Deutsch­land blo­ckiert letz­te Grie­chen­land-kre­di­te

Grund: At­hen weicht von Ein­spar­vor­ga­ben ab / Drit­tes Ret­tungs­pro­gramm en­det am 20. Au­gust

Märkische Oderzeitung Angerm‎ünde - - Wirtschaft - VON GERD HÖHLER

Die Aus­zah­lung der letz­ten Fi­nanz­sprit­ze für Grie­chen­land von 15 Mil­li­ar­den Eu­ro ver­zö­gert sich. Es gibt deut­sche Vor­be­hal­te. Das Di­rek­to­ri­um des Eu­ro-sta­bi­li­täts­fonds ESM be­wil­lig­te zwar am Frei­tag die Gel­der „im Prin­zip“, stell­te die Über­wei­sung aber zu­rück. Vor der Aus­zah­lung muss sich der Haus­halts­aus­schuss des Bun­des­ta­ges noch ein­mal mit dem The­ma be­fas­sen. Grund: Die grie­chi­sche Re­gie­rung hat­te Steu­er­ver­güns­ti­gun­gen für ei­ni­ge Ägäis­in­seln be­schlos­sen. Da­durch ent­steht ein Haus­halts­loch von 28 Mil­lio­nen Eu­ro. Ber­lin for­dert nun, dass At­hen die­sen Be­trag an an­de­rer Stel­le ein­spart.

Das deut­sche Ve­to be­herrsch­te am Frei­tag die Schlag­zei­len der grie­chi­schen Pres­se. Von ei­ner „Ohr­fei­ge“der Gläu­bi­ger schrieb Grie­chen­lands größ­te Zei­tung „Ta Nea“. Ei­ne „kal­te Du­sche“mel­de­te die Wirt­schafts­zei­tung „Naf­tem­po­ri­ki“. Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel schwin­ge „die deut­sche Peit­sche“, hieß es auf der Ti­tel­sei­te der re­gie­rungs­na­hen Zei­tung „Eth­nos“. Viel Auf­re­gung um 28 Mil­lio­nen. Es dürf­te der grie­chi­schen Re­gie­rung kei­ne gro­ßen Pro­ble­me be­rei­ten, die Sum­me an­der­wei­tig ein­zu­spa­ren – zum Bei­spiel im Ver­tei­di­gungs­haus­halt, wie Fi­nanz­mi­nis­ter Eu­klid Tsaka­lo­tos be­reits an­kün­dig­te.

Aber es geht of­fen­bar we­ni­ger um das Geld als ums Prin­zip. Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter Olaf Scholz wol­le ei­ne Bot­schaft nach At­hen sen­den, kom­men­tiert die Zei­tung „Kat­hi­mer­i­ni“. Sie lau­tet: Ab­wei­chun­gen vom ver­ein­bar­ten Re­form- und Spar­kurs wer­den nicht to­le­riert. Zu den Ver­ein­ba­run­gen des An­pas­sungs­pro­gramms ge­hör­te, dass Grie­chen­land zum 1. Ju­li die Mehr­wert­steu­er auf den Ägäis­in­seln von bis­her er­mä­ßig­ten 17 Pro­zent auf 24 Pro­zent an­he­ben soll­te, wie im rest­li­chen Land. Oh­ne Ab­spra­che mit den Geld­ge­bern stor­nier­te Pre­mier Al­exis Tsi­pras En­de Ju­ni die Er­hö­hung für fünf In­seln, die be­son­ders von der Flücht­lings­kri­se be­trof­fen sind.

Da­mit nicht ge­nug. Die Re­gie­rung hat be­reits durch­bli­cken las­sen, dass sie auch die zum 1. Ja­nu­ar 2019 ver­spro­che­nen Ren­ten­kür­zun­gen und die ein Jahr dar­auf fäl­li­ge Steu­er­er­hö­hung an­nul­lie­ren will. Tsi­pras schürt da­mit Miss­trau­en bei den Geld­ge­bern. De­ren Sor­ge ist, dass die grie­chi­sche Re­gie­rung nach dem En­de des Hilfs­pro­gramms am 20. Au­gust be­reits be­schlos­se­ne Re­for­men zu­rück­dre­hen will.

At­hen kann frü­hes­tens An­fang Au­gust mit der Aus­zah­lung der letz­ten Kre­dit­ra­te rech­nen – so­fern der Haus­halts­aus­schuss zu­stimmt. Die 15 Mil­li­ar­den Eu­ro sol­len größ­ten­teils in ei­ne Rück­la­ge flie­ßen. Die ver­spä­te­te Über­wei­sung bringt Grie­chen­land des­halb nicht in Zah­lungs­schwie­rig­kei­ten. Aber der Auf­schub ist ein deut­li­ches Si­gnal. Am Don­ners­tag un­ter­strich Scholz vor dem Wirt­schafts- und Wäh­rungs­aus­schuss des Eu-par­la­ments, wie wich­tig Ver­trau­en für die Rück­kehr Grie­chen­lands an den Fi­nanz­markt ist.

Haus­halts­aus­schuss des Bun­des­ta­ges muss sich mit

The­ma er­neut be­fas­sen

Fo­to: dpa/so­cra­tes Bal­ta­gi­an­nis

Ein­schnit­te: Zum Ab­schluss der Hil­fen für Grie­chen­land muss das Land wei­ter an der Steu­er­schrau­be dre­hen.

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