Letz­te Chan­ce der Ein­fluss­nah­me

Ve­rän­de­rungs­sper­re der Wind­fel­der läuft im Ok­to­ber aus / In­ves­tor Teut steht zu Kos­ten­über­nah­me

Märkische Oderzeitung Angerm‎ünde - - Vorderseite - Von DA­NIE­LA WINDOLFF

An­ger­mün­de. Die Zeit zur Ein­fluss­nah­me auf die Be­bau­ung von An­ger­mün­der Stadt­flä­chen mit Wind­rä­dern ist be­grenzt. So läuft die Ve­rän­de­rungs­sper­re im Ok­to­ber aus. Dann kön­nen In­ves­to­ren los­bau­en.

An­ger­mün­de. Die Zeit drängt, wenn die Stadt Ein­fluss auf die Gestal­tung der ge­plan­ten neu­en Wind­kraft­an­la­gen neh­men will. Das geht nur über Be­bau­ungs­plä­ne, de­ren Auf­stel­lung je­doch noch stockt. Im Ok­to­ber läuft die be­schlos­se­ne Ve­rän­de­rungs­sper­re aus. Dann könn­ten In­ves­to­ren ein­fach los­bau­en.

Wäh­rend die Wind­ener­gie­fir­ma Teut ih­re neu­en An­la­gen im Wind­park Mü­row und Wel­sow in Win­des­ei­le auf­bau­en und in Be­trieb neh­men konn­te, herrscht im um­strit­te­nen Wind­eig­nungs­ge­biet Neu­kün­ken­dorf-crus­sow Flau­te. Die Stadt­ver­ord­ne­ten­ver­samm­lung hat­te hier die Plä­ne des In­ves­tors Gre­en Wind mit ei­ner Ve­rän­de­rungs­sper­re aus­ge­bremst und auch des­sen An­trag auf Aus­nah­me ab­ge­lehnt.

Man woll­te als Kom­mu­ne Zeit ge­win­nen, um über die Auf­stel­lung ei­nes B-plans noch Ein­fluss auf die Gestal­tung der neu­en An­la­gen neh­men zu kön­nen, bei­spiels­wei­se in Sa­chen Hö­hen­be­gren­zung oder Nacht­be­feue­rung. Durch das pri­vi­le­gier­te Bau­recht für Wind­kraft und die über­ge­ord­ne­te Stel­lung des Re­gio­nal­plans, der in ei­nem lang­wie­ri­gen Ab­wä­gungs­pro­zess die Ge­bie­te fest­ge­legt hat, auf de­nen Wind­an­la­gen ge­baut wer­den dür­fen, hat die Kom­mu­ne au­ßer über Be­bau­ungs­plä­ne kei­ner­lei Mög­lich­keit mehr, dar­auf Ein­fluss neh­men zu kön­nen. Doch die auf drei Jah­re be­fris­te­te Ve­rän­de­rungs­sper­re läuft im Ok­to­ber 2018 aus, oh­ne dass bis­her ein ein­zi­ger Be­bau­ungs­plan er­stellt wur­de.

Die Ve­rän­de­rungs­sper­re be­wirkt, wie der Na­me schon sagt, dass in die­ser Zeit kei­ne Ve­rän­de­run­gen, zum Bei­spiel durch Re­power­ing mit mo­der­nen, deut­lich hö­he­ren An­la­gen, vor­ge­nom­men wer­den dür­fen, wie sie In­ves­tor Jan Teut im be­nach­bar­ten Wel­sow und Mü­row bau­en konn­te. Für sei­ne Vor­ha­ben hat­ten die Stadt­ver­ord­ne­ten auf ei­ne Ve­rän­de­rungs­sper­re ver­zich­tet.

Im Ge­gen­zug hat­te sich der In­ves­tor be­reit er­klärt, frei­wil­lig Be­bau­ungs­plä­ne auf­stel­len zu las­sen und da­für sämt­li­che Pla­nungs­kos­ten zu über­neh- men. Doch auch er war­tet seit über ei­nem Jahr dar­auf. Al­ler­dings könn­te er sich ent­spannt zu­rück­leh­nen, denn sei­ne nun 220 Me­ter ho­hen neu­en Wind­rä­der dre­hen sich be­reits. Den­noch bleibt er bei sei­ner Zu­sa­ge ge­gen­über der Stadt.

