Ex­per­ten zwei­feln am neu­en Ge­setz zur Pfle­ge

La­fim: Für Tau­sen­de So­fort­stel­len fehlt aus­ge­bil­de­tes Per­so­nal

Märkische Allgemeine - - BRANDENBURG / BERLIN - Von Rü­di­ger Braun

Pots­dam. Kran­ken­häu­ser und Al­ten­hei­me be­kom­men mehr Geld, wenn sie zu­sätz­li­che Pfle­ge­kräf­te ein­stel­len. Auch die Aus­bil­dung soll bes­ser fi­nan­ziert wer­den. Das sagt das so ge­nann­te Pfle­ge­per­so­nal­stär­kungs-Ge­setz, das der Bun­des­tag am Frei­tag be­schlos­sen hat.

Die Kran­ken­kas­sen fi­nan­zie­ren ab 2019 ein So­fort­pro­gramm für 13 000 zu­sätz­li­che Stel­len in den Al­ten­hei­men. In den Kran­ken­häu­sern wird ab 2019 je­de zu­sätz­li­che oder auf­ge­stock­te Stel­le voll­stän­dig ver­gü­tet, wenn sie der Pfle­ge am Kran­ken­bett dient.

Bran­den­burgs Ge­sund­heits­mi­nis­te­rin Su­san­na Ka­ra­wans­kij (Lin­ke) ist er­leich­tert, dass der Bund sich für bes­se­re Ar­beits­be­din­gun­gen in der Pfle­ge ein­setzt. „Das Ge­setz ist da­für ein ers­ter Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung.“Aber es rei­che bei wei­tem nicht aus. In der Pfle­ge müss­ten Tau­sen­de neue Stel­len be­setzt wer­den. „Da­zu muss es ge­lin­gen, die Pfle­ge­be­ru­fe mit hö­he­ren Löh­nen, bes­se­ren Aus­bil­dungs­und Ar­beits­be­din­gun­gen und mehr Wert­schät­zung at­trak­ti­ver zu ma­chen.“

Trä­ger mär­ki­scher Pfle­ge­ein­rich­tun­gen stim­men zu. Eva-Ma­ria Dress­ler, Ge- schäfts­füh­re­rin der Al­ten­hil­fe beim Lan­des­aus­schuss für In­ne­re Mis­si­on (La­fim), ei­nem der größ­ten Trä­ger der Al­ten­pfle­ge Bran­den­burgs, meint, dass man die von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) zu­ge­sag­ten 13 000 Stel­len des So­fort­pro­gramms kurz­fris­tig gar nicht be­set­zen kön­ne. „Es wur­den ein­fach zu we­nig Pfle­ge­fach­kräf­te aus­ge­bil­det“, sagt Dress­ler. 13000 Stel­len sei­en au­ßer­dem viel zu we­nig: „Aus dem Bauch her­aus wür­de ich sa­gen, dass wir ei­gent­lich zwei Mal so vie­le Stel­len bräuch­ten.“

Auch der La­fim spü­re den Fach­kräf­te­man­gel in sei­nen Ein­rich­tun­gen in Pots­dam, Tel­tow und Stahns­dorf (Pots­dam-Mit­tel­mark). Bis auf die Aus­schrei­bung ei­ner Stel­le für ei­ne Pfle­ge­fach­kraft re­agiert wer­de, ver­gin­gen in­zwi­schen min­des­tens vier Mo­na­te. Schon auf die Ant­wort ei­ner ein­fa­chen Pfle­ge­hilfs­kraft auf ein Stel­len­an­ge­bot müss­ten bran­den­bur­gi­sche Ein­rich­tun­gen min­des­tens zwei Mo­na­te war­ten. Ein Grund da­für sei, dass die in­fra­ge Kom­men­den we­gen der Si­tua­ti­on in der Pfle­ge ei­ne gro­ße Aus­wahl hät­ten und das für sie güns­tigs­te An­ge­bot nutz­ten. Auch die be­reits in der Pfle­ge Tä­ti­gen wür­den häu­fig in an­de­re Tä­tig­keits­fel­der wech­seln. Das gel­te ins­be­son­de­re für jün­ge­re Kräf­te. Der La­fim wür­de laut Dress­ler je­den­falls mehr Stel­len in sei­nen bran­den­bur­gi­schen Ein­rich­tun­gen be­set­zen, wenn die Be­wer­ber vor­han­den wä­ren.

FO­TO: DA­NI­EL BOCK­WOLDT/DPA

Das ge­plan­te Mil­li­ar­den­pa­ket der Ko­ali­ti­on soll die Per­so­nal­not in der Pfle­ge be­en­den.

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