Bran­den­burg wirbt um wei­te­re Eu-för­de­rung

Es geht um viel Geld: Lan­des­re­gie­rung prä­sen­tiert ih­re Wun­sch­lis­te für künf­ti­ge Eu-för­der­mit­tel

Märkische Oderzeitung Angerm‎ünde - - Vorderseite - Von UL­RICH THIES­SEN

Brüs­sel (thi) Bran­den­burg kann auf ei­ne Fort­set­zung der Eu-för­de­rung nach 2020 hof­fen. Das er­klär­te Mi­nis­ter­prä­si­dent Diet­mar Wo­id­ke (SPD) am Di­ens­tag in Brüs­sel nach ei­nem Ge­spräch mit Eu-haus­halts­kom­mis­sar Gün­ther Oet­tin­ger. Die­ser ha­be sei­ne Un­ter­stüt­zung für ent­spre­chen­de bran­den­bur­gi­sche For­de­run­gen si­gna­li­siert.

Es kön­ne nicht sein, dass Bran­den­burg durch den Aus­tritt Groß­bri­tan­ni­ens aus der EU rech­ne­risch über den Grenz­wert für Re­gio­nen mit Nach­hol­be­darf rutscht, sag­te Wo­id­ke. Schließ­lich müs­se das Land noch in vie­len Be­rei­chen auf­ho­len. Bran­den­burg kann au­ßer­dem dar­auf bau­en, dass in der nächs­ten För­der­pe­ri­ode mehr Gel­der für For­schung flie­ßen wer­den. Das sei so­wohl für den Struk­tur­wan­del in der Lau­sitz als auch für die Nach­wuchs­ge­win­nung in den länd­li­chen Räu­men von gro­ßer Be­deu­tung, hieß es am Di­ens­tag.

Bran­den­burg kämpft um die Fort­set­zung der Eu-för­de­run­gen. In Brüs­sel ver­sucht sich die Lan­des­re­gie­rung im Ge­zer­re der Gro­ßen Ge­hör zu ver­schaf­fen.

Brüs­sel. Man muss sich se­hen las­sen, man muss wahr­ge­nom­men wer­den, heißt es im­mer wie­der in der Eu­ro­pa­po­li­tik, al­so vor Ort – in Brüs­sel. Folg­lich leis­tet sich Bran­den­burg wie die an­de­ren Bun­des­län­der ei­ne ei­ge­ne Lan­des­ver­tre­tung in Brüs­sel, ei­ne Eu­ro­pa-staats­se­kre­tä­rin und vie­le Kon­tak­te von Mi­nis­tern zu den eu­ro­päi­schen Gre­mi­en. Al­le zwei Jah­re reist das Ka­bi­nett ge­schlos­sen in die bel­gi­sche und qua­si eu­ro­päi­sche Haupt­stadt. Es hat et­was von Klas­sen­fahrt, wenn die Mi­nis­ter­rie­ge sich in Ber­lin-te­gel trifft, um we­nig spä­ter in der Brüs­se­ler Lan­des­ver­tre­tung zu ta­gen und ver­schie­de­ne Eu-kom­mis­sa­re oder den Prä­si­dent des Aus­schus­ses der Re­gio­nen zu tref­fen.

Ist das Rou­ti­ne? Weit ent­fernt. Es geht in die­sen Ta­gen um enorm viel. Die Re­gie­rungs­chefs der EU rin­gen dar­um, wie die mehr als zehn Mil­li­ar­den Eu­ro, die nach dem Aus­tritt von Groß­bri­tan­ni­en feh­len, kom­pen­siert wer­den kön­nen. Die wich­tigs­ten Fra­gen lau­ten: Sol­len al­le Län­der ein Pro­zent des Brut­to­na­tio­nal­ein­kom­mens wei­ter als Bei­trag zah­len? Oder 1,3 Pro­zent, wie das das Eu­ro­päi­sche Par­la­ment ver­langt? Wie sind dar­über hin­aus künf­tig die so­ge­nann­ten neu­en Auf­ga­ben zu fi­nan­zie­ren? Für die Si­che­rung der Au­ßen­gren­zen geis­tert in Brüs­sel ei­ne Auf­sto­ckung der der­zei­ti­gen 150 Mil­li­ar­den um sie­ben Mil­li­ar­den Eu­ro her­um.

Ge­fragt wird aber auch, ob man nicht hie und da spa­ren muss. Bei der so­ge­nann­ten Ko­hä­si­on et­wa, al­so je­nen Struk­tur­fonds mit de­nen Maß­nah­men für die An­glei­chung der re­gio­na­len Ent­wick­lung fi­nan­ziert wer­den. Wenn nur noch die ärms­ten Län­der Struk­tur­hil­fen er­hal­ten, könn­ten sich bis zu 124 Mil­li­ar­den Eu­ro pro För­der­pe­ri­ode spa­ren las­sen. Mit dem Er­geb­nis, dass Bran­den­burg leer aus­ge­hen wür­de. In der ak­tu­el­len För­der­pe­ri­ode bis 2020 gibt es im­mer­hin 2,5 Mil­li­ar­den Eu­ro.

