Und los geht’s

Das Win­ter­se­mes­ter be­ginnt: Bran­den­burgs Hoch­schu­len bie­ten 450 Stu­di­en­gän­ge an – di­gi­ta­le Fach­rich­tun­gen boo­men und jun­ge Me­di­zi­ner kön­nen auf staat­li­che Hil­fe hof­fen

Märkische Allgemeine - - LAND & LEUTE - Von Jan Russez­ki

Pots­dam. An den Hoch­schu­len Bran­den­burgs be­ginnt die­ser Ta­ge das Win­ter­se­mes­ter – 45600 Stu­den­ten sind ein­ge­schrie­ben. Rund 8000 Erst­se­mes­ter star­te­ten vor ei­nem Jahr, ak­tu­ell dürf­te es ei­ne ähn­li­che An­zahl sein. Ganz ge­nau ken­nen die Hoch­schu­len ih­re Stu­den­ten erst, wenn al­le tat­säch­lich im Vor­le­sungs­saal sit­zen. Wer in der Mark stu­die­ren will, hat die Wahl zwi­schen 450 Stu­di­en­gän­gen. Die MAZ hat ei­ni­ge Trends und Fakten zu­sam­men­ge­stellt.

■ Haupt­stadt: Pots­dam ist auch stu­den­ti­sche Lan­des­haupt­stadt. Mehr als die Hälf­te al­ler Stu­den­ten ist in Pots­dam ein­ge­schrie­ben, der Groß­teil an der Uni­ver­si­tät Pots­dam, die mit 20 260 Stu­die­ren­den weit vor der Bran­den­bur­gi­schen Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Cott­bus-Senf­ten­berg (BTU) mit ih­ren 7500 Stu­den­ten und der Vi­a­d­ri­na Frank­furt (Oder) mit 6700 liegt.

Mit 155 Fä­chern ist die Uni­ver­si­tät Pots­dam am brei­tes­ten auf­ge­stellt. Nur we­ni­ge gän­gi­ge Dis­zi­pli­nen feh­len: zum Bei­spiel In­ge­nieurs­we­sen und Me­di­zin. Mit 7,7 Be­wer­bun­gen pro Stu­di­en­platz hat die Be­wer­ber­zahl ein All­zeit­hoch er­reicht, teilt die Uni­ver­si­tät mit. Sie rech­net mit knapp 300 Stu­den­ten mehr als im Herbst 2017.

Doch die Stadt hat ein Woh­nungs­pro­blem – ob­wohl et­wa die Mehr­heit der Stu­den­ten in Ber­lin wohnt und pen­delt. Die Mie­ten in Pots­dam sind für vie­le zu hoch, die Wohn­heim­plät­ze so be­gehrt, dass Be­wer­ber für die Ver­ga­be im Bahn­hof­strep­pen­haus schla­fen. „Ei­nen Platz in ei­ner un­se­rer stu­den­ti­schen Wohn­an­la­gen zum durch­schnitt­li­chen Preis von 237 Eu­ro kön­nen wir nur et­wa neun Pro­zent der Stu­die­ren­den of­fe­rie­ren“, sagt Jo­se­phi­ne Ku­jau vom Stu­den­ten­werk Pots­dam.

■ Welche Fä­cher sind be­son­ders ge­fragt? Laut Wis­sen­schafts­mi­nis­te­ri­um sind die größ­ten Stu­di­en­gän­ge nicht die so ge­nann­ten „MINT“-Fä­cher – Ma­the­ma­tik, In­for­ma­tik, Na­tur­wis­sen­schaf­ten und Tech­nik –, son­dern Rechts- und Kul­tur­wis­sen­schaf­ten. 3500 an­ge­hen­de Ju­ris­ten wäl­zen in Pots­dam und Frank­furt die Ge­setz­bü­cher. Be­liebt ist auch der Ba­che­lor So­zia­le Ar­beit an der Fach­hoch­schu­le Pots­dam. 2000 Be­wer­bun­gen sind für das Win­ter­se­mes­ter 2018/19 ein­ge­gan­gen. Dort kann nur je­der Zwan­zigs- Su­san­na Ka­ra­wans­kij Brrn­wen­bur­ger So­zirl­mi­nis­te­rin te ge­nom­men werden, Fach­hoch­schu­le mit. teilt die

■ Di­gi­tal: Neue Stu­di­en­gän­ge flan­kie­ren die Di­gi­ta­li­sie­rung al­ler Le­bens­be­rei­che. Mit Da­ta En­gi­nee­ring will die Uni Pots­dam die Ver­ar­bei­tung rie­si­ger Da­ten­men­gen („Big Da­ta“) leh­ren und er­for­schen – das pri­va­te Has­so-Platt­ner-In­sti­tut ist Part­ner. Der me­di­zi­ni­sche Nut­zen der Di­gi­ta­li­sie­rung soll im Stu­di­en­gang Di­gi­tal He­alth ver­tieft werden. Mit Se­cu­ri­ty Ma­nage­ment bie­tet die Tech­ni­sche Hoch­schu­le Bran­den­burg/Ha­vel ei­ne ge­frag­te Ex­per­ti­se auf dem Ge­biet der Ab­wehr von Ha­cker­an­grif­fen und an­de­rer Da­ten­ver­lus­te an.

