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Märkische Allgemeine - - WISSENSCHAFT -

Nach dem Ab­bruch ei­nes gi­gan­ti­schen Eis­bergs vom Lar­sen-C-Schelf­eis im Ju­li 2017 in der Ant­ark­tis wol­len Wis­sen­schaft­ler die Fol­gen in der Re­gi­on er­for­schen. Mehr als 50 Ex­per­ten aus fünf Län­dern un­ter­su­chen et­wa, wie der Mee­res­bo­den aus­sieht, über dem sich bis zu 120 000 Jah­re lang Schelf­eis be­fand, wie das Bre­mer­ha­ve­ner Al­f­red-We­ge­ner-In­sti­tut mit­teil­te. Das For­schungs­schiff Po­lar­stern wird das Team dort hin­brin­gen, am Sonn­tag star­tet es ab Bre­mer­ha­ven. Der ab­ge­bro­che­ne Ta­fe­leis­berg war mit ei­ner Flä­che von 5800 Qua­drat­ki­lo­me­tern ei­ner der größ­ten Eis­ber­ge, den For­scher je­mals er­fasst ha­ben. Wis­sen­schaft­ler be­fürch­ten, dass durch Ab­brü­che wie die­se lang­fris­tig das ge­sam­te Lar­sen-C-Schelf­eis in der Westant­ark­tis zer­fal­len könn­te. Schelf­ei­se sind auf dem Meer schwim­men­de Eis­plat­ten, die von Glet­schern ge­speist wer­den. Je­der Hand­griff soll sit­zen: An ei­ner le­bens­gro­ßen Si­mu­la­ti­ons­pup­pe kön­nen Stu­den­ten, Ärz­te und Heb­am­men an Ber­lins Uni­ver­si­täts­kli­nik Cha­rité den Ablauf von Ge­bur­ten üben. Die Kli­nik stell­te die teils mit Hil­fe ei­nes Spon­sors fi­nan­zier­te Pup­pe ges­tern vor. Ziel sei es, das Zu­sam­men­spiel der Teams zu trai­nie­ren: für Not­fall­si­tua­tio­nen vor, wäh­rend und nach der Ge­burt eben­so wie für nor­ma­le Ge­bur­ten. Auch Ex­ter­nen wie et­wa No­t­ärz­ten wol­le man Trai­nings mit der Pup­pe an­bie­ten, hieß es. Die Kos­ten lä­gen bei et­wa 35 000 Eu­ro. „Man kann nicht al­les am Pa­ti­en­ten üben“, sag­te der Ärzt­li­che Di­rek­tor der Cha­rité, Ul­rich Frei. Des­halb sol­le an der Kli­nik ein Si­mu­la­ti­ons- und Trai­nings­zen­trum ent­ste­hen. An der Pup­pe kann nun be­reits der Um­gang mit Not­fäl­len wie et­wa Blu­tun­gen nach der Ge­burt ge­übt wer­den. In Trai­nings­sze­na­ri­en, die rea­lis­tisch wir­ken sol­len, schlüp­fen Mit­ar­bei­ter auch in die Rol­le von An­ge­hö­ri­gen und ge­ben der Pup­pe ei­ne Stim­me („Ich hö­re im­mer nur Blut!“). Die­se kann zwar künst­lich blu­ten, aber nicht spre­chen oder schrei­en.

Die Lau­sitz soll zwei neue For­schungs­ein­rich­tun­gen er­hal­ten. Wie be­rich­tet, soll das Fraun­ho­fer-In­sti­tut für Ener­gie­in­fra­struk­tur und Geo­ther­mie mit ei­nem von zwei Stand­or­ten in der Lau­sitz ver­tre­ten sein. Mög­lich sei ei­ne An­bin­dung an die Bran­den­bur­gi­sche Tech­ni­sche Uni­ver­si­tät Cott­busSenf­ten­berg und an die Tech­ni­sche Uni­ver­si­tät Dres­den. Schwer­punk­te könn­ten Groß­kraft­wer­ke so­wie ther­mi­sche und stoff­li­che Net­ze sein,hie­ßes­die­seWo­cheam Ran­de des Haus­halts­aus­schus­ses des Bun­des­ta­ges. Die ab­schlie­ßen­de Ent­schei­dung zum Stand­ort tref­fe der Fraun­ho­fer-Se­nat.

Ei­nen wei­te­ren Im­puls für die struk­tur­schwa­che Lau­sitz soll ein In­sti­tut des Deut­schen Zen­trums für Luft- und Raum­fahrt (DLR) sein. Laut Pla­nung wird es sich an den Stand­or­ten Cott­bus und Zit­tau/Gör­litz mit CO2-ar­men In­dus­trie­pro­zes­sen be­fas­sen. An dem neu­en DLR-In­sti­tut sol­le die an­wen­dungs­ori­en­tier­te Ent­wick­lung von Hoch­tem­pe­ra­tur­wär­me­pum­pen und -ver­dich­tern in­ten­si­viert wer­den, hieß es. Au­ßer­dem will man Mög­lich­kei­ten ei­ner CO2-Re­duk­ti­on in der Grund­stoff­in­dus­trie er­for­schen.

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Der Eis­berg A 68 löst sich vom Lar­sen-C-Schelf­eis.

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Übung mit ei­ner Ge­burts­si­mu­la­ti­ons­pup­pe.

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