In ei­nem Po­si­ti­ons­pa­pier, das die Lan­des­re­gie­rung in Brüs­sel be­schloss, wird des­halb ei­ne Fort­füh­rung der re­gio­na­len För­de­rung ver­langt. Das sieht auch der Aus­schuss der Re­gio­nen so. Des­sen Prä­si­dent, der Bel­gi­er Karl-heinz Lam­bertz, er­klär­te vor Jour­na­lis­ten, dass Eu­ro­pa schließ­lich in den Re­gio­nen ge­lebt

wird und nicht in Brüs­sel. Bran­den­burg hofft auch in der nächs­ten För­der­pe­ri­ode Eu-gel­der zu er­hal­ten. Ost­deutsch­land be­fin­de sich in ei­ner „Sand­wich­po­si­ti­on“, heißt es in dem Po­si­ti­ons­pa­pier – ein­ge­klemmt zwi­schen dem hoch­ent­wi­ckel­ten Wes­ten und den ost­eu­ro­päi­schen För­der­höchst­ge­bie­ten. Ge­ra­de des­halb müs­se man hier wei­ter­hin ge­zielt In­ves­ti­tio­nen för­dern, um ei­ne Sta­gna­ti­on zu ver­hin­dern.

Wäh­rend die Bun­des­re­gie­rung den Druck auf Po­len we­gen der um­strit­te­nen Jus­tiz­re­form er­hö­hen will, warnt Bran­den­burg da­vor, die Aus­zah­lung der För­der­gel­der für das Nach­bar­land aus­zu­set­zen. Das trä­fe die re­gio­na­le Ebe­ne und da­mit die Part­ner jen­seits der Oder, mit de­nen Bran­den­burg seit vie­len Jah­ren er­folg­reich ko­ope­riert.

Oh­ne­hin wünscht sich Bran­den­burg, dass bei der grenz­über­schrei­ten­den Zu­sam­men­ar­beit die Eu-mit­tel nicht mehr nach der Be­völ­ke­rungs­zahl be­mes­sen wer­den. An der be­völ­ke­rungs­ar­men deutsch-pol­ni­schen Gren­ze müss­ten an­de­re Maß­stä­be an­ge­legt wer­den.

Auch die Agrar­po­li­tik rückt in der De­bat­te um den Eu-haus­halt ein­mal mehr ins Blick­feld. Die Bran­den­bur­ger sind alar­miert, weil bei den Di­rekt­zah­lun­gen an die Land­wir­te er­neut ei­ne Kap­pungs­gren­ze für gro­ße Agrar­be­trie­be ins Spiel ge­bracht wird. Ent­span­nung brin­gen auch nicht die Vor­schlä­ge, dass die Ver­tei­lung der Agrar­zu­schüs­se weit­ge­hend na­tio­nal ge­re­gelt wer­den könn­te. Das wür­de der Mark Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit den süd­li­chen Bun­des­län­dern be­sche­ren, in de­nen klei­ne­re Hö­fe vor­herr­schen.

Na­tür­lich be­sucht nicht nur Bran­den­burg Brüs­sel und sei­ne In­sti­tu­tio­nen. Al­le Bun­des­län­der ge­ben sich in der Stadt die Klin­ke in die Hand. Da ist es sinn­voll, nicht nur ei­nen For­de­rungs­ka­ta­log zu be­schlie­ßen, son­dern auch ein we­nig auf sich auf­merk­sam zu ma­chen. Mit dem Emp­fang „Quo va­dis Lau­sitz“am Di­ens­tag­abend in der Lan­des­ver­tre­tung soll­te dies ver­sucht wer­den. Mit da­bei der Vi­ze­prä­si­dent der Eu-kom­mis­si­on für Ener­gie­fra­gen, Ma­roš Šef ovi .

Par­al­lel zum Be­such des Ka­bi­netts tag­te in Brüs­sel die neu ge­grün­de­te Koh­le­platt­form, in de­ren Rah­men 42 eu­ro­päi­sche Berg­bau­re­gio­nen über den Struk­tur­wan­del dis­ku­tie­ren und ei­ne ent­spre­chen­de Be­glei­tung durch die Eu­ro­päi­sche Uni­on for­dern. Die Lau­sitz hat schon viel vor­zu­wei­sen und kann in die­sem Rei­gen ei­ne füh­ren­de Rol­le spie­len, be­ton­te Re­gie­rungs­chef Diet­mar Wo­id­ke.

Wenn nur noch die ärms­ten Län­der

Hil­fe er­hal­ten, geht Bran­den­burg leer aus

Fo­to: dpa/bo­ris Roess­ler

Wer zu spät kommt, könn­te we­ni­ger be­kom­men: Weil der EU durch den Br­ex­it künf­tig Ein­nah­men feh­len, wird der Ver­tei­lungs­kampf un­ter den Re­gio­nen här­ter. Bran­den­burg hat nun in Brüs­sel sei­nen Wunsch­zet­tel ab­ge­ge­ben.

Fo­to: dpa

Gu­ter Draht nach Po­len: Diet­mar Wo­id­ke

Fo­to: dpa

Fürch­tet Kap­pungs­gren­ze: Jörg Vo­gel­sän­ger

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