Ge­denk­ta­fel für die eins­ti­ge Sy­nago­ge

Wrie­ze­ner Po­li­ti­ker, Bür­ger und vor al­lem Schü­ler er­in­nern an No­vem­ber­po­grom vor 80 Jah­ren

Märkische Oderzeitung Bad Freienwalde - - Vorderseite - Von nad­ja Voigt

Wrie­zen. Mit der Ent­hül­lung ei­ner Ta­fel er­in­ner­ten die Wrie­ze­ner am Frei­tag, dem Jah­res­tag der Po­gro­me ge­gen Ju­den, an die eins­ti­ge Sy­nago­ge – und war­um es sie nicht mehr gibt.

Wrie­zen. „Set­zen Sie sich da­für ein, dass die De­mo­kra­tie das wich­tigs­te Gut in die­sem Land ist“, gab der Wrie­ze­ner Bür­ger­meis­ter den An­we­sen­den am Frei­tag an­läss­lich der Ge­denk­stun­de zum 9. No­vem­ber mit auf den Weg.

Am Stand­ort der frü­he­ren Sy­nago­ge in der Gar­ten­stra­ße hat­ten sich am Vor­mit­tag Bür­ger, Po­li­ti­ker, Mit­glie­der der Feu­er­wehr und vor al­lem Schü­ler ein­ge­fun­den. An­lass war das No­vem­ber­po­grom der Na­tio­nal­so­zia­lis­ten 1938, bei dem jü­di­sche Ge­schäf­te und Sy­nago­gen in Brand ge­steckt wur­den.

„Der 9. No­vem­ber ist ein denk­wür­di­ges Da­tum für uns Deut­sche“, sag­te Kars­ten Ilm (CDU). „In vie­ler­lei Hin­sicht.“Vor al­lem aber in Be­zug auf den dunk­len Teil, der aber eben auch ein Teil der Ge­schich­te Wrie­zens sei. „War­um müs­sen wir uns über­haupt an et­was er­in­nern, das ein gan­zes Men­schen­le­ben zu­rück­liegt?“, frag­ten die Schü­ler des Evan­ge­li­schen Jo­han­ni­terGym­na­si­ums

in ih­rem sehr po­li­ti­schen Plä­doy­er, den 9. No­vem­ber nicht zu ei­nem lee­ren Ri­tu­al er­star­ren zu las­sen.

„Ver­nei­gen wir uns vor den Op­fern“, so die Schü­ler. „Und er­he­ben un­ser Haupt ge­gen­über den heu­ti­gen Tä­tern.“Nicht aus ei­nem Ge­fühl der Schuld her­aus sol­le der Ge­denk­tag be­gan­gen

wer­den, son­dern aus Ver­ant­wor­tung. Die gel­te es wahr­zu­neh­men, so­lan­ge AfD und Pe­gi­da Ge­denk­stät­ten in Fra­ge stel­len wür­den. Und wenn zu vie­le weg­se­hen und weg­hö­ren, ob­wohl es an­ti­se­mi­ti­sche Be­schimp­fun­gen gibt und Men­schen öf­fent­lich be­lei­digt und ver­folgt wür­den, so die Ju­gend­li­chen. So­lan­ge Denk-

ma­le be­schmiert und Stol­per­stei­ne ab­ge­deckt wür­den.

Mit der Ver­le­gung der Ge­denk­stei­ne auf den Wrie­ze­ner Stra­ßen be­schäf­ti­gen sich die Schü­ler der Sal­va­dor-Al­len­de-Schu­le seit 2013 in ei­nem Pro­jekt. Sie er­in­ner­ten am Frei­tag an das jü­di­sche Le­ben in der Stadt, an die Le­bens- und Ar­beits­welt, die po-

li­ti­schen Rah­men­be­din­gun­gen und his­to­ri­schen Zä­su­ren.

Dem Ge­bet der Evan­ge­li­schen Kir­chen­ge­mein­de Wrie­zen folg­ten die Kranz­nie­der­le­gun­gen vom Bür­ger­meis­ter und dem Stadt­ver­ord­ne­ten­vor­ste­her, Wolf­gang Skor (BWBO), so­wie den Orts­ver­bän­den der SPD und der AfD.

Ins­ge­samt trägt ei­ne ru­hi­ge, ent­spann­te Um­ge­bung auch da­zu bei, ei­nen gu­ten Still- und Schlafrhyth­mus zu ler­nen, da das Ba­by nicht von vie­len un­be­kann­ten, neu­en Ge­räu­schen, Per­so­nen, Ge­rü­chen und ähn­li­chem ab­ge­lenkt wird. Nach und nach, das ist bei je­der Ma­ma und je­dem Ba­by an­ders, wird der Ak­ti­ons­ra­di­us wie­der grö­ßer: Mal geht es zur Oma, mal zum Ein­kauf, ... Al­les in do­sier­ter Form und nicht schon nach drei Ta­gen und nicht je­den Tag um zu se­hen, wie bei­de das ver­kraf­ten.

Ein gu­tes An­ge­bot sind hier Ba­by­mas­sa­ge­kur­se, Kr­ab­bel­grup­pen, Mut­ter-Kind-Früh­stück zum Bei­spiel, um der Mut­ter die Ge­le­gen­heit zu ge­ben, auf an­de­re Müt­ter zu tref­fen und sich aus­zu­tau­schen. Und das Ba­by kann an­de­re Kin­der im sel­ben Al­ter ken­nen ler­nen.

Wenn auch Sie Fra­gen ha­ben, die das El­tern­sein oder das El­tern­wer­den be­tref­fen, schi­cken Sie die­se per E-Mail an fol­gen­de Adres­se: frei­en­wal­de-red @moz.de.

Fo­tos (3): Nad­ja Voigt

Fei­er­li­ches Ge­den­ken: Am frü­he­ren Stand­ort der Sy­nago­ge in Wrie­zen und an­läss­lich des Po­groms am 9. No­vem­ber vor 80 Jah­ren ge­den­ken Bür­ger­meis­ter Kars­ten Ilm (CDU) und Stadt­ver­ord­ne­ten­vor­ste­her Wolf­gang Skor (BBWO).

Er­in­nern an das, was war: Schü­ler der Sal­va­dor-Al­len­de-Schu­le er­in­nern an die Ge­schich­te der Ju­den in der Stadt. Ent­hüllt: Das Bild zeigt die frü­he­re Sy­nago­ge in Wrie­zen. Die Ta­fel zeigt, dass jü­di­sches Le­ben im Oder­bruch ei­nen Platz hat­te.

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