EU er­setzt Schutz vor Wöl­fen kom­plett

Bri­ti­sche Re­gie­rung schaut rus­si­schen Olig­ar­chen jetzt ge­nau­er auf die Fin­ger

Märkische Oderzeitung Bad Freienwalde - - Vorderseite - Von Hen­drik BeBBer

Pots­dam. Bau­ern kön­nen In­ves­ti­tio­nen zum Schutz vor Wöl­fen künf­tig zu 100 Pro­zent vom Land fi­nan­ziert be­kom­men. Das hat die EU-Kom­mis­si­on jetzt be­schlos­sen, wie das Agrar- und Um­welt­mi­nis­te­ri­um in Pots­dam am Frei­tag mit­teil­te. Bis­her konn­ten die Hal­ter von Wei­de­tie­ren wie Scha­fen und Rin­dern nur bis zu 80 Pro­zent der Kos­ten et­wa für wolfs­si­che­re Zäu­ne oder Her­den­schutz­hun­de vom Staat er­setzt be­kom­men.

Bran­den­burgs Res­sort­chef Jörg Vo­gel­sän­ger (SPD) be­grüß­te auf der Um­welt­mi­nis­ter­kon­fe­renz in Bre­men, dass künf­tig „die für vie­le Be­trie­be sehr auf­wän­di­gen In­ves­ti­tio­nen für Vor­sor­ge­maß­nah­men ge­gen Wolfs­über­grif­fe zu 100 Pro­zent fi­nan­ziert wer­den kön­nen, oh­ne dass dies als un­zu­läs­si­ge Bei­hil­fe gilt.“Als nächs­ter Schritt soll­te nun die von al­len Bun­des­län­dern ge­for­der­te rechts­si­che­re Grund­la­ge zum Tö­ten von pro­ble­ma­ti­schen Wöl­fen ge­schaf­fen wer­den.

Laut Mi­nis­te­ri­um ist die Zahl der Wolfs­ru­del in Bran­den­burg jüngst von 26 auf 37 ge­stie­gen. (ndt)

Lon­don. Über vie­le Jah­re wa­ren die rus­si­schen Olig­ar­chen in Lon­don will­kom­me­ne Gäs­te. Sie brach­ten ei­ne Men­ge Geld in die Stadt, be­feu­er­ten den Im­mo­bi­li­en­markt, den Ab­satz von Lu­xus­gü­tern je­der Art, in­ves­tier­ten aber auch in Kul­tur und Sport. Doch än­dert sich seit ge­rau­mer Zeit das po­li­ti­sche und ge­sell­schaft­li­che Kli­ma.

Der Schnee­matsch in Sa­lis­bu­ry am Ta­ge des An­schlags auf den rus­si­schen Dop­pel­agen­ten und sei­ne Toch­ter war längst ge­taut, als The­re­sa May Russ­land den Kal­ten Krieg er­klär­te. „Dies war nicht nur ein Ver­bre­chen ge­gen die Skri­pals. Es war ein wahl­lo­ser und rück­sichts­lo­ser Akt ge­gen das Ver­ei­nig­te Kö­nig­reich, der das Le­ben un­schul­di­ger Zi­vi­lis­ten aufs Spiel setzt. Und wir wer­den solch ei­nen un­ver­schäm­ten Mord­an­schlag auf un­se­rem Bo­den nicht to­le­rie­ren,“warn­te die bri­ti­sche Pre­mier­mi­nis­te­rin den Kreml.

Der rus­si­sche Bot­schaf­ter in Lon­don Alex­an­der Ya­ko­ven­ko re­agier­te mit der Ein­schät­zung sei­nes Au­ßen­mi­nis­te­ri­ums über „ei­ne Kam­pa­gne, die dar­auf ab­zielt, die Be­zie­hun­gen zwi­schen bei­den Län­dern zu stö­ren, was weit­ge­hen­de Kon­se­quen­zen ha­ben kann“. Nach der ge­gen­sei­ti­gen Aus­wei­sung von Di­plo­ma­ten über­leg­te die bri­ti­sche Re­gie­rung wie man Pu­tin als mut­maß­li­chen Draht­zie­her des An­schlags wirk­lich tref­fen kön­ne.

Der Vor­sit­zen­de des au­ßen­po­li­ti­schen Par­la­ments­aus­schus­ses Tom Tu­gend­hat ver­langt Sank­tio­nen ge­gen die schwer­rei­chen Rus­sen, die Lon­don den Spitz­na­men „Mos­kau an der Them­se“ein­brach­ten. „Wir müs­sen den Leu­ten, die Pu­tin un­ter­stüt­zen, ein­fach klar­ma­chen, dass dies kei­ne gu­te Idee ist“, sag­te Tu­gend­hat.

