Po­si­ti­ves Echo auf Re­form der Is­lam­kon­fe­renz

Kri­ti­ker sol­len wie­der stär­ker zu Wort kom­men / Ruf nach ei­nem „deut­schen Is­lam“

Märkische Oderzeitung Angerm‎ünde - - Nachrichten - VON STE­FAN KE­GEL

Ber­lin. Meh­re­re Ver­bän­de ha­ben den Vor­stoß des In­nen­mi­nis­te­ri­ums zu ei­ner Re­form der Is­lam­kon­fe­renz be­grüßt. „Es geht dar­um, den längst in­te­grier­ten deut­schen Mus­lim, der sei­ne Steu­ern zahlt, sei­nen Bei­trag für die Ge­sell­schaft leis­tet – kurz­um, der je­den Tag das Mot­to lebt: der Is­lam ge­hört zu Deutsch­land –, end­lich in den Mit­tel­punkt zu set­zen“, sag­te Vor­sit­zen­der Ai­man Ma­zy­ek die­ser Zei­tung.

In­nen-staats­se­kre­tär Mar­kus Ker­ber hat­te un­ter an­de­rem ge­for­dert, den Fo­kus der Is­lam­kon­fe­renz stär­ker auf nicht or­ga­ni­sier­te Mus­li­me zu le­gen – die Is­lam­ver­bän­de in Deutsch­land ver­tre­ten nur ei­nen Bruch­teil der rund vier­ein­halb Mil­lio­nen An­ge­hö­ri­gen die­ser Re­li­gi­on hier­zu­lan­de. Zu­dem for­der­te er, die Kon­fe­renz sol­le sich auf ei­ne deut­sche Ver­si­on des Is­lams ei­ni­gen – „und zwar auf dem Bo­den un­se­rer Ver­fas­sung“, er­klär­te Ker­ber.

Ma­zy­ek un­ter­strich: „Es gibt für uns kei­nen Is­lam, der nicht ver­fas­sungs­kon­form ist. Es gibt al­len­falls Mus­li­me, die ex­tre­mis­ti­sche oder kri­mi­nel­le Vor­stel­lun­gen mit ih­rer Re­li­gi­on ver­wech­seln und sich bis­wei­len ge­gen un­se­re Ord­nung stel­len. Die­se wer­den wei­ter un­se­ren ent­schie­de­nen Wi­der­stand er­fah­ren.“

Auch der ein­zi­ge, sich als nicht kon­fes­sio­nell ver­ste­hen­de Ver­band, der an der Is­lam­kon­fe­renz teil­nimmt, kann Ker­bers Vor­stoß et­was ab­ge­win­nen. „Es war falsch, dass man die Is­lam­kon­fe­renz nur mit den be­ste­hen­den is­la­mi­schen Or­ga­ni­sa­tio­nen fort­ge­führt hat“, sagt Gö­kay So­fuog­lu, Vor­sit­zen­der der Tür­ki­schen Ge­mein­de in Deutsch­land. Ei­ne ge­sun­de Mi­schung aus kri­ti­schen Ein­zel­per­so­nen und Ver­bän­den kön­ne den Dia­log wie­der in Gang brin­gen, hofft er. Die Ein­be­zie­hung von Is­lam-kri­ti­kern war 2014 be­en­det wor­den, nach­dem es im­mer wie­der zu Eklats ge­kom­men war. Ei­ne Her­aus­for­de­rung für die nächs­te Is­lam­kon­fe­renz, die für No­vem­ber avi­siert ist, sieht So­fuog­lu in der „längst über­fäl­li­gen De­bat­te“dar­über, Struk­tu­ren für is­la­mi­schen Re­li­gi­ons­un­ter­richt auf­zu­bau­en oder Ko­ope­ra­ti­ons­part­ner zu fin­den. „Da­für braucht man un­ab­hän­gi­ge Or­ga­ni­sa­tio­nen.“Die­se dürf­ten nicht von aus­län­di­schen Staa­ten kon­trol­liert sein, be­tont er mit Blick auf die Tür­kisch-is­la­mi­sche Uni­on der Anstalt für Re­li­gi­on (Di­tib) mit ih­ren rund 150 000 Mit­glie­dern, die von der Tür­kei do­mi­niert wird. „Die al­lei­ni­ge Deu­tungs­ho­heit für den Is­lam hat kein Ver­band in Deutsch­land.“Di­tib selbst woll­te sich am Frei­tag nicht zu dem Vor­stoß des In­nen­mi­nis­te­ri­ums äu­ßern.

Fo­to: dpa/ralf Hirsch­ber­ger

Be­ten­de Mus­li­me in Pots­dam: Die Is­lam­kon­fe­renz sucht nach ei­nem „deut­schen Is­lam“.

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