem, müss­te man nicht zu sol­chen dras­ti­schen Mit­teln grei­fen. Die­se Ver­bo­te sind so was von däm­lich. Wir ha­ben ja kei­ne an­de­ren Pro­ble­me, so wie ’ne Feu­er­wehr, die kom­plett aus­ge­brannt ist oder die Pfle­ge, die den Bach run­ter­geht ... Es wird an der Durch­set­zung und den Kon­trol­len schei­tern. Die Ber­li­ner Po­li­zei und das Ord­nungs­amt sind doch per­so­nell kom­plett am Li­mit. Ich glau­be nicht, dass mir ein Strei­fen­wa­gen hin­ter­her­fährt, um mei­ne Pa­pie­re und Pla­ket­te zu kon­trol­lie­ren. An der Luft wird es nichts än­dern ...

Ein Spiel­zeug-Her­stel­ler muss auch be­stimm­te An­for­de­run­gen ein­hal­ten, um sein Pro­dukt in Deutsch­land ver­kau­fen zu dür­fen. Dies gilt wohl nicht für un­se­re Au­to­her­stel­ler. ...Wie man es auch dreht, von wel­cher Sei­te man es auch be­trach­tet – zur Schlacht­bank werden hier die Ge­schä­dig­ten ge­tra­gen, nicht die Ver­ur­sa­cher ...War­um wird der Ge­schä­dig­te be­straft? Die­ses Land wird im­mer ko­mi­scher … Es ist et­was nerv­tö­tend, stän­dig über Kli­ma­schutz und Die­selskan­dal in den Me­di­en zu le­sen oder zu hö­ren. Ich den­ke, es gilt bei uns das Ver­ur­sa­cher­prin­zip und da­mit ist al­les ge­sagt. Gibt die Re­gie­rung klein bei, dann sind es un­se­re Steu­er­gel­der, die für die Be­trü­ger (Au­to­in­dus­trie) aus­ge­ge­ben werden. Fahr­ver­bo­te tref­fen nur die Klei­nen und Hand­werks­be­trie­be, die dann nicht wis­sen, wie sie ih­re Auf­ga­ben er­fül­len sol­len und die zu­sätz­li­chen Kos­ten auf die Kun­den ver­tei­len – wie­der ist es der klei­ne Mann, der al­les be­zah­len muss. Dass für den Kli­ma­schutz um­ge­hend et­was ge­tan werden muss, ist un­be­strit­ten. Für die zur­zeit hoch­ge­lob­ten Elek­tro­au­tos ist aber noch kei­ne In­fra­struk­tur vor­han­den, die not­wen­di­gen Ak­ku­mu­la­to­ren sind nicht in aus­rei­chen­dem Ma­ße vor­han­den, von den La­de­ka­pa­zi­tä­ten ganz zu schwei­gen. Joa­chim Voit, Ra­the­now

FO­TO: DPA

Dich­ter Stadt­ver­kehr auf dem Kai­ser­damm in Ber­lin-Char­lot­ten­burg.

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