„Da­mit wir wie­der ler­nen, mit dem Wolf zu le­ben“

Der Wild­park Schorf­hei­de will ein In­for­ma­ti­ons­zen­trum über die von vie­len ge­fürch­te­ten Tie­re öff­nen / Bau­ern­ver­band hält Ent­schä­di­gun­gen für wich­ti­ger

Märkische Oderzeitung Bernau - - Brandenburg - Von Jea­net­te Be­der­ke

Völ­lig ent­spannt lie­gen Ma­ja und Ma­li­na in der Son­ne. Die nor­ma­ler­wei­se scheu­en Wöl­fe las­sen sich auch von Men­schen hin­term Zaun ih­res Ge­he­ges im Wild­park Schorf­hei­de bei Groß Schö­ne­beck (Bar­nim) nicht ir­ri­tie­ren. „Das funk­tio­niert nur, weil wir sie mit der Fla­sche auf­ge­zo­gen ha­ben und sie da­durch an Men­schen ge­wöhnt sind“, er­klärt Wild­park­che­fin Im­ke Hey­ter. Denn auch wenn es in Bran­den­burg ak­tu­ell 21 wild­le­ben­de Wolfs­ru­del gibt: So nah wie hier be­kom­men Men­schen die streng ge­schütz­ten Raub­tie­re sonst wohl nicht zu se­hen.

Die bei­den ein­jäh­ri­gen Wolfs­da­men, ein Alt­wolf na­mens Sto­ry so­wie zwei wei­te­re Tie­re, die zum Ge­he­ge-ru­del ge­hö­ren, sind so laut Hey­ter auch die wich­tigs­ten An­schau­ungs­ob­jek­te des neu­en Wolf­s­in­for­ma­ti­ons­zen­trums, das ge­gen­wär­tig im Dach­ge­schoss des Wild­par­kBe­su­cher­zen­trums ent­steht. Es soll im Herbst er­öff­net wer­den.

„Un­ser Ru­del kann viel zur Ak­zep­tanz des Wol­fes in Bran­den­burg bei­tra­gen“, hofft die 45-Jäh- ri­ge – wohl wis­send, dass die öf­fent­li­che Dis­kus­si­on über die Rück­kehr des Wol­fes ak­tu­ell vor al­lem von Ängs­ten und Sor­gen ge­prägt ist. „Die Leu­te stel­len sich die Tie­re im­mer ex­trem groß vor und sind dann völ­lig über­rascht, wenn sie sie bei uns im Ori­gi­nal se­hen“, sagt Hey­ter.

Seit Jah­ren bie­tet sie nächt­li­che Voll­mond-ex­kur­sio­nen zu den Wild­park-wöl­fen an. Die mehr­stün­di­gen Wan­de­run­gen mit Raub­tier­füt­te­rung sind meist aus­ge­bucht. „Da kom­men tat­säch­lich Be­su­cher, die mehr über den Wolf wis­sen wol­len und ihn nicht ein­fach ver­teu­feln“, deu­tet sie an.

Emo­tio­nen sol­len in der Aus­stel­lung eben­so the­ma­ti­siert wer­den wie Wis­sens­wer­tes zum Tier selbst und sei­ner Ge­schich­te. Wo­für der Wolf gut sei, wird Hey­ter oft ge­fragt. „Er jagt in ers­ter Li­nie Scha­len­wild. Das führt zu we­ni­ger Wild­schä­den wie dem Ver­biss jun­ger Bäu­me, was wie­der­um den Förs­ter froh macht“, lau­tet ih­re Ant­wort. Auf­klä­rung durch In­for­ma­ti­on, das ist ihr Cre­do.

„Die Si­tua­ti­on Mensch-wolf spitzt sich tat­säch­lich im­mer mehr zu“, be­stä­tigt Jens-uwe Scha­de, Spre­cher des Bran­den­bur­ger Um­welt­mi­nis­te­ri­ums, auf des­sen Be­stre­ben hin das In­for­ma­ti­ons­zen­trum ein­ge­rich­tet wird. Ei­ne Mil­li­on Eu­ro hat das Mi­nis­te­ri­um für den Bau zur Ver­fü­gung ge­stellt, da­mit – so Scha­de – „wir wie­der ler­nen, mit dem Wolf zu le­ben“. Sach­kun­di­ge Aus­künf­te auf pro­fes­sio­nel­ler Grund­la­ge sei­en da­für not­wen­dig, oh­ne das The­ma zu ver­nied­li­chen, fügt er hin­zu.

Das sieht die Wild­park­che­fin ähn­lich. Doch auch mit dem In­for­ma­ti­ons­zen­trum wer­de es wei­ter Men­schen ge­ben, die den Wolf has­sen wol­len. Schon mehr­fach sei der Wild­park ver­däch­tigt wor­den, „sei­ne Wöl­fe“heim­lich frei­zu­las­sen. Ne­ben dem an Men­schen ge­wöhn­ten Ru­del gibt es ein wei­te­res mit elf Tie­ren, das für Be­su­cher nicht zu­gäng­lich ist. Es wird laut Hey­ter aus­schließ­lich zu For­schungs­zwe­cken ge­hal­ten.

Ge­mein­sam mit dem Bran­den­bur­ger Schaf­zucht­ver­band hat der Wild­park ein Pro­jekt ent­wi­ckelt. Vom Wolfs­zen­trum aus wird ei­ne Wei­de mit ei­ner ge­misch­ten Her­de zu be­ob­ach­ten sein: Scha­fe, Zie­gen, Rin­der und Pfer­de, be­wacht von Her­den­schutz­hun­den und be­grenzt von wolfs­si­che­ren Zäu­nen. „Wir prä­sen­tie­ren dort al­le zu­ge­las­se­nen Mo­del­le an Schutz­vor­rich­tun­gen“, er­klärt Hey­ter. Da­zu sol­len als Be­ra­tung auch ent­spre­chen­de Se­mi­na­re für Tier­hal­ter an­ge­bo­ten wer­den. Au­ge in Au­ge mit Ise­grim.

Hen­rik Wen­dorff, Prä­si­dent des Bran­den­bur­ger Lan­des­bau­ern­ver­ban­des und selbst Bi­o­bau­er im Oder­bruch, hält die Ent­schä­di­gung wolfs­ge­plag­ter Tier­hal­ter für we­sent­lich wich­ti­ger als die Ein­rich­tung ei­nes In­fo­zen­trums. „Wir Land­wir­te wer­den bei der gan­zen The­ma­tik au­ßen vor ge­las­sen. Mit uns re­det das Land gar nicht erst“, be­klagt er. Der­zeit wür­den die Bau­ern auf den Wolfs­ma­nage­ment­plan zum Um­gang mit den Raub­tie­ren war­ten. (dpa)

Schon bis­her zählt der Park jähr­lich rund 100 000 Be­su­cher, die vie­le Fra­gen ha­ben

Mehr zum The­ma un­ter: www.moz.de/wolf

Fo­to: dpa/patrick Pleul

Au­ge in Au­ge mit Ise­grim: So nah wie im Wild­park Schorf­hei­de kommt man den Wöl­fen sel­ten.

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