„Die Olig­ar­chen, die so reich wur­den, weil sie seit mehr als 20 Jah­ren das rus­si­sche Volk be­steh­len, soll­ten nicht mehr in der La­ge sein, ihr Ver­mö­gen in Lon­don aus­zu­ge­ben. Wir se­hen, wie rus­si­sches Geld un­se­re In­sti­tu­tio­nen kor­rum­piert, und so müs­sen wir vor­sich­tig sein, dass wir nicht zum Op­fer wer­den. Das be­deu­tet, dass wir uns nicht nur ge­gen Ag­gres­si­on wie jetzt den Mord­an­schlag schüt­zen, son­dern auch ge­gen das schmut­zi­ge rus­si­sche Geld.“

Sol­che Skru­pel hat­ten „Lon­don­grad“bis­lang nicht ge­plagt. Selbst die Krim-Kri­se be­scher­te den Im­mo­bi­li­en­händ­lern in der bri­ti­schen Me­tro­po­le ei­nen neu­en Boom. Rus­si­sche und ukrai­ni­sche Mul­ti­mil­lio­nä­re leg­ten ihr Ka­pi­tal noch stär­ker an der Them­se an. Doch nun müs­sen sie be­fürch­ten, dass es ih­nen we­gen der Sank­tio­nen fi­nan­zi­ell ans Le­der geht. Neue Ge­set­ze ver­lan­gen Auf­schluss dar­über, ob der Reich­tum auch le­gi­tim er­wor­ben wur­de.

Ein Bran­chen­dienst von „Thom­son Reu­ters“kal­ku­liert, dass aus den Nach­fol­ge­staa­ten der So­wjet­uni­on in den ver­gan­ge­nen zwei Jahr­zehn­ten 82,6 Mil­li­ar­den Dol­lar durch die Lon­do­ner Ci­ty flos­sen und die Ein­künf­te der dor­ti­gen oh­ne­hin nicht ar­men Fi­nanz­häu­ser noch ein­mal kräf­tig auf­bes­ser­ten.

Der Reich­tum und der Ein­fluss der rus­si­schen und ukrai­ni­schen Krö­sus­se ist in Lon­don le­gen­där ge­wor­den. Sie do­mi­nie­ren die fünf Spit­zen­plät­ze in der „Lis­te der reichs­ten Bri­ten“. Ro­man Abra­mo­witch ist Be­sit­zer des Pre­mier Le­ague Clubs Chel­sea und der noch rei­che­re Ali­scher Us­ma­now hält gro­ße An­tei­le des Lo­kal­ri­va­len Ar­senal. Das Lon­do­ner Leib- und Ma­gen­blatt „Eve­ning Stan­dard“ge­hört dem ehe­ma­li­gen KGB- Of­fi­zier Alex­an­der Le­be­dew und der Mul­ti­mil­li­ar­där schluck­te noch da­zu den li­be­ra­len „In­de­pen­dent“. Ri­nat Achme­tow, der reichs­te Mann der Ukrai­ne, mach­te Schlag­zei­len, als er 2011 den bis­lang höchs­ten Preis für ei­ne Lon­do­ner Im­mo­bi­lie zahl­te. Für das drei­stö­cki­ge Haus blät­ter­te er rund 163 Mil­lio­nen Eu­ro hin, was ei­nem Qua­drat­me­ter­preis von von 75 000 Eu­ro ent­spricht.

Die Exi­lan­ten aus der ehe­ma­li­gen So­wjet­uni­on schät­zen nicht nur die po­li­ti­sche Sta­bi­li­tät, das kul­tu­rel­le An­ge­bot, die Ein­kaufs­mög­lich­kei­ten für Lu­xus­gü­ter und die Pri­vat­schu­len für ih­re Spröss­lin­ge im Kö­nig­reich, son­dern auch die Steuer­und In­ves­ti­ti­ons­an­rei­ze. Sie zah­len le­dig­lich ei­ne Sum­me von 30 000 Pfund im Jahr für ih­re Re­gis­trie­rung als „Nicht-do­mi­zi­liert“und wer­den für das Ver­mö­gen, das sich in ih­ren Hei­mat­län­dern be­fin­det, nicht zur Ein­kom­mens- und Ka­pi­tal­er­trag­steu­er ver­an­lagt. Ih­re An­we­sen­heit in Groß­bri­tan­ni­en er­freut auch die Lon­do­ner Spit­zen­an­wäl­te, die hier für ih­re Man­dan­ten teu­re Pro­zes­se im Rechts­streit mit Kon­kur­ren­ten füh­ren.

Auf der an­de­ren Sei­te zählt der Mul­ti­mil­li­ar­där Sir Len Bla­vat­nik zu den groß­zü­gigs­ten För­de­rern der bri­ti­schen Kul­tur und Wis­sen­schaft und wur­de da­für auch von der Queen zum Rit­ter ge­schla­gen.

Fo­to: dpa/Hanna McKay

Be­ein­dru­cken­de Ku­lis­se: Lon­don ist noch im­mer, auch wenn nun der Br­ex­it droht, die Fi­nanz­me­tro­po­le Eu­ro­pas. In den ver­gan­ge­nen zwei Jahr­zehn­ten floss auch viel rus­si­sches Ka­pi­tal in die Stadt.

Mischt im Fuß­ball­ge­schäft mit: Ali­scher Us­ma­now hält An­tei­le am FC Ar­senal.

Ein Ex-KGB-Of­fi­zier wech­selt in die Me­dien­bran­che: Alex­an­der Le­be­dew

Fo­tos: AFP

So­gar zum Rit­ter ge­schla­gen: Len Bla­vat­nik ist För­de­rer von Kul­tur und Wis­sen­schaft.

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