Wiss­mann gibt das Lenk­rad ab

Die Bi­lanz des Ex-mi­nis­ters fällt nach ei­nem Jahr­zehnt als obers­ter Au­to-lob­by­ist ge­mischt aus

Märkische Oderzeitung Angerm‎ünde - - Wirtschaft - Von DIE­TER KEL­LER

Ber­lin. Für Mat­thi­as Wiss­mann en­det heu­te ei­ne lan­ge Be­rufs­kar­rie­re: Nach elf Jah­ren an der Spit­ze des Ver­bands der Au­to­mo­bil­in­dus­trie (VDA) über­gibt der 68-Jäh­ri­ge das Prä­si­den­ten­amt an Bern­hard Mat­tes. Der frü­he­re Chef von Ford Deutsch­land wird in stür­mi­schen Zei­ten Chef-lob­by­ist der Au­to­mo­bil­in­dus­trie, die nicht nur von der Die­sel-af­fä­re in ih­ren Gr­und­fes­ten er­schüt­tert wird.

Schon ins Amt brach­ten Wiss­mann Pro­ble­me beim Kli­ma­schutz: 2007 warf sein Vor­gän­ger, Ex-daim­ler-vor­stand Bernd Gott­schalk, ent­nervt das Hand­tuch, weil ihm aus der Bran­che zu zö­ger­li­ches Ver­hal­ten und Feh­ler in der Kli­ma­de­bat­te vor­ge­wor­fen wur­den. Da­nach such­te der VDA be­wusst ei­nen er­fah­re­nen Ex-po­li­ti­ker mit gu­ten Be­zie­hun­gen.

In Wiss­mann fand er den idea­len Kan­di­da­ten: Er war von 1993 bis 1998 Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­ter und ver­füg­te über bes­te Dräh­te bis zu Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU). Das zahl­te sich spä­tes­tens 2009 aus, als Wiss­mann in der Wirt­schafts­kri­se die Ab­wrack­prä­mie von 2500 Eu­ro durch­setz­te.

Nicht nur we­gen die­ser Mil­li­ar­den-hil­fe galt Wiss­mann lan­ge als ein­fluss­reichs­ter Lob­by­ist in Ber­lin. So setz­te Mer­kel auf sein Be­trei­ben hin in Brüs­sel ei­ne groß­zü­gi­ge­re Re­ge­lung beim CO -Aus­stoß durch, als die Eu-kom­mis­si­on ei­gent­lich woll­te. Das spar­te den Au­to­her­stel­lern nicht nur viel Geld, son­dern brems­te auch ih­re An­stren­gun­gen für den Um­welt­schutz.

Vom Vw-die­sel-skan­dal wur­de Wiss­mann 2015 aus­ge­rech­net wäh­rend der In­ter­na­tio­na­len Au­to­mo­bil-aus­stel­lung IAA kalt er­wischt, bei der die Bran­che nor­ma­ler­wei­se mit den neu­es­ten Mo­del­len glän­zen will. Mit kri­ti­schen Tö­nen hielt er sich wie in an­de­ren Si­tua­tio­nen zu­rück. Erst als vor ei­ni­gen Mo­na­ten Kar­tell­vor­wür­fe ge­gen BMW, Daim­ler und den Vw-kon­zern laut wur­den, äu­ßer­te er sich über­ra­schend kri­tisch.

Mat­tes über­nimmt zwar am 1. März das Prä­si­den­ten­amt. Aber Wiss­manns Ver­trag en­det erst im Mai; zu­min­dest in­tern bleibt er bis da­hin ak­tiv. Dann will der Ju­rist wie­der stär­ker in der gro­ßen in­ter­na­tio­na­len An­walts­kanz­lei tä­tig wer­den, in der er auch wäh­rend sei­ner VDA-ZEIT Part­ner ge­blie­ben war. Und im Po­li­tik­ge­schäft im Hin­ter­grund mit­mi­schen dürf­te er auch künf­tig noch.

Da­ge­gen muss sich Mat­tes erst ein­mal ein Be­zie­hungs­netz mit Re­gie­rung und Par­tei­en auf­bau­en. Im Ge­gen­satz zu Wiss­mann hat er noch nicht die Han­dy-num­mer der Kanz­le­rin. Da­für kennt er bes­ser die Be­find­lich­kei­ten der Au­to­in­dus­trie.

Fo­to: dpa/bernd von Ju­trc­zen­ka

Lob­by­is­ten: Mat­thi­as Wiss­mann (l.) über­gibt das Prä­si­den­ten­amt des Ver­bands der Au­to­mo­bil­in­dus­trie an Bern­hard Mat­tes (M.). Volks­wa­gen-chef Mat­thi­as Mül­ler steht da­bei.

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