„Ich bin seit 1998 hier in der Re­gi­on prä­sent, be­trei­be mitt­ler­wei­le 22 An­la­gen und ha­be noch wei­te­re Ide­en, hier et­was zu ent­wi­ckeln“, sagt Jan Teut und fügt hin­zu: „Ich rau­sche je­doch nicht ein­fach hier durch, um Wind­rä­der auf­zu­stel­len, das Geld ab­zu­schöp­fen und wie­der zu ver­schwin­den. Ich möch­te die Re­gi­on vor­an­brin­gen und ge­be auch zu­rück, zum Bei­spiel durch Spon­so­ring oder die Pa­ten­schaft über die Ker­kower Ju­gend­feu­er­wehr und ich möch­te mit der Kom­mu­ne zu­sam­men­ar­bei­ten, das An­ge­bot steht nach wie vor.“

Auf dem Tisch der Stadt­ver­ord­ne­ten liegt ak­tu­ell der städ­te­bau­li­che Ver­trag zum Wind­eig­nungs­ge­biet Mü­row zwi­schen der Stadt und der Fir­ma Teut. Er re­gelt so­zu­sa­gen nach­träg­lich die Ver­ant­wor­tung und die Kos­ten­über­nah­me für die Auf­stel­lung ei­nes B-plans. Da­mit hat die Stadt bei künf­ti­ger Be­bau­ung die Chan­ce, mit am Tisch zu sit­zen und Ein­fluss zu neh­men. Bis­her wird die Kom­mu­ne nur im Rah­men des ge­setz­mä­ßi­gen öf­fent­li­chen Be­tei­li­gungs­ver­fah­rens ein­be­zo­gen und kann ei­ne Stel­lung­nah­me ab­ge­ben.

Für die an­de­ren Wind­eig­nungs­ge­bie­te in Neu­kün­ken­dorf und Crus­sow ist je­doch die­ser Zug bald ab­ge­fah­ren. Gre­en Wind hat­te zu­nächst ih­ren An­trag zu­rück­ge­zo­gen, weil die durch den Be­schluss ge­bun­de­ne Hö­hen­be­gren­zung von 150 Me­ter nach heu­ti­gen tech­ni­schen Stan­dards für den In­ves­tor un­wirt­schaft­lich sind. „Das baut heu­te kein In­ves­tor mehr“, be­stä­tigt Jan Teut.

Und auch Rechts­an­wäl­tin An­na Hen­ze, die die Stadt in die­sem Ver­fah­ren be­rät, stell­te klar, dass die Re­gio­nal­pla­nung ei­nen hö­he­ren Stel­len­wert ha­be und die in den Eig­nungs­ge­bie­ten er­laub­te Wind­nut­zung auch wirt­schaft­lich sein müs­se. Ei­ne Hö­hen­be­schrän­kung sei recht­lich nur durch­zu­set­zen, wenn gra­vie­ren­de städ­te­bau­li­che Grün­de da­für spre­chen, die man auch gut­ach­ter­lich un­ter­mau­ern soll­te. Al­lein der Fak­tor Tou­ris­mus oder op­ti­sche Be­drän­gungs­wir­kung sei recht­lich we­nig er­folg­ver­spre­chend und der Grad zur Ver­hin­de­rungs­pla­nung, ge­gen die In­ves­to­ren kla­gen könn­ten, sehr schmal.

Oh­ne Be­bau­ungs­plan kön­ne Gre­en Wind nach der Frist ein­fach los­bau­en. Die Stadt will nun vor­sorg­lich Mit­tel für die Pla­nungs­kos­ten der B-plä­ne ein­stel­len, denn ob au­ßer Jan Teut an­de­re In­ves­to­ren nun noch frei­wil­lig die Pla­nungs­kos­ten über­neh­men, ist mehr als frag­lich.

Jan Teut bleibt bei sei­nem Wort und hat wei­te­re Ide­en. Er möch­te die An­ger­mün­der er­mu­ti­gen, das The­ma er­neu­er­ba­re Ener­gie auch als Chan­ce für neue Ent­wick­lun­gen zu se­hen. „An­ger­mün­de könn­te sich als Stadt der sau­be­ren, kli­ma­freund­li­chen Ener­gie und Nach­hal­tig­keit pro­fi­lie­ren und auch den Tou­ris­mus ein­be­zie­hen. Zum Bei­spiel mit Wan­de­run­gen auf dem Pfad der Er­neu­er­ba­ren mit Be­stei­gung ei­nes Wind­ra­des“, be­schreibt Jan Teut sei­ne Ide­en. „Auch über ei­ne Bür­ger­an­la­ge und die Ver­sor­gung der Stadt­wer­ke mit sau­be­rer Ener­gie lohnt es, ge­mein­sam nach­zu­den­ken, oh­ne im­mer so­fort auf Ab­wehr zu ge­hen.“

Im Mü­row und Wel­sow dre­hen sich die Rä­der – Flau­te in Neu­kün­ken­dorf-crus­sow

An­ger­mün­de könn­te sich als Stadt der er­neu­er­ba­ren Ener­gie pro­fi­lie­ren

Fo­to: Oli­ver Voigt

Land der sau­be­ren Ener­gie: An Wind­rä­dern in der Ucker­mark spal­ten sich die Mei­nun­gen zwi­schen Kli­ma­schutz und Land­schafts­ver­schan­de­lung.

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