Ge­richt ver­bie­tet Ärz­tin Wer­bung für Ab­trei­bun­gen

Märkische Oderzeitung Bernau - - Nachrichten -

Das Land­ge­richt Gie­ßen hat am Frei­tag die Be­ru­fung der Gie­ße­ner Ärz­tin Kris­ti­na Hä­nel ver­wor­fen. Die All­ge­mein­me­di­zi­ne­rin war im ver­gan­ge­nen No­vem­ber vom Amts­ge­richt Gie­ßen zu ei­ner Geld­stra­fe ver­ur­teilt wor­den, weil sie auf der In­ter­net­sei­te ih­rer Pra­xis über Schwan­ger­schafts­ab­brü­che in­for­miert hat­te. Nach Auf­fas­sung des Amts­ge­richts ver­stieß sie da­mit ge­gen das Wer­be­ver­bot für Ab­trei­bun­gen nach Pa­ra­graf 219a Straf­ge­setz­buch. Das Ur­teil hat­te ei­ne bun­des­wei­te De­bat­te über den Straf­rechts­pa­ra­gra­fen aus­ge­löst.

Rich­ter Jo­han­nes Nink sag­te am En­de sei­ner Ur­teils­be­grün­dung, Hä­nel sol­le das Ur­teil tra­gen wie ei­nen „Eh­ren­ti­tel“im Kampf für ein bes­se­res Ge­setz. Der Ge­setz­ge­ber ha­be sich sei­ner­zeit mit der Be­ra­tungs­re­ge­lung zum Schwan­ger­schafts­ab­bruch ei­nen „fürch­ter­li­chen Kom­pro­miss“er­kämpft.

Hä­nel und ihr Ver­tei­di­ger Karl­heinz Mer­kel kün­dig­ten nach der Ver­hand­lung an, beim Ober­lan­des­ge­richt um­ge­hend Re­vi­si­on ge­gen das Ur­teil des Land­ge­richts be­an­tra­gen zu wol­len. Be­reits vor dem Ver­fah­ren hat­te Hä­nel deut­lich ge­macht, not­falls bis vor das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zu ge­hen.

Vor dem Ge­richts­ge­bäu­de de­mons­trier­ten am Mor­gen rund 150 Men­schen für ei­nen frei­en Zu­gang zu In­for­ma­tio­nen über Schwan­ger­schafts­ab­brü­che. So­wohl Bun­des­fa­mi­li­en­mi­nis­te­rin Fran­zis­ka Gif­fey (SPD) als auch Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­rin Ka­ta­ri­na Bar­ley (SPD) plä­dier­ten für ei­ne Neu­re­ge­lung des Pa­ra­gra­fen 219a. „Ärz­te brau­chen hier drin­gend Rechts­si­cher­heit“, da­mit sach­li­che In­for­ma­ti­on mög­lich sei, sag­te Gif­fey. Bar­ley be­ton­te, sie sei op­ti­mis­tisch, dass „noch in die­sem Herbst“ei­ne Lö­sung in der Ko­ali­ti­on ge­fun­den wer­de. „Hier ver­traue ich auf das Wort der Kanz­le­rin, die zu­ge­sagt hat, ei­ne gu­te Lö­sung für al­le Be­tei­lig­ten zu fin­den.“Die Jus­tiz­mi­nis­te­rin hat die Fe­der­füh­rung in ei­ner Grup­pe von Ka­bi­netts­mit­glie­dern, die ei­nen Kom­pro­miss aus­han­deln soll.

Im Bun­des­tag gä­be es theo­re­tisch ei­ne Mehr­heit, um den Pa­ra­gra­fen 219a auch oh­ne die Zu­stim­mung der Uni­ons­ab­ge­ord­ne­ten zu än­dern oder zu strei­chen. Die SPD zö­gert je­doch mit ei­nem sol­chen Schritt, weil dies ge­gen den mit der Uni­on aus­ge­han­del­ten Ko­ali­ti­ons­ver­trag ver­sto­ßen wür­de. (epd/dpa/moz)

Spd-mi­nis­te­rin­nen wol­len Ge­setz än­dern

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