„Cy­ber Se­cu­ri­ty“, al­so In­ter­net­si­cher­heit, heißt der neue Stu­di­en­gang an der BTU Cott­bus-Senf­ten­berg. Spre­che­rin Su­sett Tan­ne­ber­ger von der BTU zieht ein po­si­ti­ves Fa­zit: „Der neue Stu­di­en­gang wur­de na­tio­nal wie in­ter­na­tio­nal sehr gut an­ge­nom­men. Für die 25 Stu­di­en­plät­ze ha­ben wir mehr als 300 Be­wer­bun­gen“. Ab­sol­ven­ten kön­nen spä­ter bei welt­wei­ten Un­ter­neh­men, bei Nach­rich­ten­diens­ten oder an­de­ren Be­hör­den von Land und Bund ar­bei­ten. Denn in der di­gi­ta­li­sier­ten Welt ist vom Fern­se­her bis zur Am­pel fast je­des Ge­rät mit dem In­ter­net ver­bun­den und da­mit an­greif­bar.

Klei­ner Dämp­fer: Al­le neu­en Da­ten-Fä­cher sind Mas­ter-Pro­gram­me. Be­vor man al­so die di­gi­ta­le Welt ret­ten kann, muss man die Grund­la­gen der In­for­ma­tik büf­feln. Und zwar bei den Bes­ten: Die Tech­ni­sche Hoch­schu­le Bran­den­burg et­wa lan­det für ih­re Be­treu­ung und Pra­xis­nä­he im ein­fluss­rei­chen Hoch­schul­ran­king des Cen­trums für Hoch­schul­ent­wick­lung (CHE) un­ter den deut­schen Top 4.

■ Um­welt: Die Hoch­schu­le für nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung in Eberswalde (Bar­nim) hat eben­falls ei­nen neu­en Mas­ter­stu­di­en­gang: „Fo­re­stry Sys­tem Trans­for­ma­ti­on“. Er be­schäf­tigt sich mit un­ge­wöhn­li­chen For­men der Wald­nut­zung. „Meh­re­re Stu­di­en zei­gen, dass der Wald ei­ne ge­sund­heits­för­dern­de Wir­kung hat, Wald­ba­den ist in al­ler Mun­de. Das schau­en wir uns ge­nau­er an“, sagt Stu­di­en­gangs­lei­ter Cars­ten Mann.

■ Me­di­zin oh­ne Ein­se­ra­b­itur: Wes­sen Abi­tur­no­te fürs Me­di­zin­stu­di­um an den gro­ßen Unis nicht aus­reicht, muss nor­ma­ler­wei­se vie­le War­te­se­mes­ter in Kauf neh­men. Das könn­te sich zu­min­dest in Bran­den­burg än­dern: Die Me­di­zi­ni­sche Hoch­schu­le Bran­den­burg Theo­dor Fon­ta­ne (MHB) – hin­ter ihr ste­hen die Kli­ni­ken in Bran­den­burg/Ha­vel und Neu­rup­pin (Ost­p­ri­gnitz-Rup­pin) – will neue Land­ärz­te und Psy­cho­lo­gen für Bran­den­burg aus­bil­den. Und zwar oh­ne Nu­me­rus Clau­sus. Un­ter dem Mot­to „Per­sön­lich­keit statt NC“setzt die staat­lich an­er­kann­te Hoch­schu­le auf Ein­füh­lungs­ver­mö­gen und kon­kre­te Vor­kennt­nis­se. Sechs Mo­na­te Pra­xis­er­fah­rung sind Pflicht für die Be­wer­bung.

125 000 Eu­ro kos­tet ein Stu­di­um an der MHB. Ei­nen Groß­teil über­nimmt aber ei­ne Kli­nik, wenn die Stu­die­ren­den sich be­reit er­klä­ren, dort nach dem Ab­schluss die ers­ten fünf Be­rufs­jah­re zu ab­sol­vie­ren.

Den Rest könn­te ein im Sep­tem­ber von der rot-ro­ten Lan­des­re­gie­rung an­ge­sto­ße­nes Me­di­zin-Sti­pen­di­um ab­de­cken. Auch hier ist die Vor­aus­set­zung, dass der Sti­pen­di­at nach dem Stu­di­um ei­ne ge­wis­se Zeit in Bran­den­burg ar­bei­tet. „Die Lan­des­re­gie­rung tritt da­für ein, dass ein Stu­di­um nicht nur bes­ser­ge­stell­ten jun­gen Leu­ten mög­lich ist, son­dern un­ab­hän­gig vom fi­nan­zi­el­len Hin­ter­grund auf­ge­nom­men werden kann“, sagt So­zi­al­mi­nis­te­rin Su­san­na Ka­ra­wans­kij (Lin­ke).

Hin­ter­grund sind die feh­len­den Land­ärz­te im Land. Bis 2025 müs­sen laut Kas­sen­ärzt­li­cher Ver­ei­ni­gung Bran­den­burg 762 Ärz­te ge­fun­den werden, weil fast die Hälf­te der Ärz­te in Ru­he­stand geht. Die Job­chan­cen nach dem Ab­schluss ste­hen al­so ziem­lich gut.

Die Lan­des­re­gie­rung tritt da­für ein, dass ein Stu­di­um nicht nur bes­ser­ge­stell­ten jun­gen Leu­ten mög­lich ist.

■ Hoch­spe­zia­li­siert ist nicht nur die Fil­m­u­ni­ver­si­tät in Pots­dam-Ba­bels­berg, de­ren Ab­sol­ven­ten re­gel­mä­ßig Er­fol­ge auf den ro­ten Tep­pi­chen der Ki­no­welt fei­ern. Die Fach­hoch­schu­le der Po­li­zei in Ora­ni­en­burg (Ober­ha­vel) platzt in die­sem Jahr aus al­len Näh­ten. Noch nie seit 1990 hat das Land so vie­le Stu­den­ten aus­ge­bil­det – in die­sem Se­mes­ter ha­ben 409 Po­li­zei-An­wär­ter an­ge­fan­gen.

FO­TO: TO­BI­AS WA­GNER

Be­reit für ei­nen neu­en Le­bens­ab­schnitt: die Erst­se­mes­ter­stu­den­ten der THB.

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