Got­tes­dienst für ge­tö­te­te Po­li­zis­ten

Heu­te vor ei­nem Jahr tö­te­te Jan G. drei Men­schen / Statt im Ge­fäng­nis be­fin­det er sich im Maß­re­gel­voll­zug

Märkische Oderzeitung Angerm‎ünde - - Vorderseite - Mehr zum The­ma: www. moz.de/to­ed­li­che­flucht

Fürs­ten­wal­de (dpa) Mit ei­nem Trau­er­got­tes­dienst im Fürs­ten­wal­der Ma­ri­en-dom wird heu­te der Er­mor­dung von zwei Po­li­zis­ten in Oe­geln (Oder-spree) ge­dacht. Da­zu wer­den Mi­nis­ter­prä­si­dent Diet­mar Wo­id­ke und In­nen­mi­nis­ter Karl-heinz Schrö­ter (bei­de SPD) er­war­tet. Die Po­li­zis­ten war von ei­nem 24-Jäh­ri­gen ge­tö­tet wor­den, der sich mit ei­nem Au­to auf der Flucht be­fand. Er hat­te zu­vor sei­ne Oma er­sto­chen. Schrö­ter über­gibt nach dem Got­tes­dienst ei­ne Ge­denk­ta­fel mit den Na­men der bei­den Op­fer.

Müll­ro­se. Heu­te vor ge­nau ei­nem Jahr hat Jan G. drei Men­schen ge­tö­tet, erst sei­ne Oma in Müll­ro­se (Oder-spree), dann auf der Flucht zwei Po­li­zis­ten. Sei­ne Tat­waf­fen: ein Mes­ser und ein Au­to.

In­ner­halb von drei St­un­den sind am 28. Fe­bru­ar 2017 drei Le­ben aus­ge­löscht und drei Fa­mi­li­en zer­stört wor­den. Die bru­ta­len Ver­bre­chen von Müll­ro­se und Oe­geln ha­ben deutsch­land­weit für Ent­set­zen ge­sorgt, be­schäf­ti­gen noch im­mer die Jus­tiz und las­sen die Öf­fent­lich­keit mit dem Kopf schüt­teln, weil die Tra­gö­die sich jah­re­lang an­ge­deu­tet hat: Meh­re­re Straf­ta­ten, Kör­per­ver­let­zung, ein Mord­ver­such, Dro­gen­sucht und Hin­wei­se der Fa­mi­lie reich­ten nicht, um ei­ne ti­cken­de Zeit­bom­be aus dem Ver­kehr zu zie­hen. Heu­te be­fin­det sich Jan G., der drei Men­schen auf dem Ge­wis­sen hat, im Maß­re­gel­voll­zug in Bran­den­burg/ha­vel – dort wird er die nächs­ten Mo­na­te auch blei­ben, denn das im Fe­bru­ar ge­spro­che­ne Ge­richts­ur­teil ist recht­lich noch nicht gül­tig. Sei­tens der Ver­tei­di­gung wur­de Re­vi­si­on ein­ge­legt. „So­lan­ge das Ur­teil nicht rechts­kräf­tig ist, kann es nicht voll­streckt wer­den“, be­tont Jas­per Schü­ler, Rich­ter und Pres­se­spre­cher am Land­ge­richt Frank­furt. Das heißt, Jan G. wird sei­ne Haft­stra­fe im Ge­fäng­nis vor­erst nicht an­tre­ten.

Rück­blick: Es ist 9.20 Uhr, als Ma­ri­an­ne G. an ih­rem 79. Ge­burts­tag am 28. Fe­bru­ar 2017 in ih­rem Haus auf ih­ren En­kel Jan G. trifft. Ei­ne voll ge­stell­te Ba­de­wan­ne und ein von Dro­gen ver­ne­bel­tes Ge­hirn las­sen den da­mals 24-Jäh­ri­gen aus­ras­ten. Er schlägt sei­ne Oma nie­der, schleppt sie ins Bad und schnei­det ihr eis­kalt die Hals­schlag­ader durch. Dann flieht er – im Au­to der Oma und oh­ne Füh­rer­schein.

Ge­gen 12.15 Uhr er­reicht Jan G. Oe­geln bei Bees­kow. Dort wol­len die zwei Po­li­zei­be­am­ten Torsten P. und Torsten K. auf der B87 ge­ra­de ei­ne Stra­ßen­sper­re er­rich­ten, um das Flucht­au­to zu stop­pen. Mit et­wa 160 km/h rast der Müll­ro­ser auf sie zu und er­fasst sie. Sie sind so­fort tot. Den Er­mitt­lern bie­tet sich vor Ort ein Bild des Grau­ens. Von ei­ner Mi­nu­te auf die an­de­re müs­sen je­weils drei Kin­der oh­ne ih­ren Va­ter und zwei Ehe­frau­en oh­ne ih­ren Mann wei­ter­le­ben. Jan G. fährt wie im Wahn wei­ter. Als sich das Au­to über­schlägt, ver­sucht er zu Fuß zu flie­hen, wird aber kurz dar­auf ver­haf­tet.

Spä­ter beim Prozess wird der nun 25-Jäh­ri­ge sa­gen: „Was pas­siert ist, stimmt nicht mit dem über­ein, was in mei­nem Kopf ist.“Von Reue aber ist nichts zu spü­ren. Em­pa­thie? Fehl­an­zei­ge. Er pö­belt so­gar ge­gen Zeu­gen. Im Vor­feld die­ser Ta­ten wur­de er we­gen Schi­zo­phre­nie be­han­delt. Doch im Ver­lauf des Pro­zes­ses am Land­ge­richt er­klärt ein Psych­ia­ter, Jan sei nicht schi­zo­phren, son­dern ein Psy­cho­path.

An­fang Fe­bru­ar wird vor dem Land­ge­richt das Ur­teil ge­spro­chen: Jan G. muss le­bens­lang, und da­mit min­des­tens 15 Jah­re ins Ge­fäng­nis. Auf­grund der be­son­de­ren Schwe­re der Schuld wird er aber auch da­nach nicht aus der Haft ent­las­sen. Die Re­vi­si­on des Ver­tei­di­gers lässt nicht lan­ge auf sich war­ten. Das Ur­teil wird der­zeit schrift­lich auf­ge­ar­bei­tet. Auf­grund der mehr als 20 Ver­hand­lungs­ta­ge blei­ben dem Land­ge­richt da­für elf Wo­chen. Dann hat der Ver­tei­di­ger ei­nen Mo­nat Zeit, sei­ne Re­vi­si­on schrift­lich zu be­grün­den, wor­auf­hin sich auch die Staats­an­walt­schaft er­neut po­si­tio­nie­ren wird. Die Pa­pie­re wer­den dann dem Bun­des­ge­richts­hof in Karls­ru­he zu­ge­stellt.

Das Ur­teil ist noch nicht rechts­kräf­tig und kann so­mit nicht voll­streckt wer­den

Heu­te 15 Uhr fin­det im Dom in Fürs­ten­wal­de ein Ge­denk­got­tes­dienst für die ge­tö­te­ten Po­li­zis­ten statt.

Fo­to: Frank Gro­ne­berg

Ge­den­ken: Vor dem Haus der er­mor­de­ten Oma in Müll­ro­se steht ei­ne Ker­ze als Zei­chen der Trau­er.

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