Streit bei den Lin­ken über Groß­de­mo

Wa­genk­necht kri­ti­siert Aus­gren­zung von Mi­gra­ti­ons­kri­ti­kern und ern­tet Wi­der­spruch ih­rer Ge­nos­sen

Märkische Oderzeitung Bernau - - Nachrichten - Von an­dré bochow

Am Di­ens­tag saß Sah­ra Wa­genk­necht in Ber­lin auf ei­ner Büh­ne und dis­ku­tier­te. Die Ex-che­fin der Lin­ken, Ge­si­ne Lötzsch, frag­te nach der von Wa­genk­necht mit­ge­grün­de­ten Samm­lungs­be­we­gung „auf­ste­hen“und ob denn die Be­we­gung bei der De­mons­tra­ti­on „un­teil­bar“am Sonn­abend teil­neh­men wür­de. Dar­auf die lin­ke Bun­des­tags­frak­ti­ons­che­fin: „Wir sind for­mal nicht da­bei.“Sie füg­te aber hin­zu, es wer­de „si­cher­lich Leu­te von uns ge­ben, die da hin­ge­hen. Ich hal­te es für ab­so­lut rich­tig, wenn vie­le Leu­te ge­gen Ras­sis­mus und Rechts- ent­wick­lung auf die Stra­ße ge­hen.“Doch die 49-Jäh­ri­ge be­ließ es nicht bei die­sen Wor­ten. Viel­mehr kri­ti­sier­te sie den Text des De­mo-auf­ru­fes we­gen der „Ten­denz“, nach der „of­fe­ne Gren­zen für al­le schon wie­der als die be­stim­men­de Po­si­ti­on dar­ge­stellt wird“. Wa­genk­necht sieht des­we­gen je­ne aus­ge­grenzt, die kei­ne Ras­sis­ten sind und trotz­dem un­be­grenz­te Mi­gra­ti­on ab­leh­nen.

Wa­genk­nechts Kri­tik geht al­ler­dings ziem­lich ins Lee­re. Von „of­fe­nen Gren­zen für al­le“ist im Auf­ruf­text nicht die Re­de. Viel­mehr heißt es dort: „Wir las­sen nicht zu, dass So­zi­al­staat, Flucht und Mi­gra­ti­on ge­gen­ein­an­der aus­ge­spielt werden.“

Wäh­rend der lin­ke Ko-frak­ti­ons­chef Diet­mar Bartsch kein Pro­blem da­mit hat, dass sei­ne Mit­vor­sit­zen­de nicht zu ei­ner De­mons­tra­ti­on will, zu der die Link­s­par­tei und die Frak­ti­on auf­ru­fen, sind an­de­re Ge­nos­sen recht auf­ge­bracht. Udo Wolf, Frak­ti­ons­chef der Lin­ken im Ber­li­ner Ab­ge­ord­ne­ten­haus, fin­det es „völ­lig ir­re­al, was sich Links­frak­ti­on und die Par­tei bie­ten las­sen“.

Und Ste­fan Lie­bich, au­ßen­po­li­ti­scher Spre­cher der Bun­des­tags­frak­ti­on, meint, Wa­genk­necht ha­be „ei­ne Gren­ze über­schrit­ten“. Auf Twit­ter legt Lie­bich nach: „Wenn man als wich­ti­ge Po­li­ti­ke­rin ne­ben der ei­ge­nen Par­tei auch ei­ner Or­ga­ni­sa­ti­on an­ge­hört, die teil­wei­se an­de­re Zie­le ver­folgt, muss man sich im Kon­flikt­fall eben ent­schei­den, wo man hin­ge­hört.“

Aber auch bei „auf­ste­hen“herrscht Un­ei­nig­keit. Wa­genk­nechts Mit­strei­ter Fa­bio De Ma­si wirbt auf der Face­boo­ksei­te der Be­we­gung of­fen für die De­mo „Ich bin am Sams­tag bei ‚un­teil­bar‘ auf der Stra­ße“, sagt er. In ei­nem Kom­men­tar zu der Aus­ein­an­der­set­zung heißt es: „Die­se Spal­te­rei macht die Lin­ken so kraft- und saft­los. Wann ka­piert ihr das mal?“

Mehr da­zu un­ter: www.moz.de/die­lin­ke

Sah­ra Wa­genk­necht Fo­to: dpa

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