Mei­lo ge­winnt Cham­pio­nat

Mei­lo hat Kraft wie kein zwei­ter: Zum vier­ten­mal ist der bel­gi­sche Kalt­blü­ter aus Alt­kün­ken­dorf Cham­pi­on

Märkische Oderzeitung Angerm‎ünde - - Vorderseite - VON OLI­VER SCHWERS

Alt­kün­ken­dorf. Der stärks­te Kalt­blü­ter Bran­den­burgs kommt aus Alt­kün­ken­dorf. Pferd Mei­lo hat be­reits zum vier­ten Mal das Cham­pio­nat in Brück (Pots­dam-mit­tel­mark) ge­won­nen.

Alt­kün­ken­dorf. Das stärks­te Pferd Bran­den­burgs kommt wie­der aus Alt­kün­ken­dorf. Zum zehn­ten Mal hat Holz­rü­cker Jens Fan­ge­row mit ei­nem sei­ner stol­zen Kalt­blü­ter das Cham­pio­nat bei der le­gen­dä­ren Ver­an­stal­tung in Brück ge­won­nen und wei­te­re Prei­se ab­ge­räumt.

Das Team ist un­schlag­bar. Wenn die Alt­kün­ken­dor­fer in Brück ein­zie­hen, dann zieht die Kon­kur­renz den Hut. Die Mus­kel­prot­ze aus der Ucker­mark ho­len im­mer wie­der den Ti­tel beim pu­bli­kums­träch­ti­gen Wett­kampf „Ti­ta­nen der Renn­bahn“. Die Ver­an­stal­tung in Brück gibt es seit 17 Jah­ren, seit 16 Jah­ren ist Fa­mi­lie Fan­ge­row da­bei. Zehn­mal zeig­te ei­ner der kräf­ti­gen Kalt­blü­ter den an­de­ren die kal­te Schul­ter. Dies­mal wie­der. Mei­lo – der amt­li­che Na­me ist ei­gent­lich Han­nes – be­kommt da­bei ei­nen schwe­ren Schlit­ten mit ei­nem dar­auf ste­hen­den Lei­ter­wa­gen an­ge­spannt, der min­des­tens 1,2 Ton­nen wiegt. Dann zieht er an. Nach 40 Me­ter gibt es ei­nen Fünf-se­kun­den-stopp, dann muss noch­mal an­ge­zo­gen wer­den. Vie­le Pfer­de stei­gen schon vor­her aus. Über ei­ne Vor­run­de qua­li­fi­zie­ren sich die Stärks- ten der Star­ken. Jens Fan­ge­row schafft es gleich mit zwei Pfer­den ins Fi­na­le. Wenn al­le durch­kom­men, zählt die bes­te Zeit.

Mei­lo weiß, was ihm be­vor­steht. Wer das stäm­mi­ge bel­gi­sche Kalt­blut be­ob­ach­tet, sieht die Mus­keln un­ter der Haut. Al­lein vier­mal hat er aus Brück den Sie­ger­kranz um den Hals mit nach Hau­se ge­tra­gen. Sein gro­ßer Vor­teil: Mei­lo at­met Sau­er­stoff in ucker­mär­ki­schen Wäl­dern und muss hart ar­bei­ten. Ent­we­der zieht der Zwölf­jäh­ri­ge schwe­re Wa­gen über Hol­per­we­ge oder er zot­telt Baum­stäm­me aus dem Ge­strüpp. Je­den Tag. Das trai­niert. Doch das Ge­heim­nis des Er­folgs ist die Ver­bin­dung zwi­schen ihm und Jens Fan­ge­row. „Er hat Ver­trau­en zu mir“, sagt der Hal­ter. „Was ich dran­hän­ge, das zieht er. Man darf ein Pferd nie über­for­dern. Die­ses Ge­fühl muss man ha­ben.“

Of­fen­bar spü­ren das die Pfer­de. Als Fan­ge­row zwei bel­gi­sche, ei­nen deut­schen und ei­nen pol­ni­schen Kalt­blü­ter vier­spän­nig breit an­zie­hen lässt, holt er mit sei­nen Kraft­pa­ke­ten auch den Sieg in der Zugleis­tung Vier­spän­ner. Da­bei zieht das fo­to­träch­ti­ge Ge­spann ei­ne Pa­let­te mit St­ei­nen. Aus dem Weg stei­gen links und rechts Zu­schau­er mit auf, so­dass die Fuh­re im­mer schwe­rer wird. Kein Pro­blem für Mei­lo und sein Team. Bleibt zu er­wäh­nen, dass beim zwei­spän­ni­gen Fah­ren auch noch der zwei­te Platz her­aus­kam.

„Man ist abends fix und fer­tig“, sagt Jens Fan­ge­row. An­dau­ernd muss um­ge­spannt wer­den. Für sei­ne Pfer­de ist die Sa­che eher ei­ne Ab­wechs­lung im sons­ti­gen Wal­d­all­tag. Ne­ben sei­nem Bru­der Ralf hel­fen den Alt­kün- ken­dor­fer Holz­rü­ckern gleich zwei Teams aus dem Spree­wald und aus Tem­plin bei den Wett­kämp­fen. Mit Last­wa­gen fah­ren sie nach Brück. Vol­ker Zill­mann aus Crus­sow stellt ei­nen An­hän­ger zur Ver­fü­gung. Der Auf­wand ist enorm, doch der Stolz in der Sie­ger­mi­nu­te macht al­les wett.

„Man muss im­mer auf­pas­sen auf die Pfer­de, sie lau­fen nur nach Stimme“, er­zählt Jens Fan­ge­row. „Und ich muss auch sa­gen, dass ich im­mer Glück hat­te mit mei­nen.“Ein ech­ter Pfer­de­ken­ner kann das Händ­chen bei der Aus­wahl selbst nicht er­klä­ren. Ei­gent­lich woll­te er Mei­lo einst gar nicht mit­neh­men. Der Kalt­blü­ter stammt aus Pa­der­born. Doch dann ent­schied er sich an­ders, päp­pel­te ihn auf. Das Pferd hat es ihm all die Jah­re ge­dankt. Heu­te wiegt er fast 1000 Ki­lo­gramm.

Das In­ter­es­se der Men­schen an Pfer­den hat nie nach­ge­las­sen. Rund 26 000 Be­su­cher sol­len an den zwei Ta­gen die Zu­schau­er­rei­hen beim Spek­ta­kel in Brück fül­len. Doch Fan­ge­rows fah­ren auch zu Hal­len­tur­nie­ren.

Beim Ge­schick­lich­keits­fah­ren je­doch ha­ben an­de­re die Na­se vorn. Zwar kommt Jens Fan­ge­row mit null Feh­lern ans Ziel, schafft aber da­für nicht die Zei­ten. Die gro­ßen schwe­ren Pfer­de sind eben bes­ser für die wuch­ti­gen Sa­chen ge­eig­net.

Holz­rü­cker-team von Jens Fan­ge­row räumt auch bei den Vier­spän­nern ab

Wald­luft, ei­ne gro­ße Por­ti­on Ver­trau­en und et­was Glück sind das Er­folgs­ge­heim­nis

Fo­to: Oli­ver Schwers

Ver­trau­en auf bei­den Sei­ten: Jens Fan­ge­row mit sei­nem Kalt­blü­ter Mei­lo, dem stärks­ten Pferd Bran­den­burgs. Sie zie­hen re­gel­mä­ßig in den Wald zum Holz­rü­cken oder fah­ren mit dem Wa­gen. Die täg­li­che Ar­beit ver­bin­det Mensch und Tier.

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