Lob und Kri­tik für Ren­ten­kon­zept

Ar­beits­mi­nis­ter Heil will Ren­ten­ni­veau bis 2025 ein­frie­ren und Bei­trags­satz nicht über 20 Pro­zent stei­gen las­sen

Märkische Oderzeitung Bernau - - Vorderseite - Von Die­ter Kel­ler

Ber­lin. Auf ein ge­teil­tes Echo sto­ßen die Plä­ne von Bun­des­ar­beits­mi­nis­ter Hu­ber­tus Heil (SPD) zur Re­form der ge­setz­li­chen Ren­te. Er plant ei­ne dop­pel­te Hal­t­el­i­nie für Ren­ten und Bei­trä­ge so­wie län­ger­fris­tig ei­nen hö­he­ren Zu­schuss vom Bund.

Mit sei­nem Ren­ten­pa­ket will Heil das „Kern­ver­spre­chen des So­zi­al­staats“er­neu­ern, dass Ar­beit­neh­mer „nach ei­nem Le­ben vol­ler Ar­beit im Al­ter ab­ge­si­chert sind“. Die ge­setz­li­che Ren­te müs­se die tra­gen­de Säu­le der Al­ters­ver­sor­gung blei­ben. So wol­le er in Zei­ten des Wan­dels neu­es Ver­trau­en schaf­fen, sag­te Heil in Ber­lin bei der Vor­stel­lung sei­ner Plä­ne.

Wie im Ko­ali­ti­ons­ver­trag ver­ein­bart, soll es bis 2025 ei­ne „dop­pel­te Hal­t­el­i­nie“ge­ben: Das Ren­ten­ni­veau soll nicht un­ter das heu­ti­ge Ni­veau von 48 Pro­zent sin­ken, der Bei­trags­satz von der­zeit 18,6 Pro­zent auf ma­xi­mal 20 Pro­zent stei­gen. Um das auch län­ger­fris­tig ab­zu­si­chern, soll der Bund ab 2022 sei­nen Zu­schuss er­hö­hen und ei­ne mil­li­ar­den­schwe­re „De­mo­gra­fie­re­ser­ve“auf­bau­en. Die Fi­nan­zie­rung ist al­ler­dings mit dem Ko­ali­ti­ons­part­ner Uni­on noch nicht ab­ge­stimmt. Da­ne­ben will Heil die Müt­ter­ren­te für Müt­ter mit min­des­tens drei Kin­dern er­hö­hen so­wie Ver­bes­se­run­gen bei Ren­ten we­gen Er­werbs­min­de­rung ein­füh­ren.

Die Ge­werk­schaf­ten be­grüß­ten die Plä­ne: „Da­mit wird end­lich der au­to­ma­ti­sche Ren­ten-sink­flug ge­stoppt, und zwar per Ge­setz“, sag­te Dgb-vor­stands­mit­glied An­ne­lie Bun­ten­bach. Die IG Me­tall for­der­te, das Ren­ten­ni­veau müs­se „per­spek­ti­visch wie­der er­höht wer­den“. Dem schloss sich der So­zi­al­ver­band VDK an: Es müs­se dau­er­haft 50 Pro­zent er­rei­chen, sag­te Vdk-prä­si­den­tin Ve­re­na Ben­te­le. Sonst dro­he im­mer mehr Men­schen nach jahr­zehn­te­lan­ger Ar­beit Al­ters­ar­mut.

Der Lin­ken-ren­ten­ex­per­te Mat­thi­as Birk­wald be­män­gel­te: „Durch die fal­sche Bei­trags­satz­hal­t­el­i­nie und das ha­sen­fü­ßi­ge Ein­frie­ren des Ren­ten­ni­veaus auf nur 48 Pro­zent wer­den Rent­ne­rin­nen und Rent­ner bis 2023 kei­nen Cent mehr Ren­te er­hal­ten als oh­ne Hal­t­el­i­ni­en.“Er for­der­te, das Ren­ten­ni­veau dau­er­haft auf 53 Pro­zent zu er­hö­hen.

„Das Gros der Maß­nah­men ist nicht ge­eig­net, um treff­si­cher Ar­mut­s­prä­ven­ti­on zu be­trei­ben“, sag­te Jo­chen Pim­pertz vom un­ter­neh­mens­na­hen In­sti­tut der deut­schen Wirt­schaft (IW). Für den Ar­beit­ge­ber­ver­band BDA kri­ti­sier­te Haupt­ge­schäfts­füh­rer Stef­fen Kam­pe­ter, es ge­be leicht- fer­ti­ge Leis­tungs­aus­wei­tun­gen. Das Ren­ten­pa­ket sei „teu­er und un­ge­recht“. Das Min­dest­ren­ten­ni­veau von 48 Pro­zent wi­der­spre­che dem Grund­satz der Ge­ne­ra­tio­nen­ge­rech­tig­keit.

