Weil die Frei­heit zu Hau­se be­ginnt

Ei­ne Woh­nungs­ge­nos­sen­schaft wird mit dem Bran­den­bur­ger Frei­heits­preis aus­ge­zeich­net

Märkische Oderzeitung Bad Freienwalde - - Brandenburg - Von Alex­An­drA Geb­hArdt

Bran­den­burg/Ha­vel. Die Woh­nungs­bau­ge­nos­sen­schaft „Bre­mer Hö­he“ist am Don­ners­tag­abend mit dem Bran­den­bur­ger Frei­heits­preis aus­ge­zeich­net wor­den. Das Un­ter­neh­men er­hielt die mit 25 000 Eu­ro do­tier­te Aus­zeich­nung für sein vor­bild­li­ches En­ga­ge­ment „im Span­nungs­feld von wirt­schaft­li­cher Frei­heit, Ge­winn­ori­en­tie­rung und so­zia­ler Ver­ant­wor­tung“.

Al­les tun, was man möch­te, kei­nen äu­ße­ren Zwän­gen fol­gen, le­ben und ar­bei­ten, wo man will, und rei­sen, wo­hin auch im­mer – all das be­deu­tet Frei­heit. Doch wie kann man Frei­heit le­ben, wenn man kei­nen Rück­zugs­ort fin­det? Ei­nen Platz, an dem man die ei­ge­ne Per­sön­lich­keit ganz un­ge­zwun­gen ent­fal­ten, sich wohl und si­cher füh­len und Wur­zeln schla­gen kann? Ge­nau vor die­ser Fra­ge ste­hen in Zei­ten von Miet­ex­plo­sio­nen und Woh­nungs­not im­mer mehr Men­schen.

Auch die Mie­ter der „Bre­mer Hö­he“im Ber­li­ner Prenz­lau­er Berg sa­hen sich und ih­re Exis­tenz be­droht, als En­de 1999 der Ver­kauf ih­rer Woh­nun­gen an ei­nen Ham­bur­ger In­ves­tor droh­te. Spon­tan ent­schlos­sen sich 48 Be­woh­ner und Un­ter­stüt­zer, ei­ne gleich­na­mi­ge Ge­nos­sen­schaft zu grün­den. Ein Jahr spä­ter kauf­ten sie 21 Grund­stü­cke und 49 Häu­ser – und er­war­ben da­mit gro­ße Tei­le der Wohn­an­la­ge. Bin­nen der nächs­ten drei Jah­re wur­den vie­le der Häu­ser be­reits sa­niert. Das Er­geb­nis: 460 Woh­nun­gen, 22 da­von al­ten- und be­hin­der­ten­ge­recht, de­ren Mie­ter sich kei­ne Sor­gen über un­be­zahl­ba­re Mie­ten ma­chen müs­sen. Denn obers­tes Ge­bot der Woh­nungs­bau­ge­nos­sen­schaft „Bre­mer Hö­he“ist der lang­fris­ti­ge Er­halt be­zahl­ba­rer Woh­nun­gen, im Sin­ne ei­nes wirt­schaft­li­chen, aber nicht pro­fit­ori­en­tier­ten Han­delns.

Seit­her wächst die Ge­nos­sen­schaft, die heu­te rund 720 Mit­glie­der um­fasst. Längst ist sie auch zum Vor­bild und An­ker für an­de­re Ber­li­ner und Bran­den­bur­ger Be­woh­ner­pro­jek­te ge­wor­den, die Hil­fe beim Vor­stand um Ulf Heit­mann und Bar­ba­ra Kö­nig su­chen und in der Ge­nos­sen­schaft auf­ge­hen. Da­zu zählt auch das ehe­ma­li­ge Ber­li­ner Stadt­gut Hob­rechts­fel­de in der Ge­mein­de Pan­ketal (Bar­nim), das seit 2010 der

Ge­nos­sen­schaft ge­hört. Es wird nach und nach sa­niert und ga­ran­tiert den Be­woh­nern ein selbst­be­stimm­tes Le­ben.

Mit die­sem En­ga­ge­ment für Selbst­hil­fe und Selbst­ver­ant­wor­tung ist die Ge­nos­sen­schaft „Bre­mer Hö­he“nun zum Trä­ger des Bran­den­bur­ger Frei­heits­prei­ses ge­wor­den. Der Preis war 2015 durch den da­ma­li­gen Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten des Wahl­krei­ses Bran­den­burg/Ha­vel und heu­ti­gen Bun­des­prä­si­den­ten Frank-Wal­ter St­ein­mei­er aus­ge­lobt wor­den. Er wird al­le zwei Jah­re ver­ge­ben. 2016 ging die ers­te Aus­zeich­nung an das Men­sch­rechts­zen­trum Cott­bus.

In die­sem Jahr stand die Ver­lei­hung un­ter dem aus dem

Grund­ge­setz ent­lehn­ten Mot­to „Ei­gen­tum ver­pflich­tet“. Mi­nis­ter­prä­si­dent Diet­mar Wo­id­ke (SPD) be­ton­te in sei­nem Gruß­wort: „Un­ter­neh­me­ri­sche Frei­heit bringt Wohl­stand, Wachs­tum und Be­schäf­ti­gung. Zu­gleich trägt die Wirt­schaft Ver­ant­wor­tung, ih­re Frei­heit zum Woh­le der All­ge­mein­heit zu nut­zen.“

Der evan­ge­li­sche Alt­bi­schof und Ju­ry­vor­sit­zen­de Wolf­gang Hu­ber wies dar­auf hin, wie es­sen­ti­ell

Woh­nen heu­te da­für sei, das ei­ge­ne Le­ben frei ge­stal­ten und Ge­brauch zu kön­nen. Hu­ber be­ton­te, dass eben auch die wirt­schaft­li­che Frei­heit, sich ei­ge­nen Wohn­raum leis­ten zu kön­nen, ein Grund­recht sei, das vie­le Spe­ku­lan­ten und In­ves­to­ren heu­te aufs Spiel setz­ten.

Da­bei sei „Frei­heit ein Gut, das sich vor al­lem durchs Tei­len ver­mehrt“, wie der Schrift­stel­ler und Lau­da­tor Ja­kob Hein bei der Ver­ga­be an Bar­ba­ra Kö­nig und Ulf Heit­mann an­füg­te. Die bei­den Vor­stän­de kün­dig­ten an, die 25 000 Eu­ro, mit de­nen der Preis do­tiert ist, zu nut­zen, um die „Bre­mer Hö­he“als Ge­mein­schafts­werk wei­ter wach­sen zu las­sen. (Mit Ad­ler­au­gen)

Mie­ter kauf­ten ih­re Woh­nun­gen, um Spe­ku­la­tio­nen zu ver­hin­dern Die Geehr­ten wol­len das Preis­geld für die Ent­wick­lung ih­res Pro­jekts ein­set­zen

Fo­to: Alex­an­dra Geb­hardt

Lei­ten die „Bre­mer Hö­he“: Bar­ba­ra Kö­nig und Ulf Heit­mann bei der Preis­ver­lei­hung im Dom zu Bran­den­burg/Ha­vel

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