Tot­ge­sag­te le­ben län­ger

Deut­sches Ta­bak­ge­schäft sta­bi­li­siert sich / Fast der ge­sam­te An­bau wird in Shishas ver­wen­det

Märkische Oderzeitung Bernau - - Wirtschaft -

Ern­te­hel­fer sor­tie­ren ge­trock­ne­te Ta­bak­blät­ter: 96 Pro­zent des deut­schen Ta­baks wird zu Shi­sha-ta­bak. Fo­to: dpa/patrick See­ger

Nach Jah­ren des Schrump­fens hat sich die Zahl der ta­bak­an­bau­en­den Be­trie­be in Deutsch­land sta­bi­li­siert. „Es war ein müh­se­li­ger Pro­zess, aber wir ha­ben uns jetzt kon­so­li­diert und sind op­ti­mis­tisch“, sagt Sven Pla­eschke, Ge­schäfts­füh­rer des Bun­des­ver­ban­des Deut­scher Ta­bak­pflan­zer. Das lie­ge ins­be­son­de­re am boo­men­den Ta­bak­markt für Was­ser­pfei­fen, so­ge­nann­te Shishas. „Das hat uns ge­ret­tet“, sagt auch Jo­chen Adam, größ­ter Ta­bak­an­bau­er in Ba­den-würt­tem­berg und Chef des dor­ti­gen Lan­des­ver­bands. Et­wa 96 Pro­zent des deut­schen Ta­baks lan­de­ten frü­her oder spä­ter in ei­ner Shi­sha, sagt Bran­chen­ver­tre­ter Pla­eschke. Die Blät­ter ent­hiel­ten we­nig Ni­ko­tin und hät­ten ei­nen ho­hen Zu­cker­ge­halt.

In Deutsch­land werden pro Jahr auf knapp 2000 Hekt­ar Flä­che et­wa 5000 Ton­nen Ta­bak ge­ern­tet. Dem im in­ter­na­tio­na­len Ver­gleich schon im­mer klei­nen Wirt­schafts­zweig wur­de noch vor we­ni­gen Jah­ren der end- gül­ti­ge Tod vor­her­ge­sagt. Denn die Zahl deut­scher Ta­bak­bau­ern schrumpf­te nach dem En­de der Eu-sub­ven­tio­nen 2009 von da­mals 360 auf in­zwi­schen rund 100 Be­trie­be. In Ba­den-würt­tem­berg, dem Bun­des­land mit den meis­ten ta­bak­an­bau­en­den Be­trie­ben, lag die Zahl der Ta­bak­bau­ern im Jahr 2010 noch bei mehr als 60. Heu­te sei nur noch die Hälf­te üb­rig, er­klärt Ta­bak­bau­er Adam. Auf Platz zwei und drei der wich­tigs­ten An­bau­ge­bie­te fol­gen Rhein­land-pfalz und Bay­ern.

Mit Blick auf die Ent­wick­lung der ver­gan­ge­nen Jah­re spricht Pla­eschke von ei­nem Struk­tur­wan­del. „We­ni­ge gro­ße Be­trie­be ma­chen jetzt das, was frü­her vie­le klei­ne mach­ten“, sagt er. Seit dem Jahr 2000 ha­be sich die von ei­nem Be­trieb be­wirt­schaf­te­te An­bau­flä­che von sie­ben auf durch­schnitt­lich 17 Hekt­ar ge­stei­gert. Ge­pflanzt wird dem­nach fast aus­schließ­lich noch die Sor­te Vir­gin, die im Ge­gen­satz zu Sor­ten wie Bur­ley oder Geu­derthei­mer nicht an der Luft, son­dern in Heiß­luft­ö­fen ge­trock­net wer­de und da­mit we­ni­ger Ar­beits­auf­wand und Lohn­kos­ten ver­ur­sacht.

Auf 80 Hekt­ar baut Ta­bak­bau­er Jo­chen Adam in Neu­ried im ba­den-würt­tem­ber­gi­schen Or­ten­au­kreis Ta­bak an. Rund 200 Ton­nen sind es in die­sem Jahr. Bei der gera­de zu En­de ge­gan­ge­nen Ern­te ge­be es trotz der lan­gen Trockenheit nur ge­rin­ge Aus­fäl­le. Statt bis zu 2,8 Ton­nen Ta­bak pro Hekt­ar ern­te­ten Adam und sei­ne Hel­fer in die­sem Jahr et­wa 2,5 Ton­nen. Zu­frie­den ist der Ta­bak­bau­er mit dem Er­geb­nis trotz­dem: Der Ki­lo­preis für Ta­bak sei in den ver­gan­gen Jah­ren zwi­schen zehn und 20 Pro­zent ge­stie­gen. (dpa)

Vie­le klei­ne Be­trie­be sind we­ni­gen gro­ßen ge­wi­chen

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.