Nicht fest­le­gen woll­te sich Heil, wie stark er den Bei­trags­satz zur Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung re­du­zie­ren will. Uni­ons-frak­ti­ons­chef Vol­ker Kau­der hat­te ge­for­dert, ihn ab An­fang 2019 von drei auf 2,4 Pro­zent zu sen­ken. Im Ko­ali­ti­ons­ver­trag ist nur halb so viel ver­ein­bart. Der Ar­beits­mi­nis­ter will „in den nächs­ten Ta­gen“ei­nen Ge­setz­ent­wurf vor­le­gen. (mit dpa)

Letz­ter Auf­ruf für die Fans der deut­schen Fuß­ball-na­tio­nal­mann­schaft. Heu­te noch­mal ei­ne or­dent­li­che Welt­meis­ter­par­ty schmei­ßen. Und dann trau­ern, denn mor­gen gibt es ei­nen neu­en Ti­tel­trä­ger. Wo­bei: Ab­ge­dankt hat der am­tie­ren­de schon vor ei­ni­gen Ta­gen mit dem de­sas­trö­sen Vor­run­den-aus.

So schnell wird sich die Mann­schaft mit Bun­des­trai­ner Joa­chim Löw von der Schmach nicht er­ho­len. Men­tal ge­lähmt vom Tri­umph 2014 in Bra­si­li­en, hat der vier­ma­li­ge Welt­meis­ter die Wei­ter­ent­wick­lung die­ses Ball­spiels ver­schla­fen. Wie üb­ri­gens auch Spa­ni­en. Die Leis­tun­gen bei der Eu­ro 2016 mit dem Halb­fi­nal-aus ge­gen Frank­reich und die Auf­trit­te in der leich­ten Wm-qua­li­fi­ka­ti­on hät­ten als Warn­si­gna­le ver­stan­den wer­den kön­nen. Das wur­den sie aber nicht. Was gut war, muss vier Jah­re spä­ter nicht auch gut sein. Es ist kein Zu­fall, dass es in der Ge­schich­te der Fuß­bal­lWelt­meis­ter­schaf­ten erst zwei Ti­tel­ver­tei­di­gun­gen gab: Ita­li­en (1934/38) und Bra­si­li­en (1958/62). Aber die DFB-AUS­wahl dach­te, sie könn­te die Fuß­ball-ge­set­ze au­ßer Kraft set­zen.

Zdf-kom­men­ta­tor Bé­la Ré­thy brach­te in der letz­ten Vor­run­den-par­tie ge­gen Süd­ko­rea das Di­lem­ma des deut­schen Spiels mit ei­nem Satz auf den Punkt: „Das ist hier al­les kei­ne Zeit­lu­pe, das sind rea­le Bil­der!“Ob Frank­reich oder Bel­gi­en, ob En­g­land oder Kroa­ti­en: Tem­po und durch­aus ris­kan­tes Ver­ti­kal­spiel sind ak­tu­ell das A und O des Fuß­balls. Ei­ne so­li­de De­fen­siv­ar­beit mit ei­nem her­vor­ra­gen­den Tor­hü­ter ist die Ba- sis. Ball­be­sitz­fuß­ball ist nicht tot, aber wie­der ein­mal wur­de der Be­weis an­ge­tre­ten (wie zu Lou­is van Gaals Zei­ten beim FC Bay­ern): Ball­be­sitz darf nicht zum Selbst­zweck ver­kom­men. Den Ball zu ha­ben, ist bes­ser, als ihn nicht zu ha­ben, aber das kann nur der Aus­gangs­punkt sein für ein mal ge­dul­di­ges, mal schnel­les Spiel nach vor­ne.

Das Tur­nier in Russ­land war kein Of­fen­siv-feu­er­werk. Vie­le Teams stell­ten die Si­cher­heit in den Vor­der­grund. Den ei­ge­nen Straf­raum ab­schot­ten – und vor­ne hilft der lie­be Gott. Oder ei­ne Stan­dard­si­tua­ti­on. Rund 40 Pro­zent der To­re fie­len nach ei­nem ru­hen­den Ball. Das sind düs­te­re Aus­sich­ten. Und wenn, viel­leicht schon bei der WM 2022 in Ka­tar, das Teil­neh­mer­feld von 32 auf 48 Mann­schaf­ten auf­ge­bläht wird, wer­den die spie­le­ri­schen Ele­men­te durch den Ver­lust an Qua­li­tät noch wei­ter zu­rück­ge­hen.

Die eu­ro­päi­schen Mann­schaf­ten ha­ben die­ser WM den Stem­pel auf­ge­drückt. Erst­mals seit 1982 er­reich­te kein Team aus Afri­ka das Ach­tel­fi­na­le. Im­mer mehr eu­ro­päi­sche Na­tio­nen in­ves­tie­ren in Trai­ner, in Me­di­zin, in die Ana­ly­se der Spiel­da­ten. Weil sie das Geld ha­ben. Die Glo­ba­li­sie­rung, die das Nord-süd-ge­fäl­le wei­ter ver­schärft, macht sich be­merk­bar. Ach ja, und dann war da noch Russ­land als Gast­ge­ber. Fuß­bal­le­risch über­zeug­te die Sbor­na­ja mit dem Er­rei­chen des Vier­tel­fi­na­les. Die Stim­mung in den zwölf top-mo­der­nen Sta­di­en war pri­ckelnd. Aber die in­nen- und au­ßen­po­li­ti­schen Pro­ble­me wer­den das Land spä­tes­tens in der nächs­ten Wo­che wie­der ein­ho